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Die Sauer-Orgel ist zurück

Die Sauer-Orgel ist zurück

Schimmelbefall: Drei Monate musste die Friedhofskirche ohne ihr musikalisches Aushängeschild auskommen.

Elberfeld. Seit Jahren klang die Orgel in der Friedhofskirche nicht mehr so kräftig und klar wie heute. Wenn Kantor Thorsten Pech das Original von 1898 spielt, vibriert der Boden. Wenn der Musiker die ganze Kraft der Orgel entfesselt, spüren es die Zuschauer auf der Empore sogar in den Sitzbänken.

Solch eine Klangerfahrung war seit Monaten nicht mehr möglich. Die Orgel wurde am 13. September komplett abgebaut und in penibler Kleinstarbeit restauriert. Doch schon vorher klang sie nicht mehr gut. Kantor Pech zeigt auf die feine Mechanik in der Orgel: "Hier hingen überall Schimmelfäden von der Decke." Am Ende war das Spielen gesundheitsgefährdend, zuletzt spielte Thorsten Pech mit Mundschutz.

Die dreimonatigen Arbeiten in der Kirche waren aufwändig. Das Instrument steht unter Denkmalschutz, daher musste neue Technik aus dem Innenleben fernbleiben. Selbst Teile, die nicht mehr gereinigt werden konnten, sondern in Berlin nachgebaut werden mussten, seien aus authentischem Material, wie es auch der berühmte Erbauer Wilhelm Sauer verwendet hätte. Die Kosten von 70.000 Euro finanzierte die Gemeinde selbst. "Da sind wir noch relativ günstig weggekommen", sagt Pech. Vor 15 Jahren musste die Orgel zuletzt restauriert werden. Damals verschlang die Maßnahme 200.000 Mark.

Damit die Orgel nun länger hält, wurden Schlitze eingebaut, die für eine bessere Luftzirkulation sorgen sollen. Das Innenleben schimmelte nämlich deshalb so schnell, da es in der Orgel kälter ist, als im übrigen Teil der Kirche. So bildete sich regelmäßig Kondenswasser - ein perfekter Nährboden für Pilze. Die sorgten unter anderem dafür, dass in einige der rund 2500 Pfeifen keine Luft mehr dringen konnte. Pech erklärt: "Einige Töne konnte ich gar nicht mehr spielen."

Jetzt kann das Instrument wieder seine volle Bandbreite entfalten. Von den kaum hörbaren Tönen, bis hin zu kraftvollen Passagen, die so klingen, als würde ein ganzes Orchester in der Friedhofskirche spielen.

Viele Sauer-Orgeln gibt es in der Region nicht. In der reformierten Kirche Ronsdorf steht noch eine (1908). Das größte und berühmteste Werk des Spätromantikers Sauer ist im Berliner Dom zu bewundern. Deshalb bezeichnet Pech jetzt die Friedhofskirche mit einem Augenzwinkern den "kleinen Berliner Dom".