1. NRW
  2. Wuppertal

Kinderbetreuung in Wuppertal: Die Angst, keinen Kita-Platz zu haben

Kinderbetreuung in Wuppertal : Die Angst, keinen Kita-Platz zu haben

Familie Sesek ist nach Wuppertal gezogen und gab dafür einen Betreuungsplatz in Hilden auf. Jetzt bangt sie, ob Sohn Samuel (2) hier einen bekommt.

Die Eltern von kleinen Kindern, die gerade Post vom Stadtbetrieb Kindertagesstätten bekommen, dürfen sich meist freuen. Denn gerade läuft das Belegungsverfahren für das kommende Kitajahr. Wer einen Brief bekommt, hat meist auch einen Platz für sein Kind. Familie Sesek hat noch keinen Brief bekommen. Und wertet das als schlechtes Zeichen.

Die Familie macht sich Sorgen deshalb. Robert (35) und seine Frau Sonja (38) sind mit Sohn Samuel (2) Anfang des Jahres nach Wuppertal Cronenberg gezogen. Sie haben ein Haus gekauft, ganz in der Nähe einer Kita, mit der Hoffnung, dort dann auch einen Platz zu bekommen.

3000 neue Plätze in den vergangenen Jahren geschaffen

Aber das ist nicht so einfach. In Wuppertal ist der Mangel an Kitaplätzen seit Jahren nicht in den Griff zu kriegen. Die Stadt arbeitet nach Kräften dagegen an. Hat rund 3000 neue Plätze in den vergangenen Jahren geschaffen. Aber Zuwachs und Zuzug sind zu groß. Dazu kommen die fehlenden Erzieher, was teilweise dazu führt, dass neue Kitas nicht in voller Auslastung starten können – also nicht alle Plätze, die geplant sind, auch tatsächlich vorhanden sind. Der Stadt fehlen rund 1000 Betreuungsplätze.

Robert Sesek sagt, man habe ihnen zu verstehen gegeben, dass man in der Kita in der Nachbarschaft wohl keinen Platz für Samuel haben werde. Und dass es generell im Stadtteil schwer würde. „Man hat uns wenig Hoffnung gemacht.“

Die Seseks sind aber hartnäckig. Haben verschiedene Stellen der Stadt angeschrieben, unter anderen Oberbürgermeister Andreas Mucke, haben sich bei freien Trägern angemeldet und sogar als Plan B eine Tagesmutter ausfindig gemacht, die ihren bald drei Jahre alten Sohn ab Sommer aufnehmen würde – was eigentlich nicht vorgesehen ist, und deswegen von der Stadt abgelehnt worden sei.

Für die Seseks ist die Frage nach einem Kitaplatz existenziell. Robert Sesek erzählt, sie hätten in Hilden zur Miete gewohnt, hätten aber eine Immobilie kaufen wollen. Sesek kommt aus Wuppertal, auch seien die Preise hier günstiger. Da sei die Entscheidung schnell klar gewesen. Der Sohn wurde in Hilden für den kommenden Sommer aus der Kita abgemeldet, hier angemeldet. Und dann gingen die Sorgen los. Denn um die Immobilie bezahlen zu können, sind beide Eltern auf ihre Jobs angewiesen. „Dass einer von uns nicht arbeitet, ist keine Option“, sagt Sesek. Er wünscht sich da mehr Entgegenkommen von der Stadt.

Die Nähe ist ein wichtiger
Punkt wegen des Weges

Aber auch darüber hinaus hängt viel Lebensqualität an der Betreuung. „Ich kann hier nicht ankommen, bis das nicht geklärt ist“, sagt Robert Sesek. Die Familie könne sich nicht auf die Stadt einlassen – die Existenz hier sei ja nicht sicher. Gleiches gilt auch für Samuel, der bald drei Jahre alt wird. Sesek hofft vor allem für ihn, dass er einen Platz kriegt. Er soll ja Freunde finden, die am besten in der Nähe leben.

Nähe ist für ihn ein wichtiger Punkt, wegen des Umfelds, aber auch wegen der Wege. Sesek denkt, dass die Stadt auch an Nachhaltigkeit denken sollte, Fahrten vermeiden könnte, wenn Kinder in Kitas nahe dem Wohnhaus unterkämen. Sesek würde gerne sein zweites Auto verkaufen und mit dem Rad nach Hilden zur Arbeit fahren. Wenn Eltern für die Betreuung noch zig Kilometer durch die Stadt fahren müssten, sei doch keinem geholfen, findet er.

Michael Neumann, Leiter des Stadtbetriebs Tageseinrichtungen, will keine Einzelfälle kommentieren. Er weist aber darauf hin, dass das Belegungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Weil sich die Eltern - wie auch die Seseks – in drei städtischen Kitas und viele noch bei freien Trägern anmeldeten, werde erst etwa Mitte April klar, wer welchen Platz annehme. Generell gebe es Kriterien, nach denen die Plätze vergeben werden, etwa spiele das Alter des Kindes eine Rolle ebenso wie die Berufstätigkeit der Eltern.

Neumann erklärt, dass die Stadt die Entfernung zum Elternhaus nicht einberechne. „Häufig wünschen Eltern lieber einen Betreuungsplatz etwa in der Nähe des weiter entfernt liegenden Arbeitsplatzes“, sagt Neumann. Was relevant sei, sei die „Zumutbarkeit“ – dass der Weg nicht länger als fünf Kilometer oder 30 Minuten Fahrtzeit sei. Darauf achte die Stadt. Ob das dann dafür reicht, dass Robert Sesek sein Auto abschaffen kann, ist unklar. Aber eigentlich auch nicht mehr wichtig für ihn. „Am Ende sind wir nur froh, wenn Samuel einen Platz hat.“