Digitalisierung: „Die Region ist gut aufgestellt“

Digitalisierung: „Die Region ist gut aufgestellt“

Die Digitalisierung der hiesigen Wirtschaft entwickelt sich immer schneller. Am Donnerstag beschäftigt sich ein Kongress mit dem Thema „bits, bytes, bergisch“.

Unter dem Motto „bits, bytes, bergisch!“ veranstaltet die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid am Donnerstag, 15. Februar, zum zweiten Mal den Kongress der Digitalen Wirtschaft Bergisches Land. Das Interesse ist groß: Mehr als 150 Teilnehmer haben sich bereits angemeldet und 26 Unternehmen beteiligen sich an einer Ausstellung. Auch NRW-Digitalminister Andreas Pinkwart (FDP) wird dabei sein und ein Grußwort sprechen. Wir haben vorab mit Klaus Appelt, IHK-Leiter Stabsbereich Innovation und Umwelt, über die Digitalisierung der bergischen Wirtschaft gesprochen.

Herr Appelt, wie digital ist die Wirtschaft im Bergischen Land?

Klaus Appelt: Im Städtedreieck gibt es etwa 2400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Das sind Softwarehäuser, Internetagenturen, IT-Dienstleister und viele andere. Und die Branche wächst schnell, jedes Jahr um etwa acht Prozent. Das zeigt die Dynamik, mit der die Digitalisierung in den Unternehmen voranschreitet.

Hat die Region Aufholbedarf?

Appelt: Die Region ist bereits gut aufgestellt. In einer jüngst erschienenen Studie hat das Institut der deutschen Wirtschaft dem Bergischen Land bescheinigt, eine der innovativsten Regionen in Deutschland zu sein. Daraus schließen wir, dass wir auch bei der Digitalisierung ganz vorne mitspielen. Aber das darf kein Grund sein, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssen unsere Unternehmen sich ständig weiterentwickeln.

Wie sehr wird die Digitalisierung die Wirtschaft im Bergischen Land verändern?

Appelt: Digitalisierung erzeugt tiefgreifende Veränderungen in den Unternehmen, quer durch alle Branchen, ob das in der Industrie unter dem Schlagwort Industrie 4.0 oder im Handel im Bereich E-Marketing und E-Commerce ist. Herkömmliche Geschäftsmodelle verlieren ihren Wert und neue entstehen.

Wo sehen Sie die Chancen?

Appelt: Die Digitalisierung führt zu mehr Effizienz, Vernetzung und Produktivität. Das können wir nur begrüßen, denn davon profitieren wir alle. Aber auch die Arbeitswelt wird sich verändern und Raum bieten für flexibles und mobiles Arbeiten. Das bietet unter anderem auch Chancen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - und damit auch die Möglichkeit, Fachkräfte an die Unternehmen zu binden. Aber auch für Gründer, die mit pfiffigen Geschäftsideen auf den Markt kommen, bietet die Digitalisierung riesige Chancen.

Und wo sehen Sie die Risiken?

Appelt: Für die Unternehmen besteht das Risiko einer nicht ausreichenden Datensicherheit. Dort gilt es, durch entsprechende Maßnahmen die eigenen Daten vor Missbrauch und fremder Nutzung zu schützen. Aber das Risiko lässt sich beherrschen. Im Städtedreieck gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich spezialisiert haben und Dienstleistungen rund um das Thema IT-Sicherheit anbieten.

Wie viele Unternehmen im Bergischen Land haben Zugang zum schnellen Internet?

Appelt: Das Bergische Land hat schon eine sehr gute Breitband-Infrastruktur von 50 Mbit und mehr. Mehr als 80 Prozent verfügen über einen solchen Anschluss. Trotzdem gibt es immer noch weiße Flecken auf der Landkarte. Daher haben die Kommunen Breitbandbeauftragte eingestellt, die den Ausbau vor Ort koordinieren und vorantreiben. Die Unternehmen haben ebenfalls die Bedeutung eines schnellen Internetzugangs erkannt und eine gute Breitband-Infrastruktur in unserer IHK-Standortumfrage als den wichtigsten Standortfaktor bewertet, noch vor einer guten Straßenanbindung oder der Verfügbarkeit von Fachkräften.

Sind die Nachbarregionen Köln und Düsseldorf besser an das schnelle Internet angebunden?

Appelt: Im Vergleich zu den Metropolen am Rhein gibt es immer noch ein kleines Gefälle, das aber nicht sehr ausgeprägt ist.

Wann wird das Bergische Land nachgezogen haben?

Appelt: Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, bis zum Jahr 2025 ein flächendeckendes Gigabit-Netz in Nordrhein-Westfalen zu etablieren, das bedeutet Glasfasernetze bis in die hintersten Winkel Nordrhein-Westfalens. Davon wird auch das Städtedreieck profitieren. Zwischenziel ist, schnellstmöglich alle Gewerbegebiete, Schulen, Bildungseinrichtungen und Landesbehörden an das Gigabit-Netz anzuschließen.

Braucht das Bergische Land eine digitale Entwicklungshilfe von Bund und Land?

Appelt: Die gibt es schon. Sowohl der Bund als auch das Land fördern den Breitbandausbau in den Regionen, auch im Städtedreieck. Unsere Städte haben bereits erfolgreich Anträge gestellt und Förderzusagen erhalten.

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