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Die Wüste lebt auch in Wuppertal - Projekt zieht nach einem Jahr Bilanz

BOB Campus : Auch im Sand findet sich Leben

Das Projekt „Die Wüste lebt!“ legt erstmals eine Zeitung auf.

Die Wüste hat für einige Menschen ja eine besondere Faszination: Von eher herbem Charme ist die Landschaft, tagsüber unerträglich heiß, nachts bitterkalt. Doch auch dort ist Leben, auch dort lohnt es sich, vielleicht einmal etwas tiefer zu graben. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass sich die neue „Zeitung für Oberbarmen/Wichlinghausen und den Rest der Stadt“ den programmatischen Titel „Der Sand“ gegeben hat. Am Mittwoch wurden die ersten Exemplare der Zeitung vor der Färberei verteilt, entstanden ist das Blatt im Rahmen des auf die vier Jahre angelegten Programms „Die Wüste lebt!“

16 Seiten dick ist die neue Zeitung, die an alle Haushalte in den Stadtteilen Oberbarmen und Wichlinghausen verteilt wird. Zudem soll sie in Läden der Stadtteile ausgelegt werden und auch in den westlicheren Quartieren Wuppertals zu erhalten sein. Die Gratis-Publikation erscheint in einer Auflage von 25 000 Stück, kommt ganz ohne Anzeigen aus, setzt auf ein luftiges Layout und große Fotos. Der Titel der Premierenausgabe lautet: „ÜberLeben in Wuppertal - Gesichter und Geschichten“. Anlass für die Zeitung sei die Frage gewesen, wie es gelingen kann, „etwas zu machen, dass sich von der typischen Stadtteilzeitung unterscheidet“, erklärte Uwe Peter, der als Herausgeber und Verantwortlicher im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P.) für die Publikation verantwortlich zeichnet.

Mit einem Redaktionsteam und der Beteiligung von Gastautoren wurde die Zeitung geplant, bestückt und gedruckt. Neben persönlichen Reflexionen über den Stadtteil finden sich auch Porträts von Menschen, die in den Quartieren leben: zum Beispiel von dem afghanischen Restaurantbesitzers Walid Rahim oder von Helma Biermann aus Wichlinghausen, die mit einer Gruppe älterer Frauen „Tanzimprovisationen“ einstudiert. Auch der Leiter des Wuppertal Instituts, Uwe Schneidewind, hat sich mit einem Beitrag beteiligt: Er hat einen kleinen Essay mit dem Titel „Den Osten retten heißt die Welt retten“ geschrieben.

Die Zeitung soll
einmal pro Jahr erscheinen

Mit der Zeitung solle der „Eigensinn des Viertels“ vorgeführt werden, erklärt Roland Brus, der mit seinem Team und der „Oase Oberbarmen“ die Quartiere mit Kunstaktionen wie etwa Performances, Filmen oder Ausstellungen bespielt. Es gehe darum, die Stadtteile Oberbarmen und Wichlinghausen in ihrer Schönheit, aber auch ihren „Widersprüchen“ zu zeigen. Dabei könnten die östlichen Stadtteile als „emblematischer Weltort“ dienen, zeigten sich dort doch die „Grundbedingungen unseres heutigen Zusammenlebens“, erklärte Brus, der auch künstlerischer Leiter des Projekts „Die Wüste lebt!“ ist.

Die Geschäftsführerin der Färberei, Iris Colsman, hob die besondere Bedeutung der Zeitung für die Stadtteile hervor. „Sie schenkt uns eine Wahrnehmung von uns selbst. Durch eure Arbeit wird Oberbarmen immer mehr es selbst!“, lobte sie. Einmal im Jahr soll „Der Sand“ nun künftig erscheinen. Beiträge und Anregungen seien erwünscht, betonte Herausgeber Peter. Eine reguläre Online-Ausgabe gibt es übrigens nicht, allerdings können über die Homepage www.die-wueste-lebt.org Hintergrundberichte und weitere Infos rund um die Zeitung abgerufen werden.

Die Herausgabe der Zeitung markiert zudem den Abschluss des ersten Jahres des Projekts „Die Wüste lebt!“. Brus verwies als Schwerpunkte der vergangenen zwölf Monate unter anderem auf die Gründung eines Straßenchores, der in der Öffentlichkeit auftritt, einen Tanz- und Performance-Workshop zum Thema „Heimat“ sowie eine Jugend-Brassband, die sich alle 14 Tage zum Üben mit den Blechblasinstrumenten trifft.