Die Färberei in Wuppertal steht allen Menschen offen

Jubiläum : Die Färberei ist für alle Menschen offen

Das Zentrum ist seit 25 Jahren ein fester Anlaufpunkt für die Anwohner in Oberbarmen.

Als die ehemalige Färberei 1994 als „Kommunikationszentrum für behinderte und nichtbehinderte Menschen“ eröffnet wurde, war das integrative soziokulturelle Zentrum einzigartig in seiner Ausrichtung. „Das Spezielle ist, dass wir sehr unterschiedliche Menschen im Haus haben“, sagt die Leiterin Iris Colsman. Einerseits bietet die Färberei Beratung, Begleitung und Freizeitangebote für Menschen mit Beeinträchtigungen; andererseits will sie ein fester Anlaufpunkt für Menschen aus dem Stadtteil sein. „Wir versuchen das Stadtteilzentrum so vielseitig wie möglich zu machen.“

Für die Anwohner in Oberbarmen ist vor allem das noch relativ neue Café ein wichtiger Ort: Dort gibt es jeden Mittag ein leckeres und schmackhaftes Tagesgericht zum kleinen Preis, aber auch Spielerunden, Stammtische und Ausstellungen. Wer will, kann auch ohne Bestellung in dem lichtdurchfluteten Raum sitzen und vielleicht in einem Buch aus dem Tauschregal schmökern.

Sehr viele Wuppertaler kennen die Färberei als Veranstaltungsort: Im Saal findet ein buntes Kulturprogramm statt mit rund 60 Veranstaltungen im Jahr. Brenda Boykin tritt regelmäßig dort auf, Folk- und Jazzkonzerte sind ebenso zu erleben wie Theaterstücke und Kabarettisten. Vormittags mieten Firmen und Institutionen den Saal gerne für Workshops oder Fortbildungen, abends Vereine für Vorträge.

Es gibt drei größere Beratungsangebote

Viele Selbsthilfegruppen nutzen die Räume der Färberei für ihre Treffen: Ob bei MS, Adipositas, Krebs oder Lebertransplantation – Vereine und Gruppen wissen Rat. Der Weiße Ring, VDK und Behindertenorganisationen sind mit ihren Ansprechpartnern regelmäßig zu Gast. Die 15 festangestellten Mitarbeiter der Färberei kennen sich gut mit allen Belangen rund um Beeinträchtigungen aus und wissen häufig, an wen sich Betroffene mit speziellen Fragen wenden können. Außerdem geben sie die wichtigen Euroschlüssel aus. Sportangebote sowohl für Menschen mit Beeinträchtigungen als auch allgemeine Entspannungs- und Bewegungskurse gehören ebenfalls zum Programm.

Darüber hinaus gibt es in der Färberei drei größere Beratungsangebote: Die Kokobe – Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit einer geistigen Behinderung – hilft Betroffenen und deren Angehörigen bei allen Fragen rund um Wohnen und Freizeit. Sie organisiert auch die monatliche Single Party, einen Kaffeeklatsch für Senioren und diverse Ausflüge. Eine psychologische Beratung für Menschen mit Lernschwierigkeiten steht diesen insbesondere in Umbruchsituationen zur Seite, etwa beim Umzug in die erste eigene Wohnung oder nach einer Trennung. Die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung EUTB hat Antworten auf alle Fragen rund um Rehabilitation und Teilhabe.

Neben dem „Mutterhaus“ am Peter-Hansen-Platz hat die Färberei inzwischen eine Zweigstelle an der Wichlinghauser Straße 38, die als „Vereint(t) in Wuppertal“ vor allem als Raum für Migrantenselbstorganisationen dient. Außerdem gibt es in Düsseldorf das „Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben“. Finanziert wird die Färberei über einen Restkostenzuschuss der Stadt Wuppertal sowie Fördermittel von Land, Bund und EU. „Davon kann ich allerdings das Grundteam nicht auskömmlich bezahlen“, bedauert Iris Colsman. Die Mittel bleiben angesichts steigender Kosten immer knapp. In vielen Bereichen helfen Ehrenamtler, insbesondere bei Sprachkursen für Geflüchtete und bei der Organisation von Events. So fühlen sich viele Menschen bei der Färberei als Zentrum für Integration und Inklusion gut aufgehoben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung