Die Pflanzen stellen sich auf den längeren Sommer ein

Die Pflanzen stellen sich auf den längeren Sommer ein

In den vergangenen 30 Jahren ist der Sommer in Wuppertal um insgesamt drei Wochen länger geworden. Den Nachweis liefert eine der spektakulärsten Langzeitmessungen.

Wuppertal. Um es gleich vorwegzunehmen: Auch wenn Wuppertal einen Hitze-Rekordsommer verzeichnet - die Sommerperiode hat nichts mit Schönwetterphasen zu tun. Der wissenschaftliche Sommer findet zwischen zwei Temperaturpunkten in der oberen Atmosphäre statt, dem Frühlings- und dem Herbstpunkt. Sie sind erreicht, wenn die Temperatur in 87 Kilometern Höhe minus 75 Grad über- beziehungsweise unterschreitet. "Dazwischen ist Sommer", so der Wuppertaler Atmosphärenforscher Professor Dirk Offermann.

Und genau diese Zeit dazwischen wird von Jahr zu Jahr länger. Offermann kann das mit Gewissheit sagen, denn er ist Initiator von "Grips", dem "Ground-based Infrared P-Branch Spectrometer". Vor genau 30 Jahren wurde das Messgerät bei den Atmosphärenphysikern der Bergischen Uni aufgebaut und misst seitdem ununterbrochen die Temperatur in 80 bis 90 Kilometern Höhe.

An den Langzeitmessungen waren ganze Generationen von Physikstudenten, Diplomanden und Doktoranden beteiligt. Heute verantwortet Offermanns Nachfolger Professor Ralf Koppmann das Projekt. Seit drei Jahren ist "Grips" international vernetzt. Und wenn das Wetter im Bergischen gar nicht mitspielt, werden Daten mit dem Observatorium Hohenpeißenberg ausgetauscht.

Dabei ist der Wuppertaler Detektor nachtaktiv. Jeden Abend wird er mit flüssigem Stickstoff befüllt und basiert im wesentlichen auf einem Infrarot-Spektrometer. Die Technik ist seit 30 Jahren unverändert - und genau darin liegt ihr Vorteil. Wuppertal hat es geschafft, eine homogene Messreihe über Jahrzehnte auf die Beine zu stellen.

"Die meisten anderen Gruppen haben der Versuchung nicht widerstehen können und ihre Geräte verbessert. Somit haben sie den Wert ihrer Daten für Langzeitanalysen vermindert", erzählt Professor Koppmann. So entsünden Brüche in der Datenreihe.

Nicht so bei "Grips". Dem Detektor verdanken die Forscher auch die Beobachtungen "erheblicher Veränderungen in der Zirkulation" der oberen Atmosphärenschicht. So genannte Zwei-Tage-Wellen treten mittlerweile in andern Abständen auf.

Auf der ganzen Welt sind Forscher den Entwicklungen in der Hochatmosphäre mit Blick auf den Klimawandel auf der Spur. Die Wuppertaler Messreihe ist die bei weitem längste.