Gastbeitrag: Die Nordbahntrasse verbindet die Wuppertaler

Gastbeitrag: Die Nordbahntrasse verbindet die Wuppertaler

Wie die Nordbahn zu einem innerstädtischen Geh-, Rad- und Inlinerweg wurde — fast ohne Kreuzungen.

1999 fuhr der letzte Zug auf der Rheinischen Strecke, die von Düsseldorf nach Dortmund durch den Norden von Wuppertal verläuft. Bereits 1989 gab es in der Stadtverwaltung erste Überlegungen für eine Nutzung als Freizeitweg. 2003 wurde ein Teilstück ins Radförderprogramm aufgenommen. Aufgrund fehlender Eigenmittel kam es aber nicht zur Umsetzung. Die Projektidee erhielt 2006 durch die Wuppertalbewegung e.V. neuen Schwung. Der Rat beschloss im Juni 2006, das Projekt „Nordbahntrasse“ zu unterstützen.

Foto: Uwe Schinkel

Ab 2007 erarbeitete die Stadt Förderanträge und erhielt 2008 erste Mittelzusagen vom Land. Die Wuppertalbewegung konnte 2,5 Millionen Euro Spendengelder akquirieren, davon eine Million von der Jackstädt-Stiftung. Daher trägt die Trasse den Namen „Jackstädtweg“. Die fehlenden Gelder sollten durch Eigenleistungen von Vereinsmitgliedern der Wuppertalbewegung „erwirtschaftet“ werden.

Zur Unterstützung stellte das Jobcenter rund 100 Arbeitskräfte des Wichernhauses und der Gesellschaft für Berufs- und Ausbildungsförderung bereit. Am 5. Juni 2010 wurde ein erstes 1,6 Kilometer langes, unter Regie der Wuppertalbewegung gebautes, Teilstück eröffnet.

Mit der Präzisierung der Planungen wurde deutlich, dass die mehr als 130 Jahre alten Ingenieurbauwerke nicht zu den geschätzten Kosten zu sanieren sind und Arbeiten an Fachfirmen vergeben werden müssen, um das Projekt rechtzeitig Ende 2014 fertigzustellen. Zwischen der Stadt und der Wuppertalbewegung kam es aber auch zunehmend zu Unstimmigkeiten über Art und Umfang der Bau-ausführung, woraufhin die Stadt im April 2011 die Bauherrschaft übernahm.

Für die mit EU-Mittel finanzierten Bereiche, also die Hälfte der Strecke, war dies wegen der komplexen Fördermittelabrechnung und Vorfinanzierung ohnehin Voraussetzung. Insgesamt wurden sechs Tunnel mit einer Gesamtlänge von 2005 Meter, 23 Brücken und 200 Stützmauern saniert. Neun Kilometer der Trasse wurden vier Meter breit asphaltiert, mit einem zwei Meter breiten gepflasterten Gehweg. Rund drei bis vier Meter breit wurden die weniger frequentierten Außenbereiche asphaltiert. Mehr als 40 Zugänge und ein Dutzend Rastplätze wird es im Endausbau geben. Auf einer Strecke von 13 Kilometern und in den sechs Tunneln wurden 500 LED-Leuchten installiert und Brücken illuminiert — ermöglicht durch 2 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium, die für das von Stadt und Wuppertalbewegung erstellte Beleuchtungskonzept mit artenschutzgerechter Tunnelbeleuchtung bereitgestellt wurden. Insgesamt waren beim Trassenbau 35 Firmen und 16 Büros für Planung und Gutachten beteiligt.

32 Millionen Euro wurden investiert, dazu erhielt die Stadt von Bund- und Land 14,58 Millionen Euro, aus Tourismusfördermitteln weitere 7,17 Millionen Euro, davon rund 4 Millionen Euro von der EU, 2,5 Millionen Euro von der Wuppertalbewegung; der Rest erfolgte über geldwerte Leistungen des zweiten Arbeitsmarktes.

Mit der Nordbahntrasse gibt es erstmals einen nahezu kreuzungsfreien Geh- und Radweg quer durch Wuppertal — sehr begehrt für einen umweltfreundlichen Alltagsverkehr. Ein erster Beweis dafür ist die ADFC-Auszeichnung für Wuppertal als „Aufholerstadt des Jahres“.

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