Dr. Wiegmanns Zoogeschichten aus Wuppertal

Dr. Wiegmanns Zoogeschichten : Ein Krokodil mit Beinbruch

Die Zootierärztin über die Behandlung eines Stumpfkrokodils.

Stumpfkrokodile sind besonders kleine Vertreter ihrer Familie: Sie werden etwa 1,5 Meter lang und bis zu 40kg schwer. Vier Jungtiere dieser Art leben zurzeit bei uns im Zoo. Sie sind zwei Jahre alt und wiegen bisher nur rund 1 kg – Krokodile wachsen sehr langsam. Je kleiner das Krokodil, desto schwieriger ist außerdem die Bestimmung des Geschlechts – bei unseren Kandidaten also eine echte Herausforderung.

Um ein Krokodil zu untersuchen, bindet man ihm am besten kurzzeitig mit einer weichen Schlaufe das Maul zu. Mit einer schmalen Sonde wird dann in der Kloake vorsichtig nach dem Geschlechtsorgan getastet. Kommt dabei ein Penis zum Vorschein, handelt es sich natürlich um ein Männchen. Findet man keinen Penis, ist das Tier entweder ein Weibchen – oder man hat nicht gründlich genug gesucht! Anders als bei Säugetieren und Vögeln kann man das Geschlecht nicht durch genetische Untersuchungen anhand einer Blutprobe ermitteln.

Im Streit um Futter oder den besten Sonnenplatz gab es bei den Geschwistern vor kurzem Ärger. Plötzlich hatte eines der Krokodil-Jungtiere ein geschwollenes Vorderbein. Ein Röntgenbild brachte schnell die Diagnose: die Speiche, einer der beiden Knochen im „Unterarm“, war gebrochen.

Glücklicherweise war die Elle aber intakt und stabil, dadurch bildete sie eine natürliche Schiene für den benachbarten Knochen. Das Krokodil musste also nicht operiert werden. Es wurde für einige Wochen aus der Schauanlage entfernt und hinter den Kulissen betreut. So langsam wie das Krokodil wachsen auch seine Knochen: vier Wochen später besteht zwar wieder eine Verbindung der beiden Enden, doch das neue Knochengewebe ist noch nicht endgültig gefestigt.