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Digitale Uni in Wuppertal: Nah dran am Hörsaal-Erlebnis

Bildung : Digitale Uni: Nah dran am Hörsaal-Erlebnis

Studierende der Uni durften Ideen im Digital-Semester auszeichnen – 22 Veranstaltungen honoriert.

Nur wenige Tage vor Semesterbeginn war im Frühjahr 2020 klar: die Uni bleibt geschlossen. Die Corona-Pandemie stellte die Lehrenden, aber auch die Studierenden vor neue Herausforderungen. Die Lehrenden mussten unter dem Motto „Uni@Home“ in kürzester Zeit digitale Konzepte entwickeln und Lehrinhalte in neuen Formaten entwickeln.

Die kurzfristige Umsetzung verlangte viel Engagement, das die Bergische Universität Wuppertal jetzt mit einem „Uni@Home Sonderlehrpreis“ honoriert hat. Ausgezeichnet wurden Lehrende, denen es gelang, hervorragende Lehrveranstaltungen anzubieten. Nominieren durften Fachschaften, einzelne Studierende und Dekane. Wer einen der 22 Sonderlehrpreise bekommen sollte, haben fakultätsinterne Kommissionen entschieden, die mindestens zur Hälfte mit Studierenden besetzt waren.

„Wir haben versucht, dem Hörsaal-Erlebnis nahe zu kommen“, sagt Prof. Dr. Christian Bredemeier vom Lehrstuhl für Applied Economics an der Schumpeter School of Business and Economics. Dazu hat er die vierstündige Vorlesung in dem Modul „Konjunktur, Handel und Beschäftigung” live gehalten. „Das ist nicht das Gleiche wie im Hörsaal, aber das Wichtigste haben wir rüber gerettet“, sagt er. Nur die Diskussionsdichte sei nicht so hoch wie im Hörsaal, da die Technik das „Ping-Pong“ von Frage und Antwort behindere. Bredemeier hat aber vieles mitgenommen, was er auch im Hörsaal beibehalten will, wie zum Beispiel Fragen schriftlich während einer Vorlesung stellen zu können. „Dadurch wird die Hemmschwelle für manche Studenten niedriger“, sagt er.

Kurze Vorlesungsvideos und
ein interaktives Fragetool

Für ihn ist wichtig, dass er mit den Studenten weiter in Kontakt bleibt, damit die Studierenden nicht das Gefühl haben, sie seien im Selbststudium. „Das eigentliche Universitätsleben fällt gerade weg. Es fehlt, dass man sich in der Cafeteria austauschen kann“, sagt Bredemeier über die Situation der Studierenden. „Ich sehne den persönlichen Kontakt mit den Studenten herbei. Wir bilden ja auch Menschen aus. Die wollen wir kennen lernen.“

„Für uns war schnell klar, dass wir einen rein digitalen Unterricht machen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Frank Fiedrich mit Blick auf das Sommersemester 2020. Sein Fachgebiet ist Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit an der Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik. Die Vorlesung „Bevölkerungsschutz“ sollte für die Studierenden planbar sein, da sie häufig beim Roten Kreuz, der freiwilligen Feuerwehr oder einer anderen Hilfsorganisation tätig sind. Dazu wurde der Stoff für den digitalen Raum angepasst. „Es gab kürzere Vorlesungsvideos, die man noch mal anschauen konnte, ein interaktives Fragetool und Live-Sitzungen“, sagt Fiedrich. Das eigene Lernen habe durch dieses Konzept eine größere Rolle gespielt. „Für die Studierenden war es eine große Herausforderung.“ Im Prinzip habe die Situation aber gezeigt, dass digitale Plattformen gut funktionierten.

Laura Wiemer aus dem Fachgebiet Romanistik an der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften stand vor einer ganz anderen Herausforderung: Das Seminar „Encuentros y desplazamientos“ sollte im Rahmen der internationalen Studien- und Ausbildungspartnerschaft mit der Universidad Nacional de La Plata in Argentinien stattfinden.

Um den Besuch von drei Gastdozentinnen und -studierenden und die Zeitverschiebung von fünf Stunden zu kompensieren, wurde das Seminar in zwei Teile geteilt. Für die erste Hälfte stellten die Gastdozentinnen Materialien zur Verfügung, die die Studierenden bei freier Zeiteinteilung in ihrem Tempo bearbeiten konnten. In der zweiten Hälfte der Seminarzeit folgten Zoom-Meetings mit den Wuppertaler Studierenden, um zu diskutieren, Inhalte zu vertiefen, und Fragen zu klären. „Unser Seminar steht für eine Internationalisierung@Home, die wertvolle interkulturelle Begegnungen ermöglicht hat“ sagt Wiemer.

Auf gemeinsames Tun setzte auch Christoph Westermeier aus dem Fachgebiet Fotografie als künstlerische Praxis an der Fakultät für Kunst und Design. Die Studierenden sollten am 26. April alle um 11 Uhr die gleiche Projektaufgabe lösen: Sie sollten aus dem jeweiligen Haus nach links gehen, ein Foto machen; an der nächsten Möglichkeit nach rechts gehen, ein Foto machen; sich nach 100 Metern im Kreis drehen, ein Foto nach oben und eines nach unten machen. „Das Verbindende war, dass alle Studierenden zur gleichen Zeit einer Aktion nachgingen und dabei ihre Umgebung intensiv wahrnahmen“, erklärt Westermeier.