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Die Postkarte aus dem Jenseits

Die Postkarte aus dem Jenseits

Urlaubsgrüsse Karin und Jürgen Hellwig haben eine Ansichtskarte von Karin Hellwigs Mutter bekommen. Das Problem: Die Dame ist seit fünf Jahren tot - und die Karte von 1996.

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p class="text"><strong>Wuppertal. "Ihr Lieben, zum Abschied unseres Urlaubes möchten wir noch einen lieben Gruß senden..." Ja, sie beginnt, wie eine Urlaubspost eben anfängt, die Karte, die Karin und Jürgen Hellwig da am 5. Januar in ihrem Briefkasten liegen hatten. Eine Ansichtskarte aus Cuxhaven mit einem Bild der dortigen Deichpromenade. Doch schon die Briefmarke zu 80 Pfennig verrät: Mit dieser Sendung stimmt was nicht. Denn geschrieben wurde die Karte am 27. September 1996. Von Karin Hellwigs Mutter und ihrem Lebensgefährten. Und beide sind seit fünf Jahren tot. Entsprechend makaber war die Überraschung, als Karin Hellwig die Karte aus dem Kasten zog und die Handschrift ihrer verstorbenen Mutter erkannte. "Ich war ganz schön entsetzt und hab zu meinem Mann gesagt: ,Die ist ja aus dem Jenseits’." Klar, dieser Ausruf war nicht ernst gemeint. Doch Familie Hellwig steht vor einem Rätsel: "Wir wohnen seit 32 Jahren hier und leeren den Briefkasten jeden Tag", so Jürgen Hellwig. "Wie kann das sein, das uns die Post kommentarlos eine zwölf Jahre alte Karte in den Kasten wirft - ohne Begleitschreiben oder Entschuldigung?"

"Eigentlich wäre für die Zustellung Nachporto fällig gewesen."

Die WZ fragte bei der Post nach. Deren Fachleute haben anhand des nur schwer lesbaren Poststempels und der Codierstreifen auf der Rückseite der Karte erkannt: Erst am 4. Januar 2008 wurde die Karte im für Cuxhaven zuständigen Briefzentrum Bremen auf die Reise geschickt. Dass sie dort aber zwölf Jahre lang liegen geblieben sei, sei aufgrund der genauen internen Kontrollen auszuschließen, versichert Post-Sprecher Dieter Pietruck. Die zwölf Jahre Verzögerung müssten irgendwo zwischen Cuxhaven und Bremen entstanden sein. "Aber was da genau geschehen ist, können wir beim besten Willen nicht mehr klären."

Aber das Alter der Karte und die 80-Pfennig-Marke hätten doch jemandem auffallen müssen? Nein, sagt Pietruck: Die drei Millionen Briefe, die täglich in Bremen abgewickelt würden, würden von Maschinen gescannt, die lediglich die Echtheit, aber nicht den Wert der Briefmarke erkennen könnten. Letzteres geschehe in der Regel durch Sichtkontrolle von Mitarbeitern. "Aber die hatten am 4. Januar so viel zu tun, dass die Kontrolle ausnahmsweise ausgefallen ist."