Döppersberg: Flutgraben wird zum Fundament der neuen B 7

Döppersberg: Flutgraben wird zum Fundament der neuen B 7

Bis Juni wird der Seitenarm zwischen Kluse und Busbahnhof weitgehend trocken gelegt. Nur so lässt sich die Bundesallee später absenken.

Elberfeld. Nein — auf dieser Baustelle wurde bislang weder das Bernsteinzimmer noch ein Relikt der Burg Elberfeld gefunden. Das ändert allerdings nichts an ihrer Bedeutung: Voraussichtlich bis Ende Juni wird mit dem Flutgraben zwischen der Kluse und dem Fußgängertunnel am Döppersberg ein einst künstlich angelegter Seitenarm der Wupper Schritt für Schritt trocken gelegt.

Erst dieser Eingriff macht es möglich, beim Döppersberg-Umbau im Anschluss daran die B 7 tiefer zu legen — zugunsten der Fußgängerbrücke, die den Hauptbahnhof mit der Innenstadt verbinden und dann den bisherigen Tunnel ersetzen wird. Die um einige Meter abgesenkte Bundesallee hinge unter Tage „sonst in der Luft“, erklärt Bauleiter Andreas Klein beim Ortstermin an der Wupper.

Der Aufwand auf dem Weg dorthin ist immens und schlägt nach Angaben der Stadt mit etwa einer Million Euro zu Buche: Zunächst einmal musste die Wupper mit schweren Barrieren aus dem Baufeld „ausgesperrt“ werden — immerhin stand sie an der Kluse zuvor gut zwei Meter hoch.

In Zukunft wird eine massive Rohrleitung mit einem Meter Durchmesser den Durchfluss von Wupperwasser nach wie vor möglich machen. Dann aber in geregelten Bahnen, während der neu geschaffene Platz im ehemaligen Flussbett zur Grundlage der tiefer gelegten B 7 wird.

Der Flutgraben selbst ist insgesamt 450 Meter lang, wovon allerdings nur 150 Meter oberirdisch verlaufen — in Höhe der kaufmännischen Schulen. Danach geht es unterirdisch in einem imposanten Kanal weiter: Die B 7 am Brausenwerth liegt ebenso auf dessen Strecke wie auch das Köbo-Haus, die angrenzende Bunkeranlage oder der bestehende Fußgängertunnel.

Errichtet wurde der Flutkanal, der später zum Flutgraben wurde, nach Angaben der Stadt Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Industrie im Wuppertal boomte: Um Wasser für die Bleich- und Textilindustrie zu gewinnen, wurde es damals abgezweigt. „Auch der Mühlengraben in Barmen wurde beispielsweise zu diesem Zweck gebaut“, erklärt Stadtsprecher Thomas Eiting.

Jetzt hat der Flutgraben in seiner bisherigen Form ausgedient: Um ihn zu verkleinern, kommt auf 170 Meter Länge so genannter Dämmer zum Einsatz: Insgesamt 6000 Kubikmeter des Füllmaterials werden mit Wasser vermischt und wirken wie Zement.

Und die bisherigen Bewohner des Elberfelder Flutgrabens? Die mussten in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Fischerei- und dem Wupperverband umziehen: Gut 3500 Fische wurden eingefangen und umquartiert, bevor die Bagger anrollten.

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