1. NRW
  2. Wuppertal

Die Wuppertaler Stadtwerke ziehen nicht zum Döppersberg

Stadtwerke : Miete in der Bahndirektion zu hoch: Stadtwerke bauen ihre Zentrale neu

Am 6. Dezember entscheidet der WSW-Aufsichtsrat. Die Würfel scheinen gefallen zu sein.

Nach Informationen der WZ wird sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke am 6. Dezember gegen den Umzug der WSW-Konzernzentrale in die frühere Bahndirektion am Döppersberg entscheiden. Die Clees-Gruppe soll für die Vermietung der Bahndirektion eine Nettomiete von 14,75 Euro pro Quadratmeter Bürofläche verlangt haben - das wäre ein Wert, der deutlich über den Vergleichswerten in der Stadt liegt. Damit bliebe für die WSW als Alternative der Neubau auf dem eigenen Betriebsgelände in Barmen - aufgrund der Baukostensteigerung allerdings in einer deutlich abgespeckten Version. Statt ursprünglich 46,4 Millionen Euro darf der Neubau nach vorliegenden Informationen zudem nur noch 35 Millionen Euro kosten. Weitere Überlegungen, bestehende Gebäude um eine oder mehrere Etagen aufzustocken, wurden verworfen.

Die Bahndirektion am Döppersberg steht seit einigen Jahren leer und müsste vor einer Vermietung im Kern saniert und komplett modernisiert werden. Wie lange ein solcher Umbau dauern würde, ist nur schwer einzuschätzen, was ein weiterer Faktor bei der Entscheidung des Aufsichtsrates sein dürfte. Die Immobilie befindet sich seit 2008 im Besitz der Clees-Gruppe, die mit ihren Plänen, am Eingangstor zur Stadt ein Factory Outlet Center aufzuziehen, gescheitert ist, da sich offensichtlich nicht genügend Mieter für die bis zu 30 000 Quadratmeter Ladenfläche fanden.

Als potenziellen Mieter in dem historischen Gebäude brachten Oberbürgermeister Andreas Mucke und IHK-Präsident Thomas Meyer im Sommer in einer Pressekonferenz im Rathaus die Wuppertaler Stadtwerke ins Spiel. Zweifel an der Umsetzung dieses Vorschlags wurden allerdings umgehend von dem WSW-Aufsichtsratsvorsitzenden Dietmar Bell geäußert. Und auch aus Kreisen der WSW-Mitarbeiter soll es überwiegend kritische Kommentare zu den Plänen für den Döppersberg gegeben haben. Zumal die WSW nicht in die Gedankenspiele einbezogen worden waren.

Die Stadtwerke stehen
bei ihren Mitarbeitern im Wort

WSW-Geschäftsführer Martin Bickenbach hatte auf Anfrage in der gestrigen Ausgabe der WZ erklärt, dass die Entscheidung des Aufsichtsrates über den Standort der WSW-Zentrale allein unter wirtschaftlichen Aspekten erfolgen müsse. Städtebauliche Überlegungen zur weiteren Entwicklung des Döppersbergs und Fagen der Stadtentwicklung dürften für die Stadtwerke keine Rolle spielen, so Bickenbach.

Die Stadtwerke stehen bei der Entscheidung unter einem gewissen Zeitdruck und bei ihren Beschäftigten im Wort, denn der Abriss des mit dem Bauschadstoff Polychlorierte Biphenyle (PCB) belasteten Verwaltungsgebäudes an der Bromberger Straße ist seit Jahren überfällig. Bisher behilft man sich zum Schutz der rund 450 Mitarbeiter mit regelmäßigem - und ausgiebigem Lüften.

Bevor öffentlich über ein Mietverhältnis am Döppersberg nachgedacht wurde, hatten die WSW einen Architektenwettbewerb für den Neubau des Verwaltungsgebäudes auf dem Betriebsgelände an der Bromberger Straße/Schützenstraße ausgerichtet. Vorarbeiten wie die Verlegung von Leitungen auf dem Betriebsgelände wurden bereits ausgeführt. Die Entwürfe fanden Anklang, sind aber in dem neu gesteckten finanziellen Rahmen nicht mehr umzusetzen. Im Juni hatten die WSW das laufende Vergabeverfahren für einen funktionalen Neubau vorerst gestoppt.

Die frühere Bahndirektion weist eine Bruttogeschossfläche von 19 000 Quadratmeter auf. Damit hätte das Gebäude, dessen Fassade unter Denkmalschutz steht, neben der Konzernzentrale der Stadtwerke auch Platz für andere Einrichtungen geboten. Über eine Nutzung weiterer Räume durch die Stadtverwaltung, die für ihre Abteilung Information und Technik eine dauerhafte Bleibe sucht, und der Bergischen Universität wurde ebenfalls laut nachgedacht. Ohne den Ankermieter Wuppertaler Stadtwerke dürften diese Überlegungen für den Standort Döppersberg allerdings hinfällig sein.

Für die Stadt stellt sich daher die Aufgabe, mit dem Besitzer nach anderen Nutzungsmöglichkeiten für die stadtbildprägende Immobilie zu suchen. Ein weiterer jahrelanger Leerstand ist keine Lösung.