E-Autos — der verzögerte Wandel

E-Autos — der verzögerte Wandel

Fünf Jahre nach der Aktion „E-Mobile 100“ ist klar: Die Revolution blieb aus — bisher. Das liegt laut Initiator Heynkes an der Industrie.

Wuppertal. Vor fünf Jahren sagte E-Auto-Enthusiast Jörg Heynkes bis 2017 den Siegeszug der E-Mobilität voraus. 2500 bis 3000 strombetriebene Fahrzeuge sah er auf Wuppertals Straßen — heute ist gerade einmal die 200er Marke geknackt. „Das hätte ich nicht für möglich gehalten“, gibt Heynkes zu. Der Wandel sei in Deutschland von Industrie und Regierung ausgebremst worden.

Rückblick auf den Spätsommer 2012: Der Verein Wuppertal aktiv überzeugte in nur fünf Monaten mehr als 60 Unternehmer und Autofahrer, auf Elektroautos umzusteigen. Kurze Zeit später fuhren 100 E-Mobile durch die Straßen. „So viel wie in keiner anderen deutschen Stadt“, freute sich damals der Verein, für den Heynkes aktiv ist. Der erste Anschub war gemacht, doch das weitere Wachstum gestaltete sich zäh. 2016 fuhren 150 Elektroautos durch Wuppertal, inzwischen sind es mehr als 200.

Für die aus Sicht der E-Mobilitäts-Aktivisten enttäuschenden Zahlen gibt es unterschiedliche Gründe. Jörg Heynkes kritisiert die Automobilindustrie, die jetzt erst durch den Dieselskandal zum Handeln gezwungen sei. Außerdem sei die Anzahl der Ladesäulen im Stadtgebiet nicht ausreichend. Nach den Daten der Internetseite goingeletric.de gibt es auf Wuppertaler Stadtgebiet 26 öffentliche Aufladepunkte, 15 davon unterhalten die Stadtwerke. Dort können Kunden des Energieversorgers gratis ihren Wagen aufladen. „Für die heutige Anzahl der Autos mag die Zahl der Ladesäulen ausreichen — aber man könnte auch sagen: Es gibt eben nur so wenige E-Autos, weil die Zahl der Stationen so gering ist.“

Zudem seien die Ladesäulen teilweise „an völlig falschen Stellen“ gebaut. Er führt etwa die Säule im Parkhaus Stadthalle an, die am späten Abend und sonntags nicht zu erreichen ist, oder die Säule an der Station Natur und Umwelt. Heynkes lacht: „Das ist die Krönung. Da muss man klingeln und sich einen Schlüssel holen lassen — wenn denn gerade geöffnet ist. Als ich das mal gemacht habe, stellte sich heraus, dass die Säule gar nicht funktioniert.“ Eine Anfrage der WZ bei den Stadtwerken zur aktuellen Auslastung der Säulen wurde gestern nicht mehr beantwortet.

Musiklehrer Georg Frericks ist einer von Wuppertals zufriedenen E-Autobesitzern. Für ihn ist der Peugeot, der ihn rund 19 500 Euro abzüglich einer 4000 Euro-Prämie gekostet hat, der Zweitwagen, aber er nutze ihn mittlerweile häufiger als sein Diesel-Auto. Er lädt sein Fahrzeug zu Hause an der Steckdose auf. Eine Stunde entspreche einer Fahrstrecke von 16 Kilometern, im Idealfall trägt das Auto Frericks 120 Kilometer weit. „Natürlich muss man immer gut überlegen, wohin man fährt“, sagt er. Ungeplante Zwischenfälle zwangen ihn schon, doch wieder ins Diesel-Auto zu steigen: „Auf halbem Weg zu einem Konzert in Essen hatte ich einmal die Noten vergessen und musste zurückfahren. Dann passte die Strecke aber nicht mehr.“ Insgesamt ist Frericks, der aus ökologischen und finanziellen Gründen umgestiegen ist, aber begeistert. Durch den Umstieg auf Strom spare er im Monat 100 Euro an Spritkosten.

Jörg Heynkes wagt jetzt noch einmal den Ausblick in die nächsten fünf Jahre. Schafft Wuppertal die 3000 Fahrzeuge dieses Mal? „Es werden noch deutlich mehr sein“, ist sich der Unternehmer sicher. In rund zwei Jahren sei der Punkt erreicht, an dem die E-Fahrzeuge zur günstigeren Alternative bei den meisten Herstellern werden. Jörg Heynkes: „Dann kippt der Markt brutal.“

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