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Doppelprotest in Barmen: Ein Demo-Nachmittag der Gegensätze

Doppelprotest in Barmen: Ein Demo-Nachmittag der Gegensätze

Polizei und Ordnungsamt standen am Montag am Rathaus bereit.

Wuppertal. Ratlosigkeit, Trauer, Wut und Eisdielen-Wetter - gegensätzlicher kann ein Nachmittag auf dem Johannes-Rau-Platz kaum ausfallen: Während die einen an Eiscafé-Tischen die Mai-Sonne genießen, zeigen die anderen am Rathaus Flagge. Es geht auf der einen Seite um die Schließung der Hauptschule in Cronenberg. Und es geht auf der anderen Seite - einmal mehr - um den Tod der kleinen Talea.

Als "unaufgeregt" würde man sie neudeutsch bezeichnen, die Stimmung am Stadtplatz, auf dem bereits am Montagmittag Schüler, Eltern und Lehrer demonstrieren. "Die Hauptschule Cronenberg muss bleiben" ist auf einem Aufsteller vor der Rathaustreppe zu lesen. Die Logos und Visitenkarten zahlreicher Firmen, Vereine und Geschäftsleute aus dem Stadtteil umrahmen den Schriftzug.

Auch David (15), Oliver (15) und Bilal (14) sind gekommen, um für ihre Schule zu demonstrieren. "Wir fühlen uns wohl und verstehen nicht, warum man unsere Schule schließen möchte."

Unterstützt werden sie auch von Peter Capellen, Geschäftsführer einer Werkzeugfirma und Vorsitzender der Gemeinschaft Cronenberger Unternehmer mit insgesamt 54 Mitgliedsfirmen.

"Viele Unternehmen auf den Südhöhen brauchen Hauptschüler", stellt Capellen klar und wirft einen Blick auf einen Fernsehreporter, der ein schweres Kamerastativ ins Rathaus trägt. Dem Mann mit der Kamera geht es um Talea, für die es nachher vor der Ratssitzung eine Schweigeminute geben wird. Dann ist Capellen wieder bei der Sache: "Wir würden genau so für den Erhalt der Realschule kämpfen."

Szenenwechsel. Während vor dem Rathaus Polizeibeamte stehen, sind es vor dem Sitzungssaal in erster Linie Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Sie stehen vor den schweren Holztüren auf Abruf bereit, während Vertreter des Presseamtes in einem Nebenzimmer vor Beginn der Ratssitzung mit Taleas Verwandten sprechen.

Die Anspannung im Saal und auf den Fluren ist überall zu spüren. In vielen Blicken liegt Argwohn - sowohl auf den Zuschauerrängen als auch im Ratssaal selbst. Die Besucher des Rathauses werden beim Eintreffen "sortiert" und auf die Ränge verteilt. Sind Sie wegen Talea oder wegen der Hauptschule hier?

Dann beginnt die Sitzung. Stühle sind rar. Oberbürgermeister Peter Jung wechselt Blicke mit Mitarbeitern des Presseamtes. Zu seiner Linken sitzen Taleas Angehörige , zu seiner Rechten Beobachter mit roten T-Shirts für den Erhalt der Hauptschule.

Vor der Schweigeminute wiederholt Jung die Worte der städtischen Presseerklärung und warnt noch einmal davor, sich bei der Aufarbeitung eines "schrecklichen Verbrechens" von "Wut und Empörung leiten zu lassen". Danach erheben sich alle im Saal und senken den Blick.

Dann verlassen Taleas Verwandte die Sitzung und kehren in die Mai-Sonne zurück. Vor der Rathaustreppe entrollen sie ein pechschwarzes Transparent mit Taleas Namen. Fernsehkameras und Fotografen bekommen jetzt ihr Motiv. An den Eiscafé-Tischen ein paar Meter weiter herrscht immer noch Hochbetrieb. Es ist ein Nachmittag der Gegensätze.