Drei Unfall-Tote: Wie sicher sind Senioren am Steuer?

Drei Unfall-Tote: Wie sicher sind Senioren am Steuer?

Zwei Unfälle mit Toten, in die ältere Menschen verwickelt waren: Zufall – oder Beweis der Notwendigkeit von Tauglichkeitstest für hochbetagte Fahrer?

Wuppertal. Statistisch betrachtet haben Senioren das niedrigste Unfallrisiko. "Sie sind erfahrener und verhalten sich im Straßenverkehr eher umsichtig", beobachtet Holger Lehmann, Leiter der Verkehrsunfallprävention bei der Polizeidirektion Wuppertal. Probleme machen der Polizei eher die jungen, ungestümen Fahrzeuglenker, die schneller zum Risiko bereit sind und häufiger Verkehrssituationen noch nicht richtig einschätzen können.

Über 65-Jährige bauen mit am wenigsten Unfälle. Allerdings: Die beiden tragischen Verkehrsunfälle in nur einer Woche mit insgesamt drei Toten wurden von Fahrern jenseits der 80 verursacht. Für die Polizei ist das kein Hinweis darauf, dass Hochbetagte hinter dem Steuer ein Risiko für sich und andere darstellen.

Die Unfälle - obwohl noch nicht abschließend aufgeklärt - bieten aber all jenen Argumente, die seit Jahren eine Überprüfung der Fahrtüchtigkeit bei älteren Menschen fordern.

Selbst die Europäische Union hat ihren Mitgliedsstaaten nahegelegt, alle Autofahrer ab 50 regelmäßig zum Tauglichkeits-Check zu verpflichten. Ab 2013 sollen EU-weit Führerscheine alle 15 Jahre erneuert werden müssen.

Dass es tatsächlich so weit kommt, ist längst nicht sicher. Fahrsicherheits-Überprüfungen gibt es bis dahin allein auf freiwilliger Basis. Senioren können buchstäblich nur dann aus dem Verkehr gezogen werden, wenn sie schwer erkrankt sind oder wiederholt gegen Verkehrsvorschriften verstoßen haben.

Das kommt aber mindestens ebenso selten vor wie der einsichtige Alte, der seinen Schein nach Jahrzehnten freiwillig abgibt. Gleichwohl kann es für den Sicherheits-Chek oder gar den freiwilligen Verzicht gute Gründe gehen. "Es ist unstrittig, dass die meisten älteren Menschen schlechter hören, schlechter sehen und ein weniger ausgeprägtes Reaktionsvermögen haben", so Lehmann. "Viele kommen zudem mit moderner Fahrzeugtechnik nur schwer klar."

Deshalb bieten Polizei, Verkehrswacht und zum Beispiel der TÜV-Rheinland Beratung und Sicherheitstrainings in unterschiedlicher Ausprägung für Senioren an. Die Nachfrage könnte allerdings deutlich größer sein. Für das Programm "Ältere aktive Kraftfahrer" der Wuppertaler Polizei meldeten sich in diesem Jahr gerade einmal fünf Teilnehmer an.

Beim TÜV schwankt die Kursbelegung sehr stark, und auch die Verkehrswacht Wuppertal bestätigt, dass es durchaus Schwierigkeiten gebe, die Sicherheitstrainings voll zu bekommen. Geschäftsführerin Angelika Otto: "Viele ältere Menschen glauben, dass sie das nicht nötig haben, weil sie schon so lange den Führerschein besitzen." D

azu kommt, dass ihre Zahl insgesamt steigt - der demografische Wandel sorgt dafür, dass sich immer mehr ältere Menschen im Straßenverkehr bewegen. Die Führerschein-Prüfung liegt dabei nicht selten 60 Jahre oder länger zurück.

Dass deren stolze Inhaber aber nicht zwangsläufig verkehrstechnisch zum alten Eisen gehören müssen, weiß die Verkehrswacht durchaus zu würdigen. Die Zahl der Anfragen von Senioren, die für 50 Jahre unfallfreies Fahren ausgezeichnet werden wollen, steigt ebenfalls von Jahr zu Jahr.