Drei Stunden Nachrichten auf CD

Drei Stunden Nachrichten auf CD

Vor 50 Jahren brachte der Blindenverein Wuppertal seine erste Hörzeitung heraus.

1917, während des Ersten Weltkrieges, der aufgrund des verheerenden Einsatzes von Giftgas viele Menschen das Augenlicht gekostet hatte, wurde der Blinden- und Sehbehindertenverein Wuppertal gegründet. Und rund 50 Jahre später hatte der damalige Vorsitzende Rolf Scheerer die Idee, den so vom Schicksal geschlagenen Menschen die Nachrichten näher zu bringen, die sie nicht aus dem Radio erfahren konnten. Nämlich die Ereignisse aus ihrem Umfeld, der Region Wuppertal. Die Zeitung für Blinde und Sehbehinderte, genauer gesagt, die „tönende Wuppertaler Hörzeitung des Blinden- und Sehbehindertenvereins“, hatte so das Licht der Welt erblickt.

Und zwar in Gestalt von Tonbändern, in denen einmal in der Woche Aktuelles aus der Lokalpolitik, der Kultur, dem Sport und den täglichen Ereignissen im Tal der Wupper zusammen gefasst waren. Quelle war damals wie heute der Generalanzeiger, die heutige WZ. Erster ehrenamtlicher Redakteur und Sprecher der lokalen Nachrichten war der vielseitige Mitarbeiter des GA, Gerd Langner, der hauptberuflich in der Anzeigenabteilung tätig war, aber auch als Mitarbeiter der Sportredaktion und beliebter Stadionsprecher auf den Plan trat.

Die Tonbänder hatten damals eine Laufzeit von einer Stunde und wurden an die Abonnenten verschickt. Das war auch noch so, als Michael Spitzer den vor einigen Jahren gestorbenen Gerd Langner ablöste. Heute sind es zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, die die lokalen Seiten der WZ eingehend studieren und dann wöchentlich am Mittwoch das wichtigste auf eine CD sprechen, die eine Laufzeit von drei Stunden hat. „Das Ganze funktioniert nach dem Daisy-System, mit dessen Hilfe auch verschiedene Beiträge auf der CD übersprungen werden können“, erklärt Viola Reetz, die zweite Vorsitzende des hiesigen Blinden- und Sehbehindertenvereins. Sie ist selbst seit 2005 nach einem Unfall auf dem linken Auge blind und verfügt nur noch über einen Rest Sehvermögen.

In Wuppertal gibt es rund 700 blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen. Die Hörzeitung hat 33 Abonnenten, die als Vereinsmitglieder 13 Euro für das 52 Ausgaben umfassende Jahresabo zahlen, Nichtmitglieder zahlen 26 Euro pro Jahr. „Damit werden nicht einmal die Herstellungskosten der Tonträger gedeckt“, sagt Birgitt Müller, die zweimal pro Woche an der Gronaustraße von 8 bis 13 Uhr Ratsuchenden zur Seite steht. Kontakt zum Verein ist per E-Mail möglich:

bvwuppertal@t-online.de

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