Die Draisinen-Saison ist in Wuppertal eröffnet

Saisoneröffnung : Die Draisinen-Saison ist eröffnet

Verein Wuppertrail wächst seit Jahren kontinuierlich. Die Erlebnisfahrten kommen gut an.

. Es ist eine fröhliche kleine Gruppe, die sich vor dem Regen erst mal unter die Brücke gegenüber der Eisdiele gestellt hat. Armin Barg, Vorsitzender des Vereins Wuppertrail, begrüßt die Gäste, die zur Eröffnung der Draisinen-Saison an die Gleise gekommen sind. Michael Scholten und Ulrike Hallen-Scholten tragen weite Fahrradcapes. Ihrem Neffen Lukas haben sie eine ordentliche Regenjacke geliehen. Sie strahlen wie die Sonne, die über den Wolken sein muss. „Wir wollten schon im vergangenen Jahr mitfahren“, sagt sie. „Aber da haben wir keinen Platz mehr bekommen. Jetzt hat es endlich geklappt.“

Zwei Draisinen reichen also. Beide haben jeweils zwei Plätze, auf denen man in die Pedalen treten kann. Es gibt noch eine kurze Einführung über Sicherheitsabstand und Bremswege. Dann steigen Armin Barg und Dennis Jaroschek mit auf - los geht es.

Es tritt sich erstaunlich leicht. Über die erste Brücke geht es, am Stausee entlang. Dann immer die Wupper hinauf. Wildgänse am Ufer recken neugierig die Hälse, was da wohl angerattert kommt. Die Schwäne, Enten und Teichhühner lassen sich nicht stören. Man kann feuchte Erde riechen. Oder frisches Holz, wo an der Strecke gefallene Bäume oder Äste zersägt wurden.

Schnell kommt man mit seinem Nachbarn ins Gespräch. Michael Scholten tritt routiniert in die Pedalen. „Wir haben früher viele Touren mit dem Rad unternommen. Sind Flüsse entlang gefahren, von der Quelle bis zur Mündung.“

Die erste Straße kreuzt. Was jetzt kommt, hat Jaroschek vorher erklärt. Bremsen – Achtung, die Schienen sind nass, längerer Bremsweg. Halten. Jaroschek steigt ab, sichert die Überfahrt mit einer Fahne ab. Drüberfahren, halten. Jaroschek steigt auf. Bis Radevormwald wird das Routine geworden sein. Tatsächlich kreuzen einige Autos die Gleise. Einmal auch ein Mann mit seinem Mops.

Auf der Rückfahrt fliegt man nahezu durch den wald

Was sind das für Schienenteile, die wie eine Weiche aussehen? Das seien Seitenstabilisatoren, erklärt Barg. Die halten ein Fahrzeug, das schnell in die Kurve geht. Was sich aber auf frühere Güterzüge bezieht. Auf der Draisine kann man noch so sportlich treten, die bleibt so auf der Schiene. Apropos treten – die eine oder andere Steigung ist schon dabei. „Aber das haben bisher so gut wie alle geschafft“, sagt Barg. Wir wollen auch dazu gehören und geben uns Mühe. Und ja, auch wir haben die rund zweieinhalb Stunden gut durchgehalten. Auch weil man bei der etwas ambitionierteren Steigung schon an die Rückfahrt denken kann.

Die später runter zu rauschen, macht besonders Spaß. Man fliegt geradezu durch den Wald. Der jetzt noch keine Blätter trägt und dafür um so mehr den Blick auf die Wupper ermöglicht. Auf Schieferhäuser und alte Fabriken. Barg weiß eine Menge über die Gegend zu erzählen. Seine Gäste, die aus Düsseldorf gekommen sind, hören interessiert zu.

Bahnhöfe werden passiert. Dahlhausen etwa, wo der Verein Wupperschiene seine Loks und Wagons parkt. Oder Wilhelmsthal, wo die Tour an ihren Wendepunkt gelangt. Die Draisinen werden gewendet, und es geht zurück nach Beyenburg.

„Rund 6500 Gäste sind in der vergangenen Saison mitgefahren“, sagt Barg. „Und mehr als 40 Hunde.“ Der Verein geht in sein zehntes Jahr. „Seit 2015 haben wir eine Steigerung von 15 bis 20 Prozent jedes Jahr.“ Das ist auch das Jahr, seit es das Beratungstelefon gibt. Monika Zierden hat es sieben Tage die Woche dabei, um Fragen rund um die Touren zu beantworten. Gebucht wird über das Netz. Aber dort kann man zum Beispiel auch erfragen, was man noch sehen und unternehmen kann. Denn die Gäste kämen aus einem Umkreis von rund 150 Kilometern. Aber auch Australier, Kanadier und Taiwanesen waren schon da.

Gefahren wird bei fast jedem Wetter. Und ja – auch bei Regen ist das ein Erlebnis.