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Wuppertaler Geschichte: Die Ruhe vor dem Sturm

Wuppertaler Geschichte : Die Ruhe vor dem Sturm

Historiker Detlef Vonde über Elberfeld im April 1849.

Am 3. April 1849 hatte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die ihm vom Frankfurter Parlament angetragene Kaiserkrone, als einen „Reif aus Dreck und Lettern“ und als „Hundehalsband“ der Demokratie, für die Mehrzahl der nur begrenzt überraschten Zeitgenossen in einem Anflug restabsolutistischer Überheblichkeit endgültig abgelehnt. Die Ereignisse spitzten sich unmittelbar darauf dramatisch zu, als die Zweite Preußische Kammer ihrerseits die deutsche Reichsverfassung bestätigte, die Regierung zur Annahme aufforderte und der Monarch das Parlament postwendend auflöste. Damit war Preußen künftig die offizielle Führungsmacht der Konterrevolution. Womit das Militär auf den Plan trat und folgerichtig die zügige Mobilisierung aller verfügbaren Kräfte, also auch der Landwehr, einer Art Reservearmee veranlasste. Der Staat rüstete auf und war bereit zur Anwendung militärischer Gewalt gegen die eigene Bevölkerung.

Immer wieder gab es
spektakuläre Demonstrationen

Noch aber war die Lage in Elberfeld und Barmen einigermaßen ruhig. Zwar war es im Verlauf des „tollen Jahres“ 1848 in Elberfeld zu punktuellen Arbeitertumulten gekommen. Dennoch hatten die Ordnungskräfte der Polizei und die Bürgerwehr die Lage aus ihrer Sicht einigermaßen unter Kontrolle, auch wenn es zu spektakulär großen Demonstrationen kam. Im Verlaufe des Jahres hatten sich erste politische Parteien gebildet. Während sich die wohlhabenden Bürger im „Konstitutionellen Verein“ versammelten, der die Monarchie unangetastet lassen wollte, gründeten die republikanisch und demokratisch orientierten Elberfelder Kleinbürger, Gewerbetreibenden und Akademiker den „Politischen Club“. Die Bürger stritten in diesen Formationen künftig um die kommunale Deutungshoheit.

Als am 16. August 1848 Friedrich Wilhelm IV zu Besuch bei Bankier Daniel von der Heydt ist, kommt es im Anschluss an eine vom Politischen Club initiierte Protestversammlung mit anschließender „Katzenmusik“ zum Konflikt mit dem Konstitutionellen Verein. Die geplante Aktion wird von Polizei und Bürgerwehr gewaltsam verhindert, aber die endgültige Spaltung des bürgerlichen Lagers ist damit auf dem Tisch. Ansonsten aber herrscht vorläufig Ruhe in Elberfeld und Barmen bis in den Frühsommer 1849.

Ende April spitzt sich dann die Lage zu. Über 1000 Teilnehmer auf einer Versammlung am Engelnberg verabschieden eine scharfe Resolution gegen die erneute Auflösung der Zweiten Kammer in Preußen, die von einer Deputation an die Bezirksregierung nach Düsseldorf überbracht wird, wo bereits Soldaten mit entsicherter Waffe auf die Abordnung warten. Bei der Rückkehr nach Elberfeld kommt es dann zu tumultartigen Protesten. Die Polizei hält sich noch zurück. Der Elberfelder Gemeinderat flüchtet sich in ein entschiedenes „sowohl als auch“. Man schließt sich zwar halbherzig der Resolution an, weigert sich aber, die Reichsverfassung für „unbedingt gültig“ zu erklären.

Erste bewaffnete
Straßenkämpfe

600 Kilometer östlich, in Dresden, kommt es zu ersten bewaffneten Straßenkämpfen. Das Volk geht für die demokratische Republik auf die Barrikaden, preußische Truppen greifen blutig ein. Das strahlt aus bis nach Elberfeld. Als die ersten Gestellungsbefehle an die Landwehr erfolgen, kommt es am 3. Mai schließlich zur offenen Revolte: 153 Landwehrmänner erklären sich mit der Reichsverfassung einverstanden und der absoluten Krone für entbunden. Ein Komitee wird gegründet, das vor rund 400 Landwehrmännern spricht. Befehlsverweigerung. Meuterei. Einige Zeitgenossen verbreiten Gerüchte von einer drohenden „rothen Republik“. Die nächsten zwei Wochen werden zu den aufregendsten Tagen der Elberfelder Geschichte zählen.