Kommentar : Die Scheinriesen

Nach dem Parteiengesetz sind politische Parteien Vereinigungen von Bürgern, die dauernd oder für längere Zeit auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen. Deutschland ist eine Parteiendemokratie.

Kritiker sprechen auch gerne immer dann vom Parteienstaat, wenn es mal wieder Fälle von Machtmissbrauch gegeben hat. Die Parteien handeln nicht nur als Sachwalter von Bürger-
interessen, sondern eben durchaus auch als Interessenvertreter in eigener Sache. Soweit die Theorie. Schaut man zum Beispiel in Wuppertal einmal auf die Mitgliederzahlen, wird deutlich, wie viel politischer Einfluss sich auf relativ wenige Parteimitglieder konzentriert. Weniger als ein Prozent der 362 000 Wuppertaler gehört einer der großen demokratischen Parteien an.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer begegnen in der Wüste dem Herrn Tur Tur, einem Scheinriesen. Je näher die beiden der Gestalt am Horizont kommen, umso mehr schrumpft sie auf Normalmaß. Mit den Parteien verhält es sich ähnlich. Sie schrumpfen, wenn man sich die Basis genauer anschaut. Gut für die Demokratie ist das nicht und auch nicht im Sinne der Politiker. Nachwuchs wird überall dringend gebraucht, denn der demographische Wandel schlägt in allen Parteien zu. Tur Tur hilft am Ende Jim Knopf und Lukas, den Weg aus der Wüste zu finden. Das Vertrauen in die demokratischen Parteien sollten auch wir nicht verlieren.