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Die Elberfelder City ist leergefegt — der Handel muss ins Netz

Einkaufen : Elberfelder City ist leergefegt – der Handel muss ins Netz

Die Passantenströme sind zum Erliegen gekommen. Die Geschäfte hoffen auf Soforthilfe — und ein Ende der Auflagen.

46364, 34480, 34618 und 43078: Soviele Passanten waren jeweils an den Samstagen vom 14. Februar bis 7. März in der Elberfelder City unterwegs — vor Corona. Danach ging es abwärts, wie die Werte, die auf der Homepage von Hystreet.com nachzulesen sind, zeigen. 29364 Menschen zählte der Laserscanner an der Poststraße immerhin noch am 14. März. Die beiden Samstage danach schlugen aber nur noch mit 5984 und 6513 zu Buche. Für den Zeitraum vom 16. Februar bis 7. März waren es insgesamt 542 646 Menschen — die drei Wochen danach 299 373. Das Gerät von Hystreet an der Poststraße ist das einzige in Wuppertal, das kontinuierlich zählt. An anderen Standorten würde es aber ähnlich aussehen. „Die Stadt ist relativ tot“, sagt Thomas Pusinelli.

Der Händler musste sein Schmuckgeschäft „Lichtblick“ in den City-Arkaden bereits Mitte März schließen. Mehrmals täglich pendelt er aber zu Fuß zwischen seiner Wohnung am Kasinokreisel zum Laden, um Sendungen vorzubereiten. Sein Eindruck: „Die Straßen sind leer.“ Also genau das, was durch die Corona-Auflagen erreicht werden sollte. Größere Ansammlungen von Leuten hat Pusinelli nach eigener Aussage seit dem Inkrafttreten des Kontaktverbotes bislang kaum noch gesehen.

Geöffnet haben noch einige Läden in der City. Vornehmlich für Lebensmittel, aber auch Apotheken oder einige Optiker und Hörgeräte-Akkustiker. „Aber es ist nur Notdienst“, betont Matthias Zenker von „Brillen Arlt“. Seine Geschäftszahlen seien deshalb überhaupt nicht vergleichbar mit denen vor Corona. Zenker ist allerdings auch Vorsitzender der IG 1, der Elberfelder Händlergemeinschaft, und weiß: Anderen geht es noch deutlich schlechter.

Zenker kritisiert Entscheidung
von Adidas & Co.

Marco Trienes, bei der Wuppertaler Wirtschaftsförderung für das Thema Einzelhandel zuständig, spricht von einer „symmetrischen Krise“. Das heißt, praktisch alle Branchen sind betroffen. Aktuell mache nur der Lebensmittelhandel gute Umsätze. Angesichts von Hamsterkäufen und oftmals Stress in den Geschäften „muss ich vor den Mitarbeitern vor Ort den Hut ziehen“, sagt Trienes.

Der Rest des Handels, egal ob inhabergeführt oder Filialist, und vor allem der Gastro-Bereich müssten dagegen schauen, wie sie sich aufstellen – und müsse sich auch mit anderen, eher ungewohnten Fragen beschäftigen, seien es Anträge für Zuschüsse oder das Thema Kurzarbeit bei den Mitarbeitern. Was das Geschäft angeht, sei in der Not Kreativität gefragt. Laufkundschaft gibt es nicht, der Verkauf ist nur über Versand möglich. Stationärer Handel wird gezwungenermaßen zu Online-Handel. Ob der eigene Web-Shop, Online-Verkaufsportale, Facebook — wer vorher schon im Netz aktiv war, habe es einfacher, sagt Trienes.

Auch Online-City, der digitale Marktplatz für Wuppertal, der – wie Kritiker sagen – bislang nie so richtig aus den Startlöchern kam, könnte für viele jetzt eine Option sein. Aktuell bietet das Portal Gratis-Mitgliedschaften für Händler an, um sich und ihre Waren im Internet zu präsentieren. Doch Präsenz im Netz helfe auch nicht allen, sagt Zenker.

Leerstände habe es im Bereich Poststraße schon vor Corona gegeben. Aktuell tun sich viele Händler schwer. Die Soforthilfeprogramme des Landes seien deshalb wichtig. Und natürlich seien viele Mieter im Gespräch mit den Eigentümern. Es gehe um Stundungen der Mieten, betont er. Nicht um einseitige Entscheidungen. Dass die „Großen“ wie Adidas und Deichmann nicht mehr zahlen wollen, „ist kein gutes Zeichen für die kleinen Einzelhändler“, sagt Zenker, der sich Solidarität auf beiden Seiten wünscht.

Ein Lob spricht Zenker in Richtung Polizei und Ordnungsamt aus. Beide würden vor allem auch die Corona-Auflagen überwachen, Probleme etwa mit „Gruppen“ gibt es deshalb nicht. Doch wie lange werden die Einschränkungen noch andauern? Unsicherheit sei immer eine Gefahr für die Wirtschaft, erklärt Trienes.

Auch der IG-Vorsitzende Zenker will keine Prognose wagen, auch nicht, wie es danach weitergeht. „Ich glaube nicht, dass die Leute dann in die Innenstadt stürmen und sich als erstes Schmuck kaufen werden“, sagt Pusinelli. Trienes setzt dagegen auch auf ein Maß an Solidarität. „Ich habe die Hoffnung, dass der Wuppertaler dann ein Gespür dafür hat, bewusster einzukaufen und vor allem lokal aktiv zu werden.“