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Die Zeit des billigen Geldes neigt sich ihrem Ende zu

Die Zeit des billigen Geldes neigt sich ihrem Ende zu

Die Zukunft der Banken ist digital, sagt Deutsche-Bank-Vorstand Karl von Rohr. Und sie hat bereits begonnen.

Eigentlich ist alles gut in Deutschland, Europa und der Welt, wirtschaftlich zumindest. Deutschland bleibt der Konjunkturmotor Europas, wo das Wachstum in diesem Jahr zwei Prozent betragen wird, weltweit sollen es sogar vier Prozent sein. Also spricht alles dafür, sich entspannt zurückzulehnen und zu genießen, in einem demokratisch-freien, wohlhabenden Land zu leben.

So sieht das auch Karl von Rohr. Er ist Vorstand bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Auf dem Neujahrsempfang der Wuppertaler Filiale seines Arbeitgebers in der Stadthalle hob der Finanzfachmann sprachlich allerdings auch mahnend den Zeigefinger. Die Zeit des billigen Geldes neige sich dem Ende zu. „Nie war so viel Geld im Markt wie heute“, sagte von Rohr. Die Folgen davon seien zunehmend spürbar.

Tatsächlich machen sich erste Anzeichen von Inflation bemerkbar. Die Nahrungsmittelpreise steigen leicht. Für von Rohr sprechen aber auch andere Anzeichen dafür, dass die Geldmenge durch die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank zur Stützung kriselnder Staaten vor allem im Süden der Europäischen Union deutlich zu hoch sein könnte. Er erinnerte an die virtuelle Währung Bitcoin. „Wer 2013 für 1000 Euro Bitcoins gekauft hat, ist heute Millionär“, sagte von Rohr. Für ihn ist das eher ein Alarmsignal als eine Glücksbotschaft. Denn hinter dem Computergeld steht absolut kein Wert. „Deshalb rät auch die Deutsche Bank von Investitionen in diese Währung ab.“ Wie weise dieser Ratschlag ist, zeigte der Kurssturz des Bitcoin vor Weihnachten des vergangenen Jahres..

Auch ein anderes Phänomen führt von Rohr auf die Geldflut zurück. Dass ein Fußballverein für einen einzigen, wenn auch begnadeten Fußball wie Neymar 222 Millionen Euro plus 100 Millionen Euro Handgeld bezahle, dann ist aus Sicht des Bankvorstandes etwas in Schieflage geraten.

Von Rohr ist sicher, dass auch die Währungshüter das längst erkannt haben und beginnen, ihre Gelddruckmaschinen zu bremsen. So habe die EZB bereits begonnen, weniger Staatsanleihen zu kaufen. Viel Geld ist allerdings immer noch im Markt.

Und das ist nur eine der Herausforderungen, vor denen die Bankenwelt steht. Auch für sie gilt es, sich auf das digitale Zeitalter einzustellen. Die Deutsche Bank macht das unter anderem mit einer Plattform, auf der sie sich mit Partnern wie der Telekom, dem Medienkonzern Springer und der Bundesdruckerei bewegt. Die Idee ist, sich einmal für die Plattform anzumelden und von dort aus sämtliche Dienstleistungen der Partner nutzen zu können.

Von solchen Konstruktionen sind die Städte im Bergischen Land noch Lichtjahre entfernt. Hier freuen sich die Rathäuser in Wuppertal, Solingen und Remscheid noch, dass es gelungen ist Wuppertal/Bergisches Land zu einer Modellregion für Digitalisierung im Land NRW machen zu können. Nun gilt es, Projektideen zu entwickeln, um an Geld aus dem 90 Millionen Euro schweren Fördertopf des Landes zu kommen.

Wie notwendig diese Projekte sind, skizzierte Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz in seinem Grußwort an die Gäste der Deutschen Bank. „Niedrige Zinsen sind eine Herausforderung für Banken. Für Kommunen sind sie die Chance, zu investieren“, sagte Mast-Weisz. Und Investitionen seien dringend nötig. Der Sozialdemokrat mit Wohnort Wuppertal-Vohwinkel nannte fünf Handlungsfelder, auf denen Kommunen ackern müssten: Bildungs-, Freizeit- und Verkehrsinfrastruktur, Fachkräfte/Ausbildung, Breitbandausbau/Gewerbeflächen, Wohnen und kommunale Steuern.