Jobwechsel in Wuppertal Kindheitstraum Kraftfahrer erfüllt sich in der Corona-Krise

Wuppertal · Der Wuppertaler Markus Zöllner war lange selbständig in der Veranstaltungsbranche tätig. Nun macht er einen LKW-Führerschein, um Kraftfahrer zu werden.

 Berufswechsler Markus Zöllner war selbstständig in der Eventbranche und macht jetzt einen LKW-Führerschein.

Berufswechsler Markus Zöllner war selbstständig in der Eventbranche und macht jetzt einen LKW-Führerschein.

Foto: ANNA SCHWARTZ

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie berühren unterschiedliche Lebensbereiche. Für viele Menschen war der Verlust des Arbeitsplatzes eine Folge. Die Veranstaltungsbranche ist besonders stark betroffen. Messen und Festivals konnten nicht stattfinden, der Betrieb in Musikclubs und Konzerthallen ruht weitgehend. Eine schwierige Situation für alle, die in diesem Sektor ihr Geld verdienen.

Markus Zöllner aus Wuppertal arbeitete sieben Jahre lang als Selbstständiger in der Veranstaltungsbranche, coronabedingt möchte er nun ans Steuer eines LKW wechseln und bei einer Spedition arbeiten. Als Veranstaltungstechniker war Zöllner auf Events unterschiedlichster Größenordnung im Einsatz, „von der Firmenfeier bis zum Kongress“. Auch bei großen Konzerten von AC/DC oder Festivals wie „Rock am Ring“ half er beim Auf- und Abbau.

2019 hatte Zöllner mit dem Fahrrad den Iran bereist, war dabei in Spionageverdacht geraten und für drei Monate im Gefängnis gelandet (die WZ berichtete). „Als ich wieder hier war, kam Corona“, sagt Zöllner, der am 19. Februar 2020 zurück in Wuppertal war, kurz vor dem ersten Lockdown. Zunächst hatte er noch die Hoffnung, dass die Corona-Situation bald überstanden sei, doch nach einigen Monaten ohne Aufträge meldete er schließlich sein Gewerbe ab und fing kurz vor dem Weihnachtsgeschäft eine befristete Tätigkeit als Fahrer bei DHL an. In dieser Zeit reifte der Plan, als Kraftfahrer bei einer Spedition anzufangen. „LKW zu fahren, war immer ein Kindheitstraum von mir“, so Zöllner, der die Situation als Chance begriff. Da sein Wunschbetrieb einen LKW-Führerschein voraussetzte, wandte sich Zöllner, zu der Zeit Empfänger von ALG II, ans Jobcenter Wuppertal. Da er nachweisen konnte, eine Anstellung bei Vorlage des Führerscheins zu bekommen, übernahm das Jobcenter die Kosten, die im Bereich von 8000 Euro liegen.

Zöllner erwartet „mehr Fahrerei und weniger Schleppen“

Seit Anfang Mai besucht Zöllner daher regelmäßig die Fahrschule. Als erstes muss er durch eine Prüfung bei der IHK die sogenannte „Grundqualifikation“ erwerben, eine Voraussetzung, um im gewerblichen Güterverkehr tätig sein zu können. Im Anschluss warten die theoretische und praktische Führerscheinprüfung. „Ich hoffe, dass ich in vier Monaten damit fertig bin“, sagt Zöllner. Dann möchte er für seinen neuen Arbeitgeber durch ganz Deutschland fahren. „Vorher hatte ich auch viel Reisetätigkeit“, so Zöllner. Es sei zudem üblich, dass man als Fahrer einer Spedition auch beim Ausladen helfe. „Im Grunde ist es ähnlich wie früher, nur mehr Fahrerei und weniger Schleppen“, fasst Zöllner zusammen. Den Wechsel aus der Selbstständigkeit in eine Festanstellung begrüßt er, da diese mehr finanzielle Sicherheit böte. Der größte Unterschied zwischen altem und neuem Beruf besteht für den Musikfan darin, dass er früher bei der Arbeit auf Konzerten und Festivals öfter die Gelegenheit hatte, sich zwischen Auf- und Abbau Bands anzusehen. Sein langfristiges Ziel ist daher, irgendwann bei einer Spedition zu arbeiten, die sich auf Konzert-Tourneen spezialisiert.

Mit dem Jobwechsel scheint Zöllner in seiner Branche nicht allein. „Die Abwanderung von spezialisierten Fachkräftigen, die bisher in der Veranstaltungsbranche arbeiten, ist aufgrund des für unseren Wirtschaftszweig nun seit über einem Jahr bestehenden faktischen Lockdowns erheblich“, sagt Prof. Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. Zumeist seien es Solo-Selbständige, von denen sich viele gezwungen sahen, in von der Corona-Krise nicht so zentral betroffene Wirtschaftsbereiche abzuwandern, so Michow. „Die Spezialkräfte fehlen der Branche heute. Ich höre bereits von vielen Mitgliedsbetrieben, dass sie verzweifelt versuchen, diese Lücke irgendwie zu schließen.“

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