Wuppertal: „Die Nachfrage nach Flächen ist immer noch ungebrochen“

Wuppertal: „Die Nachfrage nach Flächen ist immer noch ungebrochen“

Rolf Volmerig, Chef der Wuppertaler Wirtschaftsförderung, zieht Zwischenbilanz zu dem vor einem Jahr gestarteten Handlungsprogramm Brachflächen in Wuppertal.

Herr Volmerig, vor gut einem Jahr wurde das Handlungsprogramm Brachflächen vom Stadtrat verabschiedet. Mit dem Programm sollen ungenutzte Flächen im Stadtgebiet wieder vermarktet und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Wie sieht Ihr Zwischenfazit zu dem Programm aus?

Rolf Volmerig: Das Handlungsprogramm Brachflächen hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Durch die systematische Beschäftigung mit dem Thema und die standardisierte Übersicht über verfügbare Brachflächen hat das Interesse an diesen Standorten seitens der Käufer deutlich zugenommen. Das ist wichtig, da das Flächenangebot in einer dicht bebauten Stadt wie Wuppertal begrenzt ist und es eindeutige Strategie der Stadt ist, zunächst Brachflächen neu zu entwickeln, bevor Flächen „auf der grünen Wiese“ erschlossen werden.

Genau 101 Brachflächen mit einem Umfang von 126 Hektar listet das Handlungsprogramm auf — der Schwerpunkt sind Gewerbeflächen, aber auch Verkehrsinfrastruktur sowie Bereiche der „sozialen Infrastruktur“ — also etwa Schulen und Sportanlagen — gehören dazu. Wie steht es um die Nachfrage nach den Flächen? Wie viele der Flächen sind schon in welchen Bereichen vergeben?

Volmerig: Insgesamt werden zurzeit etwa 20 Brachflächen entwickelt. So etwa das lange leerstehende Hochhaus an der Zeughausstraße mit der typischen Waschbetonfassade der 60er Jahre. Dort laufen derzeit die Umbauarbeiten zu einem modernen Wohn- und Multifunktionsgebäude, das auch einen Kindergarten enthalten wird. Ein weiteres Beispiel ist das alte Fabrikgebäude der Firma Hemscheidt am Bornberg. Die Renaissance AG aus Krefeld, die die Immobilie erworben hat, wird 2,2 Millionen Euro in das denkmalgeschützte Gebäude investieren, um neue Flächen für Gewerbe, Dienstleistung und Wohnen zu schaffen. Auch an der Alten Dorfstraße in Sonnborn ist einiges in Bewegung. Das ehemalige Schulgebäude ist abgerissen. Dort sollen neue Formen des genossenschaftlichen Wohnens entstehen. Der wohl spektakulärste Umbau einer ehemaligen Brachfläche ist die Sanierung des alten Gaskessels in Heckinghausen. Dort investieren Thomas Drescher, Marcello Groß und Daniel Mai von der Gaskessel Wuppertal GmbH, um dieses imposante Wahrzeichen zu einem Raum für Gastronomie, Sport und Events umzubauen.

Noch profitiert der Standort Wuppertal davon, dass die Immobilienpreise hier deutlich niedriger als in der Rheinschiene sind. Wie lange wird das Ihrer Ansicht nach noch der Fall sein?

Volmerig: Die Nachfrage nach Flächen in Wuppertal ist ungebrochen. Dieses zeigt sich interessanterweise nicht nur durch eine steigende Nachfrage, sondern auch durch steigende Preise in allen Marktsegmenten. So sind die Preise für Ein- und Mehrfamilienhäuser deutlich gestiegen. Auch die Preise für Gewerbeflächen ziehen an und erreichen in guten Lagen Werte von über 100 Euro pro Quadratmeter. Das ist ein Beleg dafür, dass die Attraktivität der Stadt weiter wächst. Trotzdem ist es im Vergleich zu den Preisen in Köln, Düsseldorf und Berlin immer noch attraktiv, Immobilien in Wuppertal zu erwerben, da qualitativ hochwertige Gebäude vorhanden sind und auch mittelfristig eine positive Preisentwicklung zu erwarten ist. Daher sind nicht nur Wuppertaler Bürger an einem Kauf interessiert, sondern zunehmend auch private oder institutionelle Anleger aus ganz Deutschland.

Das Handlungsprogramm Brachflächen wurde ja auch deshalb erstellt, weil es der Stadt grundsätzlich an Gewerbeflächen fehlt. Da sollte das Programm eine Zwischenlösung sein. Wie sehen Sie den aktuellen Entwicklungsstand in Sachen Erschließung von neuen Gewerbeflächen in Wuppertal — auch vor dem Hintergrund der Aufstellung eines neuen Regionalplanes?

Volmerig: Brachflächen sind nur eine Komponente der Gewerbeflächenentwicklung, obwohl in den letzten zehn Jahren über 60 Prozent der entwickelten Flächen Brachen waren. Aufgrund des begrenzten Angebots an Brachflächen und der großen Nachfrage nach Grundstücken für Gewerbe, Wohnen und Handel wird allerdings auch eine weitere Erschließung von neuen Flächen mittelfristig unabdingbar sein. Für diese Fragestellung steht das Handlungsprogramm Gewerbeflächen kurz vor der Fertigstellung, in dem die Entwicklung neuer Flächen vorbereitet wird. Diese sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren zur Verfügung stehen. Im neuen Regionalplan, der derzeit seitens der Bezirksregierung erstellt wird, ist der wachsende Flächenbedarf berücksichtigt und akzeptiert.

Wuppertal ist in NRW die erste Stadt, die ein solches Handlungsprogramm Brachflächen entwickelt hat. Haben Sie im Land mittlerweile schon Nachahmer gefunden? Denken Sie, dass ein solches Programm auch für andere Kommunen in NRW sinnvoll ist?

Volmerig: Auch andere Kommunen haben die Potenziale von Brachflächen erkannt. Hierbei liegt der Schwerpunkt aber häufig auf großen industriellen Brachen. Die Besonderheit in Wuppertal ist, dass auch kleine Flächen aller Nutzungsarten erfasst wurden. Von der aufgegebenen Schule, über kleinere innerstädtische Fabrikstandorte bis hin zu nicht mehr benötigten Verkehrsflächen. Dadurch ist das Spektrum sehr viel breiter. Hinzu kommt, dass auch die Bürger unserer Stadt durch die Verwaltung aufgerufen wurden, untergenutzte Flächen zu nennen. Dadurch ist das Thema noch breiter verankert. Hier hat Wuppertal eine Pionierfunktion übernommen.

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