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Ein Bekenntnis gegen die Gleichschaltung

Ein Bekenntnis gegen die Gleichschaltung

Wie die Bekennende Kirche 1934 die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet.

Wuppertal. „Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären.“ So steht es in der dritten der sechs Thesen der Barmer Theologischen Erklärung — verabschiedet Ende Mai 1934 und noch heute verbindlich für jeden evangelischen Pfarrer. Gerichtet hat sich diese Erklärung in erster Linie gegen die Deutschen Christen — jene Bewegung, die in den 1930er Jahren die christliche Lehre mit der nationalsozialistischen Ideologie auf Linie bringen wollten.

So kraftvoll die Worte waren, welche die 139 Synodalen 1934 in Barmen zur geistigen und geistlichen Eigenständigkeit der christlichen Kirche fanden — vieles blieb ungesagt. Insbesondere fand die Barmer Theologische Erklärung, die noch heute in jedem Evangelischen Kirchengesangbuch abgedruckt ist, keine Silbe der Kritik an der nationalsozialistischen Judenfeindlichkeit und -verfolgung. Vor fünf Jahren, zum 75. Jahrestag der Barmer Erklärung, erinnerte der heutige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, daher daran, dass sich unter den Barmer Synodalen auch Nazi-Sympathisanten befunden haben.

Ein herausragendes Dokument der Widerständigkeit christlichen Glaubens ist die Erklärung dennoch — zumal die Syndodalen mit ihrer Verabschiedung das traditionelle Bündnis zwischen „Thron und Altar“, zwischen staatlicher Obrigkeit und evangelischer Kirche durchbrachen. „Es war kein Zufall, dass diese Synode in Barmen tagte“, betont Pfarrer Martin Engels — schließlich war das dortige Kirchenmillieu ein tief frommes mit selbstbewussten Presbyterien und charismatischen Pfarrern wie Karl Immer und Paul Humburg, die sich von keiner Ideologie vereinnahmen lassen wollten.

Und eine, die klaffendste Leerstelle der Barmer Erklärung? Die hat sich nach Meinung Vieler im Jahr 2002 mit der Einweihung der Bergischen Synagogoge neben der Kirche geschlossen. Das Grundstück zum Bau des Bethauses schenkte die Kirche der Jüdischen Gemeinde — und die einzigartige Nachbarschaft zwischen Kirche und Synagoge in Barmen wurde vielfach als die „siebte Barmer These“ bezeichnet — die, die leider nie geschrieben wurde. fl/gör