Die IHK Wuppertal und Jörg Heynkes werden keine Freunde mehr

Offen gesagt : Feindschaftspflege

Die Geschichte eines Missverständnisses ist um ein Kapitel reicher geworden. Es geht um den Gruselroman „Jörg Heynkes und die Bergische IHK“, ein Ladenhüter, wie er im Buche steht. Aber einer der Hauptdarsteller platziert ihn immer wieder ganz vorn im Regal, vor allem dann, wenn er gerade anhob, schlicht und einfach vergessen zu werden.

„Schwamm drüber“ gibt es bei dieser Posse nicht. Dabei hätte die staatlich verordnete Lobbyvereinigung für die Wirtschaft im Bergischen Land sicher Wichtigeres zu tun, als sich an einem ihrer Vizepräsidenten abzuarbeiten. Aber Präsident und Hauptgeschäftsführer setzen andere Prioritäten. Statt Jörg Heynkes und sein Facebook-Fußvolk in die digitale Datenwüste ziehen zu lassen, gibt die Industrie- und Handelskammer mit unschöner Regelmäßigkeit neuen Grund, sich über sie aufzuregen. Und darauf versteht Heynkes sich. Niemand in Wuppertal echauffiert sich so professionell wie der Macher der Villa Media. Niemand ist mit Daumen hoch und Daumen runter so versiert wie der Nero des virtuellen Stammtisches. Und niemand ist so ungeschickt wie die IHK, weil niemand so blind ins Messer rennt wie die professionellen und ehrenamtlichen Vertreter des Parlamentes der Wirtschaft. Mal geben sie Anlass zum Ärger, weil sie sich zu nichts klar äußern, mal gießen sie in der Outlet-Frage Öl ins Bergische Feuer, wo Löschdecken hilfreich wären, und mal vertreten sie Positionen, die dermaßen unhaltbar sind, dass einer wie Jörg Heynkes sich vor Freude auf die Schenkel schlägt. Letzteres war in der jüngsten Vergangenheit der Fall. Da hatte die Bergische IHK einen genialen Einfall, wie drohende Fahrverbote für Dieselautos in Wuppertal ganz einfach zu verhindern wären: Grenzwerte rauf, dann sind alle Autos sauber und muss kein Unternehmer seinen Stinker vor den Toren der Stadt stehen lassen. Alle Achtung. Das ist moderne Umwelt- und Verkehrspolitik. Auf diesem Wege lassen sich auch andere Ärgernisse beseitigen. Ohne Steuern keine Steuerhinterzieher, ohne Tempolimits kein Raser, ohne Strafgesetzbuch keine Kriminellen. Was könnte das für ein friedliches Land sein, wenn nur die Lenker der Bergischen IHK das Sagen hätten. Ironie Ende. Jörg Heynkes hat auch nicht gelacht.

Der Mann vom Arrenberg neigt ohnehin mehr zum Wettern, gern gegen die IHK, der er als Unternehmer zwangsweise und als Vizepräsident ehrenamtlich freiwillig angehört. Der Kammer hat er nun ins Stammbuch geschrieben, in der Fahrverbotsfrage das Geschäft der Täter zu betreiben, also der Autokonzerne, die mit Schummelsoftware schmutzige Diesel auf sauber schminken. Das sei ja eine Bankrotterklärung. Das ist in der Wortwahl zwar typisch Krawall-Arrenberger. In der Sache aber ist es leider nicht ganz falsch.

Die IHK ist mit ihrem bahnbrechenden Vorschlag auf dem Holzweg. Die Grenzwerte einfach zu erhöhen, ist eine irre Idee, die nur auf der zynischen Erkenntnis fußen kann, dass an der Gathe, wo Wuppertal die Luftqualität misst, kein IHK-Klientel angesiedelt ist. Dumm ist nur, dass alle anderen im Tal dieselbe Luft atmen wie die Wuppertaler an der Gathe.

Abgesehen davon, dass diese Luft dank höherer Grenzwerte nicht besser, sondern schlechter wird, ist die Ursache allen Übels damit auch nicht bekämpft. Es sind schlicht zu viele Autos auf der Straße, es gibt zu viele Lieferverkehre und zu wenige Alternativen zur individuellen verbrenner-motorisierten Fortbewegung. Damit Wuppertal nicht an Auspuffgasen erstickt, müssen jetzt endlich neue Nahverkehrskonzepte her. Es ist ein Skandal, dass daran seit mehr als 20 Jahren nicht gearbeitet wurde. Die Stadt mit Oberbürgermeister Andreas Mucke an der Spitze ist jetzt dringend aufgefordert, ein funktionierendes Miteinander von Auto, Bus, Schwebebahn und Fahrrad mit Schusters Rappen zu organisieren. Dabei kann die IHK ganz bestimmt helfen. Und dann wäre vermutlich sogar der zornige E-Mobilist vom Arrenberg davon zu überzeugen, dass analog miteinander zu debattieren besser ist, als digital auf alles und jeden zu schimpfen.