Der Wuppertaler Einzelhandel will die Brötchentaste

Der Wuppertaler Einzelhandel will die Brötchentaste

Die Stadt lehnt ab, weil sie damit 600 000 Euro Gebühren im Jahr verliert.

Wuppertal. Am Samstagmorgen mal eben in der Elberfelder Innenstadt parken und zum Bäcker gehen oder wochentags in der Mittagspause im Barmer Zentrum parken und beim Metzger einkaufen — das geht seit vielen Jahren nur mit Parkgebühren. 50 Cent müssen Autofahrer je nach Lage für 20 oder 30 Minuten Parken im Elberfelder und Barmer Zentrum zahlen. Doch warum führt die Stadt nicht eine sogenannte Brötchentaste ein, mit der man für kleine Erledigungen etwa 15 Minuten kostenlos parken kann? Das fragen sich immer wieder Wuppertaler Bürger, zumal es in Solingen und Köln solche Modelle gibt.

Auch die Einzelhändler sprechen sich für die Brötchentaste aus. „Das wäre ein zusätzlicher Servicepunkt“, sagt Matthias Zenker von der Elberfelder Interessengemeinschaft IG1. Auch Mathias Wewer von der Interessengemeinschaft (IG) City Barmen findet: „Eine Brötchentaste wäre total super.“ Deshalb habe die IG City Barmen diesen Vorschlag auch schon mehrfach an die Stadt herangetragen. „Doch das wurde uns um die Ohren geschmettert.“ Der Kämmerer sehe mit Blick auf den angeschlagenen Haushalt keinen Spielraum.

Auch bei der Stadt wurde die Brötchentaste seit 2002 immer wieder diskutiert, sagt der Leiter des Straßenverkehrsamtes, Reinhard Behr. Damals hatte die Stadt Köln einen Modellversuch unternommen. Doch in Wuppertal wurde das Thema abgelehnt. Aus Sicht der Stadt sei die Situation ohnehin nicht schlecht. Es gebe mit 50 Cent für 20 bis 30 Minuten Parken bereits „günstige Gebühren“, so Behr. Außerdem müssten Autofahrer nur im Elberfelder und Barmer Zentrum zahlen. „Auch die Zeiten sind im Vergleich zu anderen Städten großzügig“, sagt Behr.

Parktickets müssen nur montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr gezogen werden. Und nicht zuletzt rechnet die Stadt natürlich mit den Einnahmen von 2,1 Millionen Euro im Jahr durch die Parkgebühren. Mit Brötchentaste wären es 600.000 Euro weniger, rechnet Behr vor. „Das ist viel Geld in Wuppertal“, sagt er mit Blick auf die schwierige Haushaltslage.

Eine Rechnung, die Mathias Weber von der IG City Barmen nicht gelten lassen will. „Durch die Brötchentaste hätten wir einen positiven Effekt. Wir könnten mehr Umsatz machen und die steigenden Steuereinnahmen würden die Mindereinnahmen bei den Parkgebühren kompensieren.“ Doch der Leiter des Straßenverkehrsamtes widerspricht: „Das ist eine fiktive Rechnung und reine Spekulation“, so Reinhard Behr. Außerdem würde die Brötchentaste aus seiner Sicht mehr Verkehr zur Folge haben, weil mehr Autofahrer einen freien Parkplatz suchen würden. Das würde zu mehr Verkehrslärm und einer höheren Umweltbelastung führen.

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