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Die Wuppertaler Wochenmärkte werden wieder beliebter - trotz Corona

Einkaufen : „Die Wochenmärkte werden in Wuppertal wieder beliebter“

Nicht nur wegen Corona kommen mehr Kunden an die Stände. Derzeit werden aber nicht alle Waren wie gewohnt angeboten.

Wer am Samstag zum ersten Mal auf den Wochenmarkt zwischen Rathaus und Brauhaus gekommen wäre, dem wäre gar nicht aufgefallen, dass etliche Standbetreiber fehlen. Beim Aufbau hat man keine sichtbaren Lücken gelassen. Tags zuvor noch hieß es seitens des Vereins zur Förderung der Kultur der Wochenmärkte in Wuppertal: „Hier laufen die Telefone heiß. Die Kollegen wollen wissen, ob sie kommen können. Und wir sind im Gespräch mit dem Ordnungsamt.“ Das Ergebnis: Es läuft im Wesentlichen wie beim stationären Handel. Lebensmittel dürfen verkauft werden; Dinge, die nicht zum alltäglichen Bedarf gehören, nicht. Für den Barmer Markt heißt das etwa, keine Teile für den Vorwerk-Staubsauger, keine Küchenmesser, keine Handtaschen, keine Strümpfe.

Der Aufbau ist aber locker genug, um den teils recht langen Schlangen Platz zu lassen, die sich besonders an den Obst- und Gemüseständen bilden. Die Schlangen sind schon deswegen so lang, weil zwei Meter Abstand zwischen den Kunden fast schon der Mindestabstand ist. Marktsprecher Klaus Lengemann: „Die Leute halten unheimlich diszipliniert Abstand. Und sie sind ruhig dabei, es gibt keine Aggressivität.“ Kommen mehr oder weniger Leute? „Es sind deutlich mehr Kunden“, sagt Lengemann. „Das fing aber schon vor den Corona-Zeiten an. Die Wochenmärkte werden in Wuppertal wieder beliebter.“

Eine Schlangensteherin ist aber gerade wegen Corona gekommen. „Ich bin jetzt erst das dritte Mal hier. Aber ich gehe nicht mehr gerne in Supermärkte. Das ist mir zu eng. Viele Kunden nehmen dort nicht genug Rücksicht. Für die Mitarbeiter dort wünsche ich mir mehr Schutz. Und hier bin ich an der frischen Luft.“ Haben die Besucher Sorge, sich anzustecken? „Wir sind nicht besorgt“, sagt ein Ehepaar. „Wenn sich jeder an die Regeln hält.“ Und ein Mann, der bei den Gewürzen ansteht: „Abstand halten, mehr kann man nicht machen.“ Er fühlt sich keineswegs unwohl. „Es ist entspannter jetzt. Sonst ist es hier hektischer.“

Einige wenige Kunden tragen Mundschutz und Handschuhe

Fast alle Kunden sind normal angezogen. Einige wenige tragen Mundschutz. Und ganz selten sieht man jemanden in einer Art Vollschutz: Atemmaske, Latexhandschuhe, Haare unter der Mütze, Kragen hoch geschlossen. Die meisten Standbetreiber tragen Handschuhe. Einige haben Schilder mit Verhaltensregeln ausgehängt. Und Stände, bei denen erfahrungsgemäß mit hohem Kundenaufkommen zu rechnen ist, haben sich umgestellt. Keine Menge mehr, in die man fragt: „Wer war der nächste?“ Entweder gibt es deutlich getrennte Anlaufstellen für zwei oder drei Schlangen. Selbstbedienung ist passé. Oder es gibt ein System wie bei Obst und Gemüse Schwiertz. Links stellt man sich an und sagt, was man möchte. Eine Mitarbeiterin packt die Tüte. Eine notiert den Preis. Dann geht die Tüte nach rechts zur Kasse. Dort steht man wieder an. „Ich hatte die Tüte für 9.50 Euro, Trauben und Knoblauch.“ Das funktioniert recht gut, der Ablauf muss aber immer wieder erklärt werden. „Es dauert nicht so lange, wie es aussieht“, ruft der Chef den Kunden zu. Aufs Ganze gesehen, ist es vielleicht sogar ein klein wenig schneller.

„Der Marktbetrieb selbst ist nicht schwieriger für uns“, sagt Marktsprecher Lengemann, der einen Obst- und Gemüsestand betreibt. „Schwierig ist aber, dass wir später mit dem Aufbau anfangen. Wir kommen später beim Großmarkt weg, weil sich da die Schichten nicht begegnen dürfen. Da legen die eine Pause von eineinhalb Stunden zwischen.“

Marcus Schwiertz sorgt sich um seinen Blumenstand. „Kollegen erzählen, die Gartencenter haben schon nicht mehr bestellt“, sagt er. „Weil Sie Sorge haben, dass sie auch bald zumachen müssen. Und in Solingen mussten die Blumenstände abbauen, da kam das Ordnungsamt.“ Keiner weiß, wie sich die Dinge weiter entwickeln.