Fahrunfähig am Steuer: Drogen haben in Wuppertal den Alkohol am Steuer überholt

Fahrunfähig am Steuer : Drogen haben in Wuppertal den Alkohol am Steuer überholt

2018 erwischte die Polizei mehr Wuppertaler Fahrer im Rauschzustand als unter Alkoholeinfluss. Die Zahlen dürften lediglich die Spitze des Eisbergs sein.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr 225 Fahrer kontrolliert, die unter dem Einfluss von Drogen am Steuer saßen. Damit übersteigt die Zahl bei Weitem die Zahl der alkoholisierten Fahrer, von denen die Polizei 2018 in Wuppertal 132 erwischt hat. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist eine Trendwende erkennbar: Immer mehr Drogenfahrer fallen bei Kontrollen auf. Zum Vergleich: 2006 wurden lediglich 58 berauschte Fahrer erwischt - im gesamten Bergischen Städtedreieck.

Diese Zahl stieg schon 2007 auf 191 Fahrer und 2010 auf 456. Der jüngste Wert aus dem Jahr 2018 liegt bei 454. Das ist sogar wieder ein leichter Rückgang. 2017 wurden in Wuppertal, Remscheid und Solingen fast 590 Fahrer unter Drogeneinfluss kontrolliert.

Diese Zahlen dürften lediglich die Spitze des Eisbergs sein. Keiner weiß, wie viele Drogenkonsumenten täglich unentdeckt durch Wuppertal fahren. Polizeisprecherin Hanna Meckmann sagt: „Man kann schon sagen, dass Drogenkonsum am Steuer salonfähiger geworden ist.“ Aber das sei nicht allein Grund für den drastischen Anstieg der Zahlen. Die Polizei schaut auch genauer hin. Es habe im Laufe der vergangenen Jahren immer mehr Fortbildungsmaßnahmen gegeben, die darauf abzielen, Drogenkonsumenten zu erkennen, berichtet Meckmann. „Das Dunkelfeld hellt sich auf.“

Die meisten Drogenfahrer haben Cannabis konsumiert. „Da stellen wir bei den Betroffenen kein großes Unrechtsbewusstsein fest“, so Meckmann. Auf Platz zwei der Rangliste stehen Amphetamine und mit einem größeren Abstand auf Platz drei Kokain.

Bekiffte Fahrer stellen eine Gefahr dar

Obwohl sich offenbar der Blick auf Cannabis in der Gesellschaft im Wandel befindet, weist die Polizei darauf hin, dass „bekiffte“ Fahrer im Straßenverkehr eine Gefahr darstellen. „Man wird entspannter und schläfrig. Das ist gefährlich, weil bei den Nutzern eine Reaktionsverzögerung einsetzt“, sagt Meckmann. Aufputschende Drogen sorgen hingegen dafür, dass Autofahrer hektisch agieren und risikobereiter werden. Die Polizei in NRW hat drei Hauptfaktoren ausgemacht, die maßgeblich zu Verkehrsunfällen mit schwerverletzten Personen führen: Drogenmissbrauch, überhöhte Geschwindigkeit und die Handynutzung am Steuer.

Während beim Alkohol die konsumierte Menge eine entscheidende Rolle für das Strafmaß spielt, geht es bei der Cannabis-Probe lediglich darum, ob der Grenzwert von einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut überschritten wurde. Beim Erstvergehen müssen Konsumenten mit einem Bußgeld von 500 Euro, zwei Punkten in Flensburg und einem Fahrverbot von einem Monat rechnen. Tückisch beim Cannabis-Konsum ist die Tatsache, dass die Droge selbst nach einem Tag noch im Blut nachweisbar ist. Der Fahrer fühlt sich schon wieder nüchtern - aber die Blutprobe der Polizei sagt etwas anderes.

Diese ist nötig, um einen Täter zu überführen. Es gibt keinen Atem-Tester wie beim Alkohol, so dass die Polizisten zunächst auf anderem Wege an einen Anfangsverdacht kommen müssen, der in einem Gang zur Wache mündet. Doch wie die Polizei berichtet, machen es die Täter den Beamten nicht immer sonderlich schwer. Manche reisen eingenebelt in einer Marihuana-Wolke durch den Straßenverkehr. Auch schauen die Beamten den Fahrern bei der Wahrheitsfindung oft tief in die Augen. „Je nach Art der Droge sind die Pupillen geweitet oder verengt“, weiß Polizeisprecher Stefan Weiand.

Übrigens ist nicht nur der Mensch am Lenkrad für sein Handeln verantwortlich. Der ADAC warnt: „Sowohl dem Beifahrer als auch einem Fahrradfahrer kann die Fahrerlaubnis durch die Verwaltungsbehörde entzogen werden, wenn aufgrund Drogenkonsums von einer Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen ausgegangen werden kann.“

Warum setzen sich so viele Drogenkonsumenten ans Steuer und im Verhältnis nicht mehr so viele Alkoholisierte? Abschließend kann die Polizei das nicht aufklären. Aber Hanna Meckmann weiß, dass ihre Kollegen aus dem Drogendezernat  zumindest eine These haben: „Es ist in der Gesellschaft angekommen, dass Alkohol am Steuer ein Tabu ist. Früher hat man dem Handwerker vielleicht noch die Alkoholfahne durchgehen lassen, heute wird so etwas direkt dem Chef gemeldet.“ Anders jedoch bei den Drogen. Die Konsumenten bleiben oft unerkannt, fahren nicht in Schlangenlinien und bleiben vielleicht - bis zur Polizeikontrolle - unauffällig.

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