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Die sieben letzten Worte des Erlösers

Die sieben letzten Worte des Erlösers

Schubert, Haydn und Lekeu waren im vierten Kammerkonzert in der Karwoche zu hören.

Wuppertal. Ein erlesenes Programm hatten passend zur Karwoche vier Mitglieder des Sinfonieorchesters Wuppertal für das vierte städtische Kammerkonzert zusammengestellt. Also pilgerten die Freunde der Kammermusik in Scharen auf den Johannisberg, um sich im Mendelssohn Saal der Stadthalle musikalisch auf den Karfreitag und somit die Kreuzigung von Jesus vorbereiten zu lassen. Das gelang den Streichinstrumentalisten ausgezeichnet, wovon ein lang anhaltender Schlussapplaus zeugte.

Der einsätzige Streichquartett-Torso in c-Moll (D 703) von Franz Schubert gemahnte gleich zu Beginn an das Leiden Christi. Denn der Komponist stellt zwei Prinzipien nebeneinander: das Dunkle, gekennzeichnet insbesondere durch schnell aufsteigende schnelle Noten und das Helle, vertreten von zwei lyrischen Themen. Letztere haben aber keine Chance, da am Ende die dunkle Maxime obsiegt.

Der Name des anschließenden Adagios für Streichquartett „Mon âme est triste jusqu’à la mort“ (Meine Seele ist betrübt bis an den Tod) mit der genauen Satzbezeichnung „Molto adagio, sempre cantante doloroso“ (sehr ruhig, immer schmerzlich singend) ist Programm. Der in Vergessenheit geratene wallonische Komponist Guillaume Lekeu entnahm den Titel aus der Passion Christi. Es ist das Geständnis des Heilands im Garten Gethsemane und der Beginn seines Ringens mit Gott-Vater. Seine musikalische Haltung dazu ist pure Emotion.

Die berühmte Streichquartettfassung „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ op. 51 (Hob. XX:1b) aus der Feder von Joseph Haydn war natürlich Hauptwerk des Abends. „Wenn der Herr Verfasser unmittelbar aus der Seele des sterbenden Mittlers herausgeschrieben hätte: So würde er kaum im Stand gewesen sein, die Empfindungen desselben wahrer und feierlicher darzustellen“, schrieb ein Kritiker 1788 über die Vertonung ehrfurchtsvoll.

Immer noch wird dieser Eindruck ausgelöst, Haydn habe damit die letzten Worte rückhaltlos und feierlich in Töne übersetzt. Es waren Liviu Neagu-Gruber als Primgeiger, Axel Heß an der zweiten Violine, Bratschist Matthias Neumann und Cellistin Karin Nijssen-Neumeister, die diese drei Werke kultiviert zum Erklingen brachten.

Unter anderem konnte der Primarius seine Kantilenen mit einer großen inneren Ruhe sehr schön gestalten, weil ihm seine drei Kollegen aufmerksam und mitatmend zur Seite standen. Und Schauspieler Jörg Reimers gesellte sich mit seinen Rezitationen etwa der Bibelworte vor den sieben Sonaten und dem finalen Erdbeben bei Haydn kongenial zu dem Quartett.