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Die Schwarzbachtrasse in Wuppertal ist pünktlich freigegeben

Projekt abgeschlossen : Wuppertaler Schwarzbachtrasse ist pünktlich freigegeben

Die Wuppertalbewegung ist stolz auf die Einhaltung von Zeit- und Kostenplan. 90 Prozent der Summe von 3,5 Millionen Euro wurden über Fördermittel finanziert.

„Die Schwarzbachtrasse ist offen.“ Das verkündete die Wuppertalbewegung bereits kurz vor den Feiertagen und machte damit den Wuppertalern ein Weihnachtsgeschenk. Nach neun Monaten Umbauzeit ist die neue 1,8 Kilometer lange Trasse befahr- und begehbar. Was noch fehlt, ist die Beleuchtung. Die soll im Januar installiert werden. Bis dahin geschieht die Nutzung auf eigene Gefahr.

Die Arbeiten blieben so im Zeit- und im Kostenrahmen. 3,5 Millionen Euro kostete der Umbau der eingleisigen Bahnstrecke zu einem Rad- und Wanderweg. 90 Prozent davon wurden über Fördergelder finanziert, den Eigenanteil übernahm die Wuppertalbewegung, finanziert über Spenden. „Wir wollen damit auch zeigen, dass man mit weniger Geld Gutes bauen kann“, betont Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Wuppertalbewegung, die schon die Nordbahntrasse umgebaut hat.

Beim Testspaziergang über die Trasse mit der WZ macht Gerhardt immer wieder auf die gründliche und solide Arbeit aufmerksam, mit der die Trasse umgebaut wurde. Die vier Brücken seien „von Grund auf“ saniert worden: Die Stahlwannen, die den Weg über die Stützen bilden, seien jeweils komplett freigelegt, neu mit Korrosionsschutz versehen und dann aufgefüllt worden. Das halte jetzt wieder viele Jahre, verspricht er.

Einblick in die Bauweise einer Brücke erhalten Nutzer künftig an der Brücke über die Langobardenstraße: Hier sollen hinter dem Geländer Fenster im Boden einen Blick auf die darunter liegende Stahlmulde zulassen. Diese Brücke hat wie die anderen ein Geländer aus dem historischen Wupperkreuz erhalten. „Das sieht einfach schöner und wertiger aus“, sagt Carsten Gerhardt.

Die spektakulärste Brücke ist das Viadukt über die Schwarzbach, Hagener und Hügelstraße: 180 Meter lang, bis zu 29 Meter hoch. Von oben wirken die Straßen wie tiefe Schluchten und der weite Ausblick über Heckinghausen bietet ganz neue Perspektiven auf die Stadt, unter anderem den Gaskessel, und die Hügel des Barmer Waldes.

Sicherheitssystem aus Wellblechen im Tunnel

Kurz nach der Brücke liegt auf der rechten Seite ein freier Platz. „Hier wird noch eine Bank aufgestellt“, kündigt Carsten Gerhardt an. Denn auch Rastplätze seien eingeplant. Weiter östlich - nach dem Tunnel - bestehen die Sitzplätze aus alten Steinplatten. „Die deckten die alte Entwässerung im Tunnel ab“, erklärt Gerhardt. Die Entwässerung wurde erneuert, die Platten waren überflüssig. Weil aber Teer an ihnen haftet, hätte ihre Entsorgung 10 000 Euro gekostet. Der Verein stapelte sie stattdessen zu Sitzplätzen auf und zu einem Steinhaufen – als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Vorher führt der Weg durch enge Hangwände, dann durch den Wichlinghauser Tunnel. Von den Hängen wurden viele Bäume und Sträucher entfernt, dann Drahtnetze gespannt, um jede Gefahr herabfallender Äste und Steinen zu bannen. Hunderte von mehreren Zentimeter dicken Schrauben halten das Netz fest und sind drei bis fünf Meter tief im Felsen verankert. Erste Pflanzen strecken bereits ihre Ranken durch die Gittermaschen, werden diese bald wieder überwuchern.

Im Inneren der 280 Meter langen Tunnelröhre ist es noch stockfinster. Ein paar Teenies haben kreischend Spaß an der Dunkelheit. Carsten Gerhardt erläutert derweil mit der Taschenlampe die ersten Wellbleche unter der Decke. Die sollen herabfallenden Mörtel abfangen und die Bildung von Eiszapfen verhindern. „Bei der Nordbahntrasse wurden die Tunnel mit Spritzbeton gesichert“, erinnert er. „Hier haben wir unsere eigene Lösung eingebaut.“ Die klappbaren Bleche seien billiger – 100 000 statt eine Million Euro, ließen Feuchtigkeit abfließen und ermöglichten weiterhin den Zugang zum Mauerwerk.

Die Beleuchtung im Tunnel soll heller werden als in den Nordbahntrassen-Tunneln – und sie soll sich den Lichtverhältnissen im Freien anpassen, damit der Unterschied bei hellem Sonnenschein nicht so groß wird.

Auch entlang der Trasse fehlen noch Lampen, die Masten stehen aber bereits. Angebracht sind auch schon Mülleimer samt Hundekotbeutel-Spender. Auf ihre Aufarbeitung warten noch die Randsteine – Erinnerung an die Zeit der Bahnfahrten.

Die Trasse wird schon vielfach genutzt. Während des WZ-Besuchs sind diverse Jogger, Radfahrer und Hundebesitzer unterwegs. Und Heinz Sickelmann auf seinem Elektromobil. Der Rentner erzählt, dass er von Vohwinkel aus unterwegs ist, und er schwärmt, die neue Trasse sei „Super, supergut!“