Die Baubranche lässt das Konjunkturbarometer steigen

Konjunkturumfrage : Die Baubranche lässt das Konjunkturbarometer steigen

Wissenschaftler der Bergischen Universität legen Ergebnisse ihrer Konjunktur-Herbstumfrage vor.

Das Institut für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP) hat in dieser Woche das dritte Regionale Konjunkturbarometer für das Bergische Land veröffentlicht. An der Herbstumfrage nahmen 203 Unternehmen mit rund 18 500 Beschäftigten teil, was zur Freude der Wissenschaftler der Bergischen Universität eine erhebliche Steigerung der Teilnehmerzahl bedeutet. Dies erlaubt eine bessere Darstellung der bergischen Unternehmerlandschaft über verschiedene Sektoren, Beschäftigungsgrößenklassen und Wirtschaftsstandorte hinweg.

Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im Bergischen Städtedreieck weiterhin als hervorragend beurteilt. Lediglich 2,6 Prozent der befragten Unternehmen sind mit der momentanen Geschäftslage nicht zufrieden. Dennoch fällt die Lageeinschätzung schlechter aus als im Vorquartal, da ein größerer Anteil an Unternehmen die Lage nicht mehr als „gut“ sondern nur noch als „befriedigend“ einstuft. Diesen Trend hatte jüngst auch die Bergische Industrie- und Handelskammer bei ihrer Konjunkturumfrage in Wuppertal, Solingen und Remscheid ermittelt.

Eine Ausnahme bildet das Bauhauptgewerbe. Hier werde die Geschäftslage von den befragten Unternehmen ausnahmslos als „gut“ bezeichnet und übertreffe damit bei weitem die Lageeinschätzung aller anderen Branchen, heißt es im regionalen Konjunkturbarometer des WIFOP, für das Prof. André Betzer als wissenschaftlicher Leiter und Juniorprofessor Markus Doumet verantwortlich zeichnen. Die Entwicklung im Bauhauptgewerbe ist der Schwerpunkt des aktuellen Branchenreports, der die Daten des Konjunkturbarometers für diese boomende Branche anhand von Analysen und einem Interview einordnet.

Der Großteil der befragten Unternehmen erwartet in den nächsten sechs Monaten keine Verbesserungen. Im produzierenden Gewerbe geht man aufgrund der starken Exportabhängigkeit - in Wuppertal liegt der Exportanteil an den Industrieumsätzen bei 60 Prozent - sogar von einer rückläufigen Geschäftsentwicklung aus (minus 16,1 Prozent). Gründe für die zurückhaltende Bewertung sind der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die schleppenden Brexit-Verhandlungen und der Konfrontationskurs, den die italienische Regierung in der Auseinandersetzung über das italienische Haushaltsdefizit mit der EU-Kommission eingeschlagen hat.

Trotzdem weist der Saldo der Geschäftserwartungen über alle Branchen hinweg mit plus 13 Prozent ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartalswert auf. Die positiven Erwartungen des Bauhauptgewerbes (+20,5 Prozent), des Dienstleistungssektors (+27,4 Prozent) und des Handels (+29,4 Prozent), der auf eine Belebung durch das Weihnachtsgeschäft hofft, tragen zum verhaltenen Optimismus maßgeblich bei.

Unternehmen wollen
weitere Arbeitsplätze schaffen

Die befragten Unternehmen rechnen in den nächsten sechs Monaten mit einem weiteren Anstieg der Beschäftigungsquote. Vor allem im produzierenden Gewerbe (+42,1 Prozent), im Dienstleistungssektor (+33,5 Prozent) und im Handel (31,5 Prozent) wird mit weiteren Beschäftigungszuwächsen gerechnet. Im Bauhauptgewerbe ist hingegen nur noch mit einem geringen Anstieg der Beschäftigten zu rechnen. Der Bedarf an Facharbeitern sei dort momentan besonders hoch, die meisten Stellen können derzeit aber wegen des Mangels an Fachkräften nicht besetzt werden.

Die Hälfte aller Unternehmen (51,4 Prozent) haben derzeit offene Stellen für Fachkräfte ausgeschrieben. Die überwiegende Mehrheit (90 Prozent) der Firmen hat aber Probleme, diese mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Neben der Gefahr von Exportrückgängen aufgrund der weltpolitischen Unwägbarkeiten stellt der anhaltende Fachkräftemangel für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen im Bergischen Städtedreieck eine wachsende Herausforderung dar. Mit 7,9 Prozent fiel die Arbeitslosenquote in Wuppertal im Monat Oktober trotzdem so niedrig aus wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.