Deutsche Bahn resigniert bei Taubenproblem am Wuppertaler Hauptbahnhof

Natur und Verkehr : Deutsche Bahn resigniert bei Taubenproblem am Wuppertaler Hauptbahnhof

Wartebereiche am Hauptbahnhof sind mit Kot und Federn übersät. Lösungen gibt es keine.

Es ist nicht zu übersehen: Am Hauptbahnhof gibt es ein Taubenproblem. Die Vögel fühlen sich an den Gleisen so richtig wohl, nisten und flattern über den Köpfen der Bahnreisenden. Und wie man auf dem Boden deutlich sieht, lassen sie nicht selten etwas in Richtung Fahrgäste fallen. Auch einige der Sitzgelegenheiten, gerade im Bereich der Gleise 2 und 3, sind mit verkrustetem Vogel-Kot überzogen.

„Da werde ich mich bestimmt nicht drauf setzen“, sagt Bahnkundin Anna Gräfe (54). Diese Sitze am Ende des Gleises nutze eh selten jemand. Die unappetitliche Optik mag seinen Anteil daran haben. Auch das Warte-Häuschen am Gleis 2/3 ist leer. Dieses lädt nämlich auch nicht zum Verweilen ein. Die Heizung an der Wand ist von unten bis oben befleckt. Im besten Fall hat jemand seinen Kakao dort ausgeleert.

Die Aufenthaltsqualität an den Bahngleisen ist nicht sehr hoch. Gerade im Kontrast zu der neuen Bahnhofsvorhalle und dem neuen Busbahnhof - beides von der Stadt gebaut - erinnert der Gang in den von der Bahn verwalteten Bereich des Hauptbahnhof zwangsweise zurück an Wuppertals Vergangenheit, als Neuankömmlinge die Stadt durch die sogenannte „Harnröhre“ betreten mussten.

Rudolf Freund (50) steht unter den gurrenden Tauben, die sich besonders gerne auf die Abdeckungen setzen, durch die bei der Bahn die Leitungen oberhalb des Bahnsteigs führen. Rechts und links neben ihm zeigen unzählige Kotflecken, dass das Warten an dieser Stelle mit Risiken verbunden ist. Freund zeigt sich aber unbeeindruckt: „Tauben gehören zu jeder Stadt dazu. Das ist normal.“ Fahrgast Anna Gräfe ist da vorsichtiger: „Ich achte schon darauf, wo ich mich hier hinstelle.“

Auch Spannnetze haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht

Der Bahn ist das Problem bekannt. „Es ist schwer, noch mit Einzelmaßnahmen dagegen anzukommen“, sagt ein Bahn-Sprecher. „Uns gehen langsam die Lösungen aus.“ Eine versuchte Lösung sind Spannnetze, die an den Gleisen 4 und 5 die Vögel von den höher gelegenen Konstruktionen fernhalten sollen. „Die Tauben suchen sich aber Alternativen“, heißt es von der Bahn.

Die finden sie auch. So sind die Netze an den übrigen Gleisen nicht zu finden. Und auch die Taubenabwehrspitzen, die an einigen Flächen des Bahnhofs angebracht sind, weisen Lücken auf, so dass die Vögel immer einen Platz zum Ruhen finden.

Gegenüber der WZ kündigte die Bahn an, auch noch das Gleis 1 in Kürze mit einem Spannnetz ausstatten zu wollen. Es gebe hingegen keine Pläne, die Gleise 2 und 3 zu schützen. Es sei zudem nicht möglich, größere Netze einzusetzen, die den kritischen Bereich unter den Leitungen schützen. Denn dann müsste man sich bei der Installation in den Gefahrenbereich der Leitungen bewegen. „Den Bahnverkehr für die Arbeiten ruhen lassen, möchte man auch nicht“, so der Bahn-Sprecher.

Auf dem Döppersberg kümmert sich die Stadt mit einem kreativen Lösungsansatz um das Taubenproblem. Das Wüstenbussardweibchen „Pille“ zieht regelmäßig seine Kreise im Zentrum der Stadt und soll die Tauben verscheuchen. Mit der Naturstein-Wand am neu gestalteten Döppersberg haben die Tiere jedoch wieder neue Nistplätze gefunden.

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