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Die Kriminalitätsstatisik in Wuppertal: Eine Macht der Zahlen

Offen gesagt : Die Macht der Zahlen

Wuppertal ist eine sicherere Stadt, sagt die Polizei. Und diese Aussage wird auch Einfluss auf die Kommunalwahl im September haben.

In Zeiten wie diesen ist es noch wichtiger, gute Nachrichten als solche zu propagieren. In dieser Woche hat es gute Nachrichten gegeben. Auch im Bergischen Land, auch in Wuppertal. Sie kamen von der Polizei, und sie lauteten: das Bergische Land ist sicher. Die Zahl der Straftaten geht zurück. Das ist wichtig zu wissen, wenn innere Sicherheit ein Topthema ist, das viele Menschen umtreibt. Es ist besonders wichtig in einem Jahr, in dem eine Wahl ansteht, eine Kommunalwahl sogar.

Im September bestimmen die Bürger auch in Wuppertal, mit welcher Politik die Geschicke der Stadt in den nächsten fünf Jahren gestaltet werden sollen, und sie entscheiden, wer an der Spitze dieser Stadt stehen soll. Sie entscheiden darüber, welche Frauen und Männer, welche politischen Strömungen im Stadtrat Wuppertals vertreten sein werden. Deshalb ist die Nachricht aus dem Polizeipräsidium bedeutsam. Deshalb ist sie bemerkenswert und sollte auch von jenen wahrgenommen werden, die heute das Wuppertal von morgen planen.

Die Zeiten sind schwierig, weil Fakten es nicht leicht haben. Dass Polizeipräsident Markus Röhrl den Unterschied von statistischer und gefühlter Sicherheit anspricht, ist eine Mahnung an alle, die Städte gestalten. Die Zahlen können noch so sehr belegen, dass Wuppertal eine sichere Stadt, dass die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, gering ist, deutlich geringer als beispielsweise in Düsseldorf und Köln. Die Wahrnehmung vieler Menschen scheint eine andere zu sein. Blicke in die Sozialen Netzwerke genügen, um diesen Eindruck zu gewinnen. Die Interpretation des Alltags reicht bis hin zu Verschwörungstheorien und sind Wasser auf die Mühlen jener, die mit einer vielfältigen Gesellschaft nichts im Sinn haben. Gerüchte, Behauptungen und Gefasel tragen dazu bei, dass Kräfte stärker werden, die nichts Gutes im Schilde führen. Noch spielen diese Zerstörer im Stadtrat keine Rolle. Aber das kann sich ändern. Der Zeitgeist hat braune Flecken.

Damit die nicht größer werden, müssen Politik und Verwaltung Schlüsse aus der Diskrepanz zwischen tatsächlicher und empfundener Sicherheit ziehen. Dazu ist es hilfreich, bisweilen auf die ausgezeichnete Polizeiarbeit im Bergischen Land hinzuweisen. Die Akteure dürfen gleichzeitig nicht länger die Augen davor verschließen, dass an manchen Stellen in Wuppertal das Gefühl von Unsicherheit wächst, wenn der Tag fortgeschritten ist. Der Hinweis des Polizeipräsidenten auf Jugendbanden ist alarmierend, und viel zu oft entsteht beispielsweise in Elberfeld der Eindruck, dass diese Gruppen den Döppersberg längst erobert haben.

Dagegen ist ein Kraut gewachsen. Es heißt soziale Kontrolle. Die entsteht zum einen durch Polizeipräsenz, in der Hauptsache aber dadurch, dass sich eben nicht nur vermeintlich oder tatsächlich Kriminelle, Drogen- oder Alkoholabhängige an einem Ort aufhalten. Deshalb müssen Stadtrat und Verwaltung es sich zur Aufgabe machen, die Aufenthaltsqualität zum Beispiel am Döppersberg, aber auch am Berliner Platz und andernorts in der Stadt zu erhöhen. Mehr Sozialarbeit, mehr Licht, mehr Sauberkeit, mehr Ambiente, wertiger Einzelhandel erzeugen mehr Flaneure. Und die zeigen den vermutlich eher wenigen tatsächlich Kriminellen auf Wuppertals Straßen, dass sie diese Stadt und ihre Plätze niemals werden erobern können.

Es geht um Vertrauen, um Wohlfühlen und darauf, das Verlass ist auf Staat und Behörden. Beides kann in einem Wahljahr helfen, den Stadtrat von Populisten zu verschonen.