Abschied: Die Unerbittlichen feilen an ihrem Abschiedsprogramm

Abschied : Die Unerbittlichen feilen an ihrem Abschiedsprogramm

Die Kabarettgruppe des Carl-Duisberg-Gymnasiums löst sich nach 33 Jahren auf.

Dieter Hildebrandt und Georg Kreisler sind die großen Vorbilder von Wolfgang Diepenthal, ihre Grußkarten hängen direkt am Eingang. So war es naheliegend, dass der Lehrer des Carl-Duisberg-Gymnasiums (CDG) 1986 an seiner Schule eine Projektgruppe Kabarett ins Leben rief – „die Unerbittlichen“. 33 Jahre später verabschiedet sich jetzt die Gruppe mit dem Programm „(K)ein Blick zurück im Zorn“; zwölf Jahre nach seiner Pensionierung verlässt Diepenthal endgültig die Schule. Einen Nachfolger für das Kabarett hat er nicht gefunden.

„1986 wurde im damals schon zum Partykeller umgestalteten Schutzbunker der Schule eigens für unseren Auftritt eine Bühne eingerichtet“, erinnert sich der 75-Jährige. Seither wurden 33 Programme aufgeführt, sechs Ehen zwischen Kabarett-Mitgliedern geschlossen und viele Lebenswege geprägt. Mitglieder wie Annika Boos, Marvin Becker, Ronja Oppelt oder Martin Maecker fanden auch beruflich den Weg auf die Bühne, Marc Schulz profitiert heute als Politiker von seinen Kabarett-Erfahrungen.

Die Arbeit der Unerbittlichen erfolgte immer sehr konzentriert und war nie als AG organisiert: Zwar erstellte Diepenthal gemeinsam mit engagierten Schülern schon langfristig die Texte (die dann oft genug im letzten Moment noch aktualisiert werden mussten); doch die Proben beginnen immer erst fünf Tage vor der Premiere. „Wir proben am Sonntag immer ab 11 Uhr im Innenhof“, erzählt Diepenthal. Um 15 Uhr kommt dann der Pianist Jörg Wassermann dazu, der anfangs als Schüler die Kabarettisten begleitet hat und nun selbst als Lehrer am CDG unterrichtet. Das Wohnzimmer von Diepenthal bietet genügend Platz auch für größere Ensembles und hat sogar eine kleine Bühne. Danach wird in einer intensiven Projektwoche täglich trainiert bis zur Generalprobe, die oftmals bis spät in die Nacht dauert. Fest eingeplant sind auch gemeinsame Essen nach den Aufführungen.

Nichts ist vor den
Unerbittlichen sicher

Aufs Korn genommen werden Zustände in Wuppertal ebenso wie bundesweite Politik, Jugendthemen, gesellschaftliche Missstände oder festgefahrene Denkmuster. „Viele Ideen und Anregungen kamen von den Schülern“, sagt Diepenthal. Seit er nicht mehr selbst als Lehrer arbeitet und täglich mit den Schülern in Kontakt ist, ging der Anteil der Schüler an der Textproduktion zurück.

Diese intensiven Proben- und Aufführungszeiten haben viele Schüler in guter Erinnerung. Viele Ehemalige kommen, um bei der Abschiedsvorstellung mitzuwirken. „Manche reisen extra von weither an“, freut sich der Kabarettleiter – was die Organisation allerdings nicht einfacher macht. Neben live aufgeführten Hits von früher werden auch Filmaufnahmen erfolgreicher Stücke eingespielt. 19 Ensemblemitglieder und vier Gäste gestalten das Abschiedsprogramm.

Oft fungierten die Unerbittlichen in diesen 33 Jahren auch als Botschafter des CDG. Sie waren fester Bestandteil von Abibällen und Schulfesten, aber auch bei Wahlpartys, Bürgerfesten und kulturellen Veranstaltungen in ganz Wuppertal. So trat die Gruppe etwa 2001 bei den Protesten der Wuppertaler Schulen gegen die Schließung der Schulbibliotheken auf. „Die heftigsten Fanreaktionen gab es bei der Premiere unseres satirischen Heimatabends anlässlich des 200. Geburtstags Barmens im Haus der Jugend (2008) und im Bildungszentrum der IG Metall in Sprockhövel (August 2009) bei der Präsentation von Teilen unseres 24. Programms“, sagt Diepenthal.

Ganz wird er allerdings nicht aufhören mit dem Kabarett: Gemeinsam mit seinem Enkel Felix möchte er in der Kirchengemeinde weiter auftreten. Denn es liegt ihm einfach im Blut, sich über all die Merkwürdigkeiten des Politikbetriebes zu wundern und Schwachstellen aufzudecken.

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