Infrastruktur: Düstere Prognose für Wuppertals Straßen

Infrastruktur : Düstere Prognose für Wuppertals Straßen

Die Stadt hat den Zustand ihrer Fahrbahndecken erfasst. Die Qualität ist mittelmäßig - noch.

Die Stadt Wuppertal hat erstmals detailliert den Zustand ihres gesamten Straßennetzes erfasst. Dabei handelt es sich um fast 1000 Kilometer Fahrtstrecke, die von einem speziellen Kamerawagen abgefahren wurden. Die Zustandsbewertung ergab, dass die Autofahrer sich im Stadtgebiet im Durchschnitt auf Straßen mit einem „mittleren Zustand“ (Note 4) bewegen. Das mit der Erfassung beauftragte Unternehmen bewertete Straßenabschnitte mit Noten von 1 (Bestnote) bis 8. Jede fünfte Straße bei der Erfassung bekam in Wuppertal die Note 4. Rund zwölf Prozent von Wuppertals Straßen sind bereits heute in einem miserablen Zustand (Note 7).

Stadt müsste Straßenbudget von 5,6 auf 24 Millionen Euro anheben

Doch besonders besorgniserregend sind die Prognosen der Experten. „Insgesamt ist das eine dramatische Situation“, bewertet Verkehrsdezernent Frank Meyer die Zahlen. Derzeit gibt Wuppertal 5,6 Millionen Euro jährlich für die die Straßenerhaltung aus. Sollte das so bleiben, wird die Durchschnittsnote für die Straßen bis 2028 auf eine 6 herabsinken. Das Erschreckende: Nur um den Status quo zu halten, müsste die Stadt ihren Haushaltsansatz für die Straßen vervierfachen. Frank Meyer sagt: „Um den jetzigen Zustand aufrecht zu erhalten, wäre ein Jahresbudget von rund 24 Millionen Euro nötig.“

Doch da wird der Kämmerer nicht mitspielen. Johannes Slawig stellte klar und deutlich fest: „Eine nennenswerte Steigerung des Budgets wird es nicht geben.“ Bleibt es dabei, müssen sich Autofahrer in den kommenden Jahren wohl auf mehr Schlaglöcher und Flickschusterei im Stadtgebiet einstellen.

Schon jetzt gibt es Straßen in sehr schlechtem Zustand. Häufiger sind die Anliegerstraßen betroffen, kaum die Hauptstraßen. Als Negativbeispiel nennt Stefan Lederer, Abteilungsleiter Straßenbau, zum Beispiel die Straße Am Siepken in Unterbarmen (Note 8).

Dass die Stadt nun die Totalausfälle identifiziert hat, bedeutet übrigens nicht, dass nun alle Straßen mit den Noten 7 und 8 sofort ausgebessert werden. Lederer sagt: „Wir werden nicht alle roten Straßen machen können. Auch wegen des Budgets.“ Die Stadt habe noch einen Sanierungsstau aufzufangen. Man sei stets in enger Abstimmung mit den Wuppertaler Stadtwerken. Müssen irgendwo Leitungen ausgetauscht werden, versuche die Stadt, wenn möglich, im gleichen Zuge auch die Straße auszubessern. Da könne es dann auch schon mal passieren, dass eine 6er Straße vor einer 8er Straße dran kommt.

In etwa fünf Jahren will die Stadt den Zustand der Fahrbahndecke erneut erfassen. Die aktuelle Untersuchung, für die bereits 2018 die Daten gesammelt wurden, erleichterte die Stadtkasse um 200 000 Euro.

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