Der Wuppertaler Igelstation geht der Platz aus

Tierschutz : Der Igelstation geht der Platz aus

Nach dem heißen Sommer versorgen die Helfer zeitweise 150 Tiere.

Während draußen die Temperaturen immer winterlicher werden, wirkt in der Igelstation an der Friedrich-Ebert-Straße der heiße und trockene Sommer noch immer nach. Im dem großen Raum im Untergeschoss eines Hinterhofhauses reiht sich Pappkiste an Brettergehege. 90 hilfsbedürftige Igel werden von den ehrenamtlichen Helfern dort zurzeit versorgt. 15 weitere konnten bereits ins Winterquartier, ein unbeheiztes Dachgeschoss in einem Penthouse am Döppersberg, gebracht werden. Vor kurzem war die Lage nach deutlich dramatischer, sagt die Leiterin der Igelstation, Monika Thomas: bis zu 150 Igel mussten zwischenzeitlich in der Station versorgt werden, die derzeit für maximal 120 Tiere ausgelegt ist.

„Viele Tiere waren sehr schlecht ernährt, das macht vor allem den Jungigeln zu schaffen“, sagt Monika Thomas. Seien diese zu klein, überlebten sie den Winter nicht. Der Nahrungsmangel habe vor allem mit dem heißen und trockenen Wetter im Sommer zu gehabt. „Regenwürmer und Schnecken sind bei trockenem und hartem Boden schwer zu finden“, erklärt sie. Während Vögel in einem großen Gebiet nach Nahrung suchen könnten, seien die Igel auf das Angebot vor Ort angewiesen. So schwierig wie in diesem Sommer sei die Lage seit Gründung der Igelstation 2006 noch nie gewesen.

Der Lebensraum wird
immer weniger

Ein weiteres Problem sei der zurückgehende Lebensraum für die Tiere, die sich vor allem in naturbelassenen Wiesengegenden und Gärten wohl fühlen. Engmaschige Zäune nötigten sie zu weiten Umwegen. „Da hilft es schon, wenn man ein kleines Quadrat unten aus dem Zaun herausschneidet“, sagt Thomas. Und bei Gartenarbeiten mit Geräten sei im Gebüsch und an Laubhaufen Vorsicht geboten. Denn viele Igel werden mit Verletzungen durch Gartengeräte in die Station gebracht. Mähroboter sollten so eingestellt werden, dass sie nicht zu nah ans Gebüsch heranfahren, von Laubsaugern rät Thomas ab. Und beim Stich mit der Mistgabel in den Kompost seien Tiere gefährdet, die sich dort vielleicht ein Nest gebaut haben. Probleme, die nicht nur in Wuppertal, sondern überall bestünden. „Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die Zahl der Igel europaweit drastisch zurückgegangen ist“, sagt Thomas. Probleme gebe es auch durch den Einsatz von Pflanzengiften und Pestiziden. Die Landwirtschaft trage zur Vergrößerung des Problems bei. Früher hätten Bauern vor dem Mähen das Feld auf Tiere hin überprüft, heute geschehe das kaum noch.

60 bis 80 Prozent der Igel sterben im ersten Lebensjahr

Umso mehr wächst die Hilfsbedürftigkeit des unter Naturschutz stehenden Tieres. Etwa 60 bis 80 Prozent der Jungtiere sterben im ersten Lebensjahr, sagt Thomas. Die gelernte Heilpraktikerin und Tierheilpraktikerin mit Erfahrung im Krankenhaus gründete die Igelstation im Jahr 2006. Eine Freundin habe sie für die Igel begeistert. „Der Hilfsbedarf ist groß und mir taten die Tiere einfach leid“, sagt Thomas. Denn unterernährte, verletzte und kranke Igel müssten fachgerecht versorgt werden. Wer einen Igel bei Tag entdecke, könne fast sicher sein, dass es diesem nicht gut gehe. Dann kann man sich an die Igelstation wenden und um Rat fragen.

Drei Ehrenamtler im Bundesfreiwilligendienst und etwa zehn weitere Helfer, die meist für kurze Zeiten zur Verfügung stehen, kümmern sich mit ihr zusammen um die Igel in der Station, sagt Thomas. Weitere Hilfe und Spenden seien immer gerne gesehen. Denn zu tun gebe es genug: von der Ersthilfe über das Saubermachen der Gehege, Füttern, Wiegen bis hin zu Tierarztbesuchen. Da es in der Region kaum ähnliche Hilfsangebote für Igel gebe, meldeten sich auch Menschen aus Duisburg oder Essen in Wuppertal, sagt Thomas. Die 73-Jährige hofft, dass sich weitere Engagierte finden, wenn sie demnächst mal etwas kürzertreten und die Station irgendwann in andere Hände übergeben muss. „Ich bin Optimist“, sagt sie. Eine schöne Aufgabe sei die Arbeit in der Igelstation allemal: „Man freut sich, wenn sich die Leute um Igel kümmern, und wenn die hilfsbedürftigen Tiere wieder gesund werden, bekommen sie damit eine zweite Chance.“

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