Wirtschaft Drei Unternehmen aus Wuppertal und Solingen - Eine gemeinsame Erfolgsgeschichte

Wuppertal · Metzger, Schreiner und Messermanufaktur arbeiten zusammen

Metzger Marc Sonnenschein und Sigrid Kohl vor dem Dry Ager, der nun im Betrieb ist. Zusätzlich verkauft Marc Sonnenschein auch hochwertige Messer.

Metzger Marc Sonnenschein und Sigrid Kohl vor dem Dry Ager, der nun im Betrieb ist. Zusätzlich verkauft Marc Sonnenschein auch hochwertige Messer.

Foto: Andreas Fischer

Manche Geschichten entwickeln sich einfach, weil bestimmte Menschen irgendwie zueinander finden. Und dann werden sie richtig gut. Die Geschichte von Metzger Marc Sonnenschein und seinem Dry Ager, von Schreiner Peter Oppermann und der alten Mooreiche aus der Marpe und der Messermanufaktur Güde aus Solingen ist so eine Geschichte. Eigentlich über Zufälle haben die drei Protagonisten dieser Geschichte zueinander gefunden und machen jetzt gemeinsame Sache – und das auch noch lokal und nachhaltig.

Aber der Reihe nach: Marc Sonnenschein hatte schon länger den Plan, für seine Metzgerei an der Hochstraße 45 einen Dry Ager bauen zu lassen. Durch Lieferschwierigkeiten und Corona wurde die Fertigstellung immer wieder verzögert. Doch seit Ende vergangenen Jahres ist er nun in Betrieb. Fleisch ausschließlich aus lokaler Landwirtschaft macht in der Kammer, die eine Wand aus Himalaya-Salz ziert, einen mehrwöchigen Reifeprozess durch. Darunter ist Rindfleisch, aber auch im Winter Wild und Geflügel. Auch das Sonnenscheinschwein, eine Rasse, die extra für den Metzger auf einem Hof an der Grenze von Wuppertal zu Schwelm gezüchtet wird, bekommt dort den edlen Schliff. Zielgruppe sind Privatleute mit Vorliebe für gutes Fleisch und die gehobene Gastronomie. „Für den Dry Ager können interessierte Kunden Termine mit uns ausmachen, damit auch genug Zeit für die Beratung ist. Es gibt nichts Vergleichbares in der Region. Darum legen wir Wert auf das persönliche Gespräch“, erklärt Marc Sonnenschein.

Weil dem Metzger nicht nur bei seinen Produkten die lokale Herkunft wichtig ist, hat er beim Bau des Reifeschranks auf lokale Unternehmen gesetzt. So hat Schreiner Peter Oppermann seinen Auftritt in der Geschichte. Denn er hat alles, was aus Holz ist, für Sonnenschein gemacht und ihm dabei von seiner alten Mooreiche erzählt. Den Baum aus der Marpe von 1499 hätte er noch in seinem Fundus von seinem Opa. Gemeinsam philosophierten also Metzger und Schreiner, was mit einem so guten Stück Holz zu machen sei. Die Idee: Messergriffe für eine kleine aber feine Edition.

Messer brauchen aber auch eine Klinge. Und wo gibt es diese wohl besser, als in der Messerregion schlechthin. So kommt schließlich auch die Manufaktur Güde ins Spiel, denn zu dieser hatte die PR-Beraterin Sonnenscheins einen Kontakt und wusste, dass diese Messerschmiede, die auch heute noch in Solingen produziert, für individuelle Kleinstserien zu haben ist. So war es dann auch. Nun gibt es verschiedene Messer, vom kleinen Schälmesser bis zum großen Brotmesser, fünf Stück in einer Gesamtauflage von 200. In die Klinge eingraviert ist nicht nur der Hersteller Güde, sondern eben auch die Metzgerei Sonnenschein, die die Messer verkauft und als besonderer Hingucker: Die Koordinaten der Mooreiche, aus der das Holz für den Griff stammt. „Eine rundum lokale Geschichte“, freut sich Metzger Sonnenschein. Die Messer gibt es bei Sonnenschein, sie kosten zwischen 100 und 300 Euro.

Dry Ager und Messer sind auch Alleinstellungsmerkmal

Als eine der wenigen Metzgereien in der Region, die noch ihre Produkte selber herstellt, braucht es mittlerweile Alleinstellungsmerkmale, um gut zu überleben. Nicht zuletzt, weil die Konkurrenz durch große Supermarktketten immens ist und Metzger nicht bei allen den besten Ruf genießen. Und das mittlerweile zu unrecht, wie Sonnenschein sagt: „Dabei ist es natürlich nicht zu vergleichen, was dort verkauft wird und was wir herstellen. Bei uns werden alle Tiere lokal aufgezogen. Wir arbeiten ausschließlich mit Produzenten aus Wuppertal und der Umgebung zusammen. Wir sind eigentlich genau das, was viele wollen: Eben nachhaltig und lokal.“ Das wüssten übrigens auch die lokalen Landwirte, die die Tierzucht meist nebenbei betreiben, zu schätzen. Denn sie würden gerne als Sonnenschein verkaufen, der mehr zahlt als irgendwelche Ketten, so Sonnenschein.Um diese Verbundenheit zu seinem Umfeld weiter auszubauen, gibt es neben der Messer-Kooperation noch den Meat-Club. Marc Sonnenschein schwebt ein Netzwerk vor für alle, die Wert auf hochwertiges Fleisch legen. Bei Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen, zum Beispiel rund um den Dry-Ager, könnten sich dann Gleichgesinnte austauschen. „Noch steckt der Club aber in den Kinderschuhen“, sagt der Metzger. Vielleicht wird daraus ja wieder so eine lokale Geschichte.