Die Polizei jagt Raser, die es in Wuppertal kaum gibt

Die Polizei jagt Raser, die es in Wuppertal kaum gibt

Die Ankündigung des Blitz-Marathons zeigte am Freitag Wirkung. Die Statistik zeigt, dass in Wuppertal auch ohne Polizei-Aktion nicht viel gerast wird.

Wuppertal. So langsam und gesittet ging es selten auf Wuppertals Straßen zu. Der groß angekündigte Blitz-Marathon vom NRW-Innenministerium hat sich in Wuppertal herumgesprochen. Selbst auf der zweispurigen B 7 waren am Freitag kaum Autos zu sehen, die schneller als 50 fuhren. Trotzdem erwischten Polizei und Ordnungsamt einige wenige Temposünder — obwohl es ihnen offiziell gar nicht darum ging.

„Wir wollen auf eine der Hauptunfallursachen hinweisen, und die ist überhöhte Geschwindigkeit. Es geht uns nicht ums Knöllchensammeln“, erklärt Michael Bartsch von der Wuppertaler Polizei. Das neue Verkehrskonzept der Polizei macht diese Aussage glaubhaft. Schon lange blitzt die Polizei nicht mehr aus „Verstecken“, sondern stellt Verkehrskontrollen bewusst deutlich sichtbar auf. Zudem kündigt die Polizei vorher an, wo Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt werden (täglich in der WZ).

Die Verkehrsstatistik der Stadt (siehe Kasten) zeigt zudem deutlich: Wuppertal hat kein Raserproblem. Unbelehrbare gibt es natürlich trotzdem täglich, auch während des Blitz-Marathons. „Ich bin nur 51 gefahren“, versicherte ein Fahrer, nachdem er am Freitag mit 64 Kilometern pro Stunde an der Jesinghauser Straße in eine Kontrolle geraten war. Seine Unachtsamkeit ärgert ihn, weil er von der Polizei-Aktion wusste. Außerdem ärgerlich: „Ich komme aus Köln und will nach Hamburg. Ich habe keine Ahnung, warum mein Navi mich nach Wuppertal geleitet hat.“

Die niedrigen Temperaturen bereiteten bis Freitagabend nur den Beamten, nicht aber der Technik Probleme. „Die Akkus liefern etwas weniger Energie, aber das ist kein Problem“, sagte Hermann Koppelberg von der Polizei. Auch vor einer Einspruchswelle gegen Freitag und in der darauf folgenden Nacht ausgestellte Verwarn- und Bußgelder fürchtet er sich nicht: „Die Messgeräte zeigen ab minus zehn Grad eine Warnung an und verweigern den Dienst.“

Eine ungenaue Messung sei also gar nicht möglich, so Koppelberg. Wichtig dabei: Die minus zehn Grad beziehen sich auf die Innentemperatur des Gerätes, nicht auf die Außentemperatur.

“ Nach Ablauf des Blitz-Marathons blitzt die Polizei heute wieder regulär. Messungen gibt es an der Westkotter und der Heckinghauser Straße.

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