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Designer baut den Turbinen-Golf

Designer baut den Turbinen-Golf

Christian Ose hat aus dem Golf seiner Tante ein Unikat gemacht. Er hebt nicht ab, ist aber ein Hingucker.

Wuppertal. Er ist komplett verrostet, aber alles andere als eine Rostlaube. Der Golf von Christian Ose ist ein Geschoss. Mit den Turbinen auf dem Dach scheint er sogar Düsenantrieb zu haben. „Tatsächlich ist er damit sogar etwas langsamer“, sagt sein Besitzer. Er hat den Wagen von seiner Tante geerbt, war das Purpur-Rot Metallic jedoch bald leid.

Kurzerhand beschloss der Designer, aus dem Fahrzeug ein Unikat zu machen. „Mir schwirrte schon lange die Idee durch den Kopf, mit einem Exponat auf mich aufmerksam zu machen“, berichtet der Ronsdorfer. Er konstruiert im Kundenauftrag Ausstellungsstücke für Messen, gestaltet Objekte für Künstler oder baut für Museen Exponate detailgetreu nach. „Im Prinzip schaffe ich Dinge, die es noch nicht gibt oder die schwer zu beschaffen sind“, sagt der 57-Jährige. Gerade bastelt er an einer Schreibkugel, einem Vorläufer der Schreibmaschine, die voll funktionsfähig sein soll.

Für eine Pferdekopfpumpe, die wie ein alterndes Stahlkoloss wirken sollte, sammelte er erste Erfahrungen mit Rostfarbe. „Anstelle von Pigmenten enthält sie Metallteilchen und die oxidieren an der Luft.“ Spontan probierte Christian Ose den Effekt auf der Heckklappe seines Autos aus. „Danach gab es kein Zurück mehr“, betont der Ronsdorfer. Mit Pinsel und Rolle ließ er nach und nach den gesamten Golf rosten. „Der Lack darunter bleibt unbeschädigt.“ Die Rostschicht wirkt wie ein Schutzschild. „Sie ist kratzfest und in die Waschanlage muss ich auch nicht mehr — der Wagen ist einfach nicht mehr schmutzig.“

Mit viel Liebe zum Detail trieb Christian Ose sein Projekt Stück für Stück auf die Spitze. Rund 600 Gummipfropfen erwecken den Eindruck von genieteten Stahlplatten, die Kennung ST 37 auf der Motorhaube verweist auf die Stahlsorte und eine Hersteller-Plakette ziert die Turbinen. Sie wirken hochprofessionell und sind doch nicht viel mehr als heiße Luft. „Sie sind fantasievolle Attrappen, die möglichst kompliziert aussehen sollen. Es haben mich aber schon einige Leute gefragt, ob sie echt sind“, berichtet der leidenschaftliche Bastler. Aus Wasserrohren, Blumentöpfen und Computer-Ventilatoren imitierte er eine BMW-Strahlturbine. „Als Jugendlicher habe ich Flugzeugmodelle gebaut und daher kommt die Affinität zu solchen Aufbauten.“

Fliegen kann der Golf dennoch nicht und durch die Polizeikontrolle ist er bereits durchgerollt. „Der Gepäckträger entspricht den Vorschriften, statt Räder habe ich eben Turbinen oben drauf“, sagt Christian Ose. Er hat sich längst daran gewöhnt, dass ihm jeder hinterherschaut. Für seine Frau ist das noch immer gewöhnungsbedürftig. „Da ich den Wagen nicht so oft fahre, frage ich mich immer, ob ich irgendetwas falsche gemacht habe, weil die Leute mich so anstarren. Bis mir einfällt, dass der Golf der Grund ist“, berichtet Sonja Jungmann. Sie bewundert die Geduld ihres Mannes, oft wochenlang an seinen Objekten zu feilen und sie immer weiter zu optimieren. „Wenn ich schon längst die Geduld verloren hätte, verliert er sein Ziel nicht aus dem Auge. Er hat den Ehrgeiz, im Zweifelsfall alles neu zu machen, wenn es nicht funktioniert.“

Die Turbinen verleihen dem Golf zwar keinen Turboantrieb, doch sie sind ein Blickfang. „Seit dem Umbau macht mir das Auto richtig viel Spaß“, sagt Christian Ose. Er hofft, dass sein inzwischen 21 Jahre altes Erbstück ihn noch eine ganze Weile durch die durch die Weltgeschichte begleitet. Denn eine Rostlaube ist es noch lange nicht.