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Ein Blick in den Garten des Nachbars

Ein Blick in den Garten des Nachbars

Bei der Offenen Gartenpforte gibt es Tipps aus Privatgärten.

Wuppertal. Der Kaffee ist fertig, der Kuchen steht auf dem Tisch, nur die Gäste bleiben aus. Es könnte daran liegen, dass sie nicht eingeladen wurden. Nun ja, zumindest nicht persönlich, sondern nur per Aufruf: Offene Gartenpforte 2008. Ute Scholl-Halbach meint, es liegt am Wetter. Ehemann Matthias vermutet, dass zu viele Feste parallel stattfinden. Da bleibt erst einmal nur der Rückblick: "Im vergangenen Jahr konnten wir uns gar nicht retten vor Besuchern."

Das Ronsdorfer Ehepaar hat zum zweiten Mal die Gartenpforte für Topfgucker aufgeschlossen, wobei auch das nur sinnbildlich zu verstehen ist. Denn tatsächlich besitzt das Grundstück an der Talsperrenstraße weder Tor noch Zaun, ein ganzjährig offenes Gelände, zu dem rechts ein schmaler Pfad am Haus vorbei führt, während zur Linken eine niedrige Spieren-Hecke die Linie zwischen Dein und Mein andeutet.

"Früher hatten wir dort Hühner", erzählt Matthias. "Dann hat der Fuchs sie geholt." Inzwischen umkränzt die Hecke einen separaten Bauerngarten mit Hochbeet und Kräuterspirale. Dazwischen schießt der Rhabarber ins Kraut, während die Spieren Knospen angesetzt haben.

450 Quadratmeter Grundstück, davon 300 für den Garten. Ein Zaun wäre Barriere, das mag die Familie nicht und schwelgt noch einmal in Erinnerungen: "Man kann bei der Gelegenheit so viele Leute kennenlernen. Die werden auch schnell persönlich und erzählen ihre komplette Lebensgeschichte."

Allerdings gebe es eine deutliche Sortierung: "Die einen bleiben mehrere Stunden, die anderen sind nach fünf Minuten wieder weg." Scholl-Halbachweiß auch, warum: "Wer auf englischen Rasen und Rhododendren steht, ist hier schnell fertig."

Zu dem alten Fachwerkhaus mit Schiefer an der Wetterseite würden gezirkelte Parzellen aber auch nicht passen. Funkien und Frauenmantel sprießen, dazwischen changiert die Natur mit der Kunst, denn Ute versteht sich als Garten- und Glaskünstlerin zugleich. Matthias, in der Freizeit Bastler, von Beruf Feuerwehrmann, ist im Garten nur fürs Grobe zuständig.

"Neulich bei dem Unwetter war er bei anderen im Keller, während ich seine Kollegen hier hatte", erzählt Ute. Auch so können zwischenmenschliche Begegnungen aussehen, doch die Gartenpforte wird noch immer nicht genutzt. Falls doch noch Gäste kommen, weiß Ute schon jetzt, warum die meisten schauen: "Viele möchten sich Ideen holen, einfach mal sehen, was normale Menschen unter normalen Bedingungen schaffen."