Verkehr und Nachhaltigkeit E-Bike statt Zweitwagen: Mobilität in Wuppertal verändert sich

Wuppertal · Trend: Neuer Händler „Bob.bike Outlet“ bietet gebrauchte Fahrräder an.

Klassische Hollandräder und E-Bikes gehören zum Angebot an der Leimbacher Straße – sie sind gebraucht, aber durch das Team runderneuert.

Klassische Hollandräder und E-Bikes gehören zum Angebot an der Leimbacher Straße – sie sind gebraucht, aber durch das Team runderneuert.

Foto: Anna Schwartz/ANNA SCHWARTZ

An der Leimbacher Straße hat ein Geschäft für gebrauchte Fahrräder eröffnet. Das „Bob.bike Outlet“ in Barmen ist nach Essen und Hagen der dritte Standort der verantwortlichen Bob.bike GmbH.

„Der Kauf eines Gebrauchtwagens ist seit Jahrzehnten gelebte Praxis. Gebrauchte Fahrräder dagegen entwickeln sich gerade erst zum Trend“, sagt Thomas Bruß, Leiter des Business Developments. „Wir wollen den Fahrrädern ein zweites Leben einhauchen, zumal sie seltener auf Vordermann gebracht werden als es bei Autos der Fall ist. Kaum jemand tauscht etwa bei E-Bikes den Akku aus, wenn dessen Leistung mit der Zeit nachlässt.“ Dabei gehöre Nachhaltigkeit gerade bei alternativer Mobilität zu den Grundlagen.

Von der steigenden Nutzung ist Thomas Bruß überzeugt – nicht nur, weil er bereits die zugehörige Fahrradwerkstatt betreibt, sondern weil der Trend deutlich spürbar sei. „Anschaffungen in vielen Haushalten gehen nicht zum Zweit- oder Drittwagen, sondern zum Fahrrad.“ Besonders in Wuppertal würden dabei zu 90 Prozent E-Bikes nachgefragt, auch aufgrund der Topographie mit vielen Steigungen. „Früher habe ich gesagt: Echte Fahrradfahrer erkennt man an den Oberschenkeln, aber mittlerweile bin ich als Freizeitfahrer selbst froh, dass ich eine elektrische Unterstützung habe.“

250 Räder sind aktuell im Laden verfügbar, weitere 400 stehen im Lager in der ersten Etage. Diese werden nach und nach aufbereitet. „Wir betreiben in Wuppertal seit anderthalb Jahren eine Radwerkstatt mit acht Mechanikern und zwei Meistern“, erzählt Thomas Bruß. „Dann haben wir einen Platz für einen ergänzenden Verkauf gesucht“. Der Standort an der Leimbacher Straße sei ideal, zumal er nicht weit von der Nordbahntrasse entfernt ist. Auch eine Probefahrt auf dem Gelände sei möglich. „Wir haben einen kleinen Elefantenhügel, auf dem man E-Bikes testen kann.“

Die Preisspanne des
Angebots ist sehr groß

70 Prozent der gebrauchten Fahrräder, die generalüberholt werden, würden über Leasing-Gesellschaften reinkommen, die Unternehmen Diensträder zur Verfügung stellen – ein ebenfalls aufstrebender Markt, betont Bruß. Nach einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln betrug das Volumen im Leasing von Fahrrädern im Jahr 2023 rund 2,5 Milliarden Euro, das entspricht einer Steigerung von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Die Fahrräder werden begutachtet, repariert, fotografiert, ins Internet gestellt und kommen dann in den Laden“, erklärt Bruß. „Im Grunde arbeiten wir wie bei Autos, nur eben mit einer anderen Form der Mobilität.“ Die Preisspanne des Angebots ist dabei sehr groß: „Es gibt klassische Hollandräder, die gebraucht für 500 bis 600 Euro erhältlich sind, aber auch Mountainbikes für 5000 bis 6000 Euro, die im Neuzustand bis zu 10 000 Euro gekostet haben.“ Im Durchschnitt würden die Preise bei 2000 bis 2500 Euro liegen, Hauptkunden seien dabei ebenfalls die Leasing-Gesellschaften, aber auch Privatnutzer würden fündig, „zumal die Corona-Pandemie einen positiven Effekt auf den Freizeitverkehr hatte“.

Da die Bob.bike GmbH ein Tochterunternehmen der Essener Bob Automotive Group GmbH sei, betont Thomas Bruß: „Wir möchten keine Mobilitätsformen gegeneinander ausspielen – im Gegenteil: Wir möchten den alten Krieg zwischen Autofahrern und Fahrradfahrern beseitigen.“ Es müsse auch in Zukunft eine Koexistenz bestehen bleiben, „eine Kombination, die auch durch fahrradfreundliche Arbeitgeber an Konjunktur gewinnt“.

Was die Verkehrsplanung betreffe, sei er kein Experte, „aber wenn man berücksichtigt, dass ein gängiges E-Bike maximal 25 km/h fährt und in den Städten immer mehr Tempo-30-Zonen für Kraftfahrzeuge eingerichtet werden, dann ist nicht nur die Diskrepanz in der Geschwindigkeit fast verschwunden, sondern auch das Risiko, zu überholen“. Gleichzeitig könne man sich natürlich die Frage stellen, welche Fortbewegung sinnvoller ist, doch dies müsse jeder selbst entscheiden können.

Das Bob.bike Outlet an der Leimbacher Straße 85 ist dienstags bis freitags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

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