Die Talachse im Mini-Format

Die Talachse im Mini-Format

Der Verein „Wuppertal-Achse“ baut das Stadtgebiet von Oberbarmen bis Vohwinkel als Modell.

Wichlinghausen. Wuppertal in den 1930er Jahren: Langsam rollt die Straßenbahn am ehemaligen Barmer Stadttheater, dem heutigen Opernhaus an der Friedrich-Engels-Allee, vorbei über die Schienen. Ab und zu tuckern auch Oldtimer brummend die Straße hinunter. Einige Menschen stehen auf dem Vorplatz vor dem Eingangsbereich des Gebäudes mit der großen Kuppel und der aufwändig verzierten Außenfassade.

Nachbildungen des liebevoll gestalteten, ehemaligen Stadttheaters, des Thalia-Theaters, von Schloss Burg oder der Schwebebahn sind einige der zahlreichen Höhepunkte eines ambitionierten Projektes: Der gemeinnützige Verein „Wuppertal-Achse“ hat es sich seit 2005 zur Aufgabe gemacht, ein detailgetreues Modell der Stadt entlang der rund 13 Kilometer langen Talachse von Rittershausen/Oberbarmen über den Alten Markt und Döppersberg bis Vohwinkel zu bauen — im Maßstab 1:87.

„Wir wollen das historische Wuppertal zur Zeit der Stadtgründung darstellen. Unser Wunsch ist es, dass irgendwann zum Beispiel Schulklassen und interessierte Bürger hierhin kommen und das historische Wuppertal greifbar erleben können“, erklärt Karl Hundsdörfer, Vorsitzender des Vereins. Der 65-Jährige löste im Jahr 2008 Vereinsgründer Jürgen Kunzel ab, den es beruflich nach Norddeutschland verschlug.

Gemeinsam mit mehr als 20 Helfern arbeitet Hundsdörfer fast täglich mehrere Stunden an der riesigen Modellstadt, die nach mehreren Umzügen in den Räumen der Modellwelt Wuppertal an der Königsberger Straße 1 auf etwa 2000 Quadratmetern eine feste Heimat gefunden hat. Dort sind die verschiedenen Arbeitsbereiche aufgeteilt: „Manche kümmern sich um Gebäude, andere um Bäume, Straßen, Fahrzeuge, Figuren oder die Wupper samt Ufer“, sagt Hundsdörfer. Auch maßstabsgetreue Nachbauten der Bahnanlagen der Bergisch Märkischen Strecke mit ihren Bahnhöfen, der Straßen- und Schwebebahn sowie der Barmer Bergbahn werden ins Modell integriert. „Natürlich sind sie wie alle anderen Fahrzeuge voll motorisiert“, erklärt Walter Konrad (72), der Bahnstrecken und Waggons samt Motoren konstruiert.

Ob Fensterläden, Straßenlaternen oder Parkbänke: Laut Karl Hundsdörfer ist jedes Detail des Modells, das am Ende 140 Meter lang, acht Meter breit und innerhalb der nächsten 15 Jahre fertiggestellt sein soll, handgearbeitet. Aus Folien, Holz, Pappe und Papier entstehen nach liebevollen Schnitz-, Schneide und Malarbeiten Gebäude, Pflanzen, Felder Straßen oder sogar Kleingärten. „Bevor es an die Arbeit geht, sind umfangreiche Recherchen nötig. Historische Fotos, Stadtpläne und Schriftstücke müssen gesichtet werden. Dabei helfen vor allem die Kulturvereine, das Stadtarchiv und das Katasteramt“, berichtet Hundsdörfer, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern noch in einigen Bereichen Unterstützung brauchen kann. „Neben finanzieller Hilfe sind wir dankbar für passende Modelle oder historische Unterlagen jeder Art.“

Das erste Stück der Talachse soll am kommenden Freitag, 16. September, 17 Uhr, bei der „Stadtteileröffnung Rittershausen“ im Rahmen von „Wuppertal 24h Live“ in Wichlinghausen vorgestellt werden — samt Jungfernfahrt der Schwebebahn.

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