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Solar Decathlon in Wuppertal: Die Olympischen Spiele des Bauens beginnen jetzt

Solar Decathlon in Wuppertal : Die Olympischen Spiele des Bauens beginnen jetzt

Die 18 Teams, die am Solar Decathlon teilnehmen werden, präsentieren im April ihre Ideen in Wuppertal.

Studenten sollen die Zukunft des Bauens ausloten – energetisch effizient, klimaneutral. Und das an der Mirke, auf dem Campus der Utopiastadt. In einem Wettbewerb. 18 Teams wurden jetzt ausgewählt, sich dieser Herausforderung zu stellen – sie kommen etwa aus Thailand, Spanien, Frankreich und Deutschland.

Sie werden den Solar Decathlon, den Solaren Zehnkampf austragen, einen studentischen internationalen Wettkampf in Sachen Gebäude-Energie, und dafür im September 2021 Prototypen an der Mirke bauen.

Und während die Öffentlichkeit noch keinen Schimmer hat, was die Teams machen wollen, weiß Daniel Lorberg von der Fakultät Architektur- und Bauingenieurwesen der Bergischen Universität als Projektdirekor des Solar Decathlon 2021, „schon sehr genau, was die vorhaben“.

Die Teams haben sich bis Oktober vergangenen Jahres bewerben können. Eine internationale Fachjury hat sie dann ausgewählt und die Gewinner jetzt in einem Video präsentiert. Oberbürgermeister Andreas Mucke, Uwe Schneidewind vom Wuppertal Institut sowie Gastronomin und Designerin Selly Wane haben die Gewinner willkommen geheißen.

Dass von den 18 Teams immerhin sechs aus Deutschland kommen, wundert Lorberg nicht. „Wenn so ein Event in Deutschland stattfindet, bewerben sich eben auch viele deutsche Teams“, sagt er. Sie wurden nach den Bewerbungskriterien und von Fachleuten bewertet, um sicherzugehen, „dass wir die besten 18 auf dem Platz haben“.

Weder die Nationalität noch die Zugehörigkeit zu einzelnen Teams soll bei dem Wettbewerb eine übergeordnete Rolle spielen. Denn alle Teilnehmer zusammen sollen eine große Gruppe darstellen, so etwas wie die Athleten der Olympischen Spiele des nachhaltigen Bauens. Um den Teamgeist zu entwickeln, werden die Teilnehmer im April das erste Mal nach Wuppertal kommen, Workshops mit Fachleuten besuchen, sich kennen lernen, die Stadt entdecken und ihre Ideen vorstellen.

Viele Aufgabenstellungen
betreffen die Mirke

Und die können für Wuppertal relevant sein. Denn etwa die Hälfte der Teams befasst sich mit Aufgabenstellungen, die direkt die Mirke betreffen. Lorberg erklärt, dass diese darin besteht, ein bestehendes Gebäude der Mirke oder in einem anderen urbanen Kontext aufzustocken oder kernzusanieren und es horizontal zu erweitern oder eine Baulücke zu füllen – alles unter Aspekten der Nachhaltigkeit, der Ressourceneffizienz und des recylinggerechten Bauens.

Der Solar Decathlon geht mit der Wuppertaler Ausgabe erstmals auf städtische Lebensverhältnisse und Baueigenheiten ein, denn bis 2050 werden sich die bebauten Flächen der Städte verdoppelt haben und mehr Menschen in Städten leben, als jetzt auf der Erde insgesamt. Dabei ist in Sachen Bau viel an Ressourcen zu sparen, sorgt dieser Sektor doch für 50 Prozent des Mülls in Deutschland.

Für die Mirke bedeutet der Wettbewerb regen Zulauf. Lorberg geht von gut 100 000 Besuchern aus, die sich an den 16 Tagen des Wettbewerbs dort aufhalten werden. „Aber die Bewohner müssen keine Angst haben, überrannt zu werden. Das wird kein Woodstock“, sagt Lorberg. Dagegen dürfen die Besucher und Anwohner einiges erwarten. Denn die 18 Teams bauen ihre Lösungen als funktionsfähige Gebäude oder Ausschnitte davon – von 70 bis 110 Quadratmetern. Die Energieeffizienz muss messbar sein, die Räume erleb- und fühlbar.

Lorberg lädt dazu ein, sich im September 2021 die sogenannten Demonstratoren anzusehen. Das sei nicht nur für Fachleute interessant, sondern auf für Leute, die Ideen für Inneneinrichtungen suchten – zuletzt hätten die Studenten viel mit begrünten Wänden oder Lehm gearbeitet. Besonders wichtig ist ihm, dass die Studierenden Führungen durch ihre Häuser anbieten, „und mit strahlenden Augen davon erzählen, was sie sich in den letzten zwei Jahren dort erarbeitet haben“. Das sei der eigentliche Höhepunkt.