Die Wache hat sich verkleinert

Die Wache hat sich verkleinert

Die Polizei ist aus der Wache am Köbo-Haus ausgezogen — in ein Fahrzeug und nach oben, in Räume der WSW. Sie arbeitet im Provisorium.

Die Polizei hat das Köbo-Haus nicht verlassen. Sie ist vorläufig weiter nach oben gezogen. Denn seit dem Auszug aus der Wache im Erdgeschoss am 25. April, sitzen die Beamten im zweiten Stock. Dort haben sie provisorisch Räume der Stadtwerke bezogen, die sie bis zum Umzug in die neue Wache an der Schloßbleiche nutzen. Der Umzug in die neue Herberge hatte sich zuletzt verzögert, weil die Baustelle mit Buttersäure attackiert worden war.

Wachleiter Frank Korinthenberg spricht trotzdem von einem Auszug, und nicht von einem Umzug. Denn eine richtige Wache haben die Beamten dort oben jetzt nicht. Beim Umzug sei schon viel weggeschmissen worden, sagt er. Einbauschränke, der große Tresen. Es gibt eine Umkleide für Frauen, eine für Männer, deren Glastür mit Papier zugeklebt ist, einen Sozial- und einen Funkraum. Auf dem Flur hängt eine kleine Garderobe an der Wand, an der Mützen und Jacken der Beamten hängen.

Viel Platz gibt es dort nicht. Kontakt mit Bürgern, ob freiwillig oder unfreiwillig, werden die Beamten dort nicht haben. Allein wegen der Enge. Während die Wache vorher 350 Quadratmeter hatte, sitzen die Beamten jetzt auf etwa 90 — und damit deutlich enger zusammen.

Schon aus Eigensicherung, wie Korinthenberg sagt, könne man hier keine Menschen rein lassen — zumal keine, die man festgenommen habe. Dort gebe es einfach zu viele Gegenstände, die greifbar wären.

Aber für den ungefährlichen Kontakt steht ja auch die Mobile Wache vor der Tür — der VW Crafter, der seit dem 25. April als Anlaufstelle am Döppersberg dient. Die wurde zum Glück schon einige Monate vor dem Anschlag bestellt und kann jetzt übergangsweise am Döppersberg genutzt werden.

Der Standort am Döppersberg war schon vorher die am meisten frequentierte Wache im Präsidium. Und Korinthenberg sagt, dass das wohl noch zugenommen hat. „Es gab ja trotzdem auch Hemmnisse, die Tür zu öffnen“, sagt er. Wenn auch nicht viele. Aber aus dem offenen Wagen heraus gebe es jetzt noch mehr Kommunikation als vorher. Mehr Ansprachen, Anfragen, Plaudereien. „Hier in der Innenstadt wird man sowieso mal ins Gespräch verwickelt“, sagt Korinthenberg. „Plaudern ist üblich“.

Wenn die Polizei dann in das City Center an der Schloßbleiche zieht, könnte sich das anders gestalten. Korinthenberg geht davon aus, dass sich die Laufwege verändern werden. Die Bürger können dann nicht mehr aus der Schwebebahn in die Wache „fallen“.

Dafür würde die Wache aber auch mit dem Auto erreichbar. Das sieht er als Vorteil. Auch hofft er auf bessere Räumlichkeiten. In der alten Wache seien viele Quadratmeter durch die langen Flure verbraucht worden. Er wünscht sich für das City Center eine effizientere Nutzung der Fläche, im Endeffekt also mehr Platz.

Nach dem endgültigen Auszug aus dem Köbohaus dürfte dann schnell der Eindruck von mehr Platz entstehen. Viel weniger als jetzt wäre auch kaum machbar für die Polizeibeamten.

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