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Wichlinghausen: Die neue Idylle an der Nordbahntrasse

Wichlinghausen : Die neue Idylle an der Nordbahntrasse

Sanierung ist fertig: Hackenberg’sche Gärten erstrahlen in neuem Glanz und warten auf Besucher.

. Das Belvedere ist idyllisch, mit herrlichem Ausblick über Barmen, schönem Grün und feinen hölzernen Sitzbänken mit Schutzdach vor Sonne und Regen. Anlässlich seines 80. Geburtstags hatte Unternehmer Jörg Mittelsten Scheid vor drei Jahren 450 000 Euro für die Sanierung des damals völlig verwilderten Geländes gespendet. Die Wuppertalbewegung hat aus den Hackenberg‘schen Gärten ein Kleinod gestaltet, das jetzt eröffnet wurde.

„Wir sind damals durch die Brücke auf das Gelände aufmerksam geworden“, erzählt Rolf Dellenbusch von der Wuppertalbewegung. Wegen der Sanierungsfrage wollten die Ehrenamtler wissen, wem die Brücke gehört. Erstaunlicherweise konnte niemand in der Stadt diese Frage beantworten.

Die schwierige Suche nach historischen Infos zum Areal

Sieben Mal fuhr Dellenbusch ins Landesarchiv nach Düsseldorf, einmal ins Staatsarchiv nach Schloss Kalkum, dazu ins Wuppertaler Stadtarchiv. Er fand alte Briefe, in denen die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft in den 1870er Jahren mit den Anwohnern über die Grundstücke an der Trasse verhandelte. Das Grundstück des Fabrikanten Hackenberg wurde durch die neue Eisenbahn zweigeteilt: Auf der nördlichen Seite befanden sich danach seine Fabrik und sein Wohnhaus, auf der südlichen Seite sein Garten mit Sommerresidenz.

Die Eisenbahngesellschaft baute ihm eine zwei Meter breite Brücke, da der Garten sonst nicht erreichbar wäre – er liegt mehrere Meter hoch auf Felsen. Seit 1991 steht die Brücke unter Denkmalschutz. Das Gelände gehört inzwischen der evangelischen Kirche. Von ihr hat es nun die Wuppertalbewegung für 60 Jahre gepachtet.

Die hohe Lage bereiteten der Wuppertalbewegung einige Schwierigkeiten: „Hier drunter sind mehrere Felsen, die mit Erde aufgefüllt und zugemauert wurden“, erklärt Burkhard Clingen, Schatzmeister der Wuppertalbewegung. „Das bröselte jetzt.“ Rund 50 000 Euro kostete es, die Felsen zu sichern. Drei Wochenenden lang beseitigten 20 Freiwillige unter Leitung von Dietrich Böttcher und Günther Ischebeck mit viel Ausdauer Herkulesstauden und Brombeerranken vom Belvedere. Der Landschaftsgärtner Leonards gestaltete den neuen Garten.

Das alte Sommerhäuschen musste abgerissen werden

Das alte Sommerhäuschen stand ebenfalls noch, war aber völlig verfallen und vom Schimmel zerfressen. Es musste entfernt werden. Vorher jedoch vermaß der Architekt Florian Baltzer es detailliert; das stählerne neue Schutzdach ist in den Maßen und in der Gestaltung dem alten Sommerhäuschen nachempfunden – aber vielseitig nutzbar und wenig zerstörungsanfällig.

Unter dem Schutzdach befindet sich noch der alte Keller. Dort lagert die Wuppertalbewegung einige Gartenmöbel. Der Zugang ist mit einer schweren Klappe gesichert. Überhaupt spielt die Sicherheit eine große Rolle: Natürlich wollen die Verantwortlichen, dass das schöne, aber abgelegene Plätzchen auch auf lange Sicht schön bleibt. Deshalb haben sie zwei Kameras installiert.

Ehrenamtler haben
ein Auge auf den Garten

Zusätzlich kümmert sich der Ehrenamtler Horst Catterfeld um das Belvedere. Er schließt jeden Morgen auf und wässert in stundenlanger Arbeit die neuen Pflanzen. Wenn jemand für Dreck sorgt oder auf der neu angepflanzten Wiese Fußball spielt, spricht er ihn freundlich, aber bestimmt an. „Neulich habe ich von meinem Balkon aus beobachtet, dass ein Jugendlicher das Hundewasser getrunken hat“, wundert er sich. Mehr als 100 Zigarettenkippen hat er nach dem ersten Wochenende aufgesammelt. Die Wuppertalbewegung will jetzt ein Team gründen, das Horst Catterfeld unterstützt.

An den Spender des schönen Ortes, Jörg Mittelsten Scheid, erinnert eine Plakette mit der Aufschrift „Meinen Wuppertaler Mitbürgerinnen und Mitbürgern“ samt dem Datum der Einweihung des Belvedere. Für laue Sommerabende ist der Aussichtsort jedenfalls ein herrlicher Ort.