Die Bürgerbeteiligung trägt in Wuppertal-Elberfeld viele Früchte

Spurensuche : Die Bürgerbeteiligung trägt in Elberfeld viele Früchte

Die Stabsstelle der Verwaltung präsentierte auf einem Rundgang, welche Projekte im Stadtteil schon umgesetzt werden konnten.

Bürgerbeteiligung bleibt in Wuppertal ein großes Thema. Zuletzt hat die Stadt beschlossen, die Bürger in die Diskussion um den kommunalen Haushalt einzuschalten. Gleichzeitig prägen Beteiligungsprojekte das Leben im Quartier. Zu einem Rundgang durch Elberfeld lud das Team der Stabsstelle Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement ein – im Rahmen des VHS-Programms „Bürger*innen aktiv“. Vor Ort informierten Laura Adam und Clara Utsch über laufende und bereits abgeschlossene Projekte.

Der Treffpunkt Mirker Bahnhof war natürlich mit Bedacht gewählt. Hier wurde bei Workshops im Juli und August über die Umgestaltung des Vorplatzes gesprochen. Ihre Vorschläge konnten die gut 50 Bürger direkt in den Planentwurf einzeichnen. Am Ende war man sich einig, dass das Areal autofrei werden müsse. „Man kriegt keine Fördermittel für einen Parkplatz“, stellte Clara Utsch fest. Und diese Mittel braucht es, wenn Ende des Jahres die Renovierung des Bahnhofsgebäudes beginnen soll. Zuhörer Udo Holthaus war klar, dass Parkplätze in der Nordstadt schon jetzt dünn gesät sind. Andererseits: „Die Schönheit des Platzes muss auch zum Tragen kommen.“ Utsch erwähnte weitere Maßnahmen. Die mächtige alte Kastanie bleibt erhalten. Doch dafür werden andere Bäume gefällt. Zum Ausgleich will die Stadt neue Bäume pflanzen.

Nicht alle Bürgerbudget-Ideen sind am Ende auch umsetzbar

Unterhalb des Mirker Bahnhofs sprach Laura Adam über ein Beteiligungsverfahren des vergangenen Jahres. Damals stand die Entscheidung an, ob die Neue Friedrichstraße als Einbahnstraße für Radfahrer freigegeben oder in eine Fahrradstraße umgewandelt wird. „Wir wollen, dass jeder beteiligt ist und dass alles mitbedacht wird“, betonte Adam. Deshalb diskutierten Bürger aus der Sicht unter anderem von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Besuchern – und sprachen sich für eine Fahrradstraße aus. Bis zu deren Fertigstellung wird es allerdings noch etwas dauern. Die WSW gehen vom Jahr 2021 aus.

Den Weg entlang der Diakoniekirche nutzten Adam und Utsch für einen aktuellen Hinweis auf das Bürgerbudget. Noch bis 18. September können Wuppertaler über Projektideen entscheiden, für die 165 000 Euro zur Verfügung stehen. Vor zwei Jahren gehörte das urbane Gärtnern zu den Gewinnern, und davon zeugen die Pflanzenbeete rund um das Kirchengebäude.

Auch die Begegnungsstätte Alte Synagoge hat vom Bürgerbudget 2017 etwas gehabt, und so konnten sich die Teilnehmer des Rundgangs über eine Gratisführung mit Ulrike Schrader freuen. Die Leiterin der Begegnungsstätte zeigte das Ausstellungsmodul, das aus den Mitteln für ein Projekt gegen Rassismus und Antisemitismus finanziert worden ist. Hinter Klapptafeln mit Schlagworten wie „Geld“ oder „Israel“ standen Fakten, die antisemitischen Vorurteilen widersprechen.

Nicht alle Bürgerbudget-Ideen haben sich umsetzen lassen. Das Projekt „Autofreie Luisenstraße“ stieß in der Bezirksvertretung Elberfeld auf deutlichen Widerstand. Um die Situation zu klären, startete die Stabsstelle ein Bürgerbeteiligungsverfahren unter der Überschrift „Zusammenleben im Luisenviertel“. Die Autos wurden nicht aus der Luisenstraße verbannt. Ein positives Ergebnis der Diskussion ist für Clara Utsch auf jeden Fall das „Psst!“-Banner, das in der Straße hängt – eine Bitte an alle, das Ruhebedürfnis der Anwohner zu respektieren.

Vor der Volkshochschule in der Auer Schulstraße baten Adam & Co. um ein kurzes Feedback. „Interessant“ fand Ursula Dörner den Rundgang. „Ich wusste nicht, wie viel in Wuppertal gemacht wird.“ „Die Art, wie Sie das vorgestellt haben, hat mir sehr gut gefallen“, meinte Udo Holthaus.

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