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Der „Waldumbau“ am Ehrenberg

Der „Waldumbau“ am Ehrenberg

Park des Monats: Förster Sebastian Rabe führt am Samstag in den Wuppertaler Osten.

Langerfeld. Mitunter kann es am Ehrenberg derzeit etwas lauter werden. Sägen und Bohrer sind im Einsatz. Der „Waldumbau“ läuft. „Das heißt wirklich so“, erklärt Sebastian Rabe. Und als Abteilungsleiter Forsten, also als oberster Förster der Stadt, muss er ja wissen, wovon er spricht. Anwohner dürften sich allerdings weniger gestört fühlen — es gibt ja kaum welche an diesem Fleckchen Wuppertals, wo die Großstadt so weit weg zu sein scheint, wie nur irgendwas. Wer den Ehrenberg noch nicht kennt, hat am Samstag Gelegenheit dazu. Dann führt Rabe in der Reihe „Park des Monats“ durch das Areal mit Baumlehrpfad und Wildgehege.

Der „Waldumbau“ am Ehrenberg
Foto: Stefan Fries

Als die Initiatoren der Reihe ihn verpflichten wollten, habe er sich einen Tag Bedenkzeit gebeten, erinnert sich Rabe schmunzelnd. Die Reihe selbst „finde ich super“. Aber passt der Ehrenberg da wirklich rein? Schnell sei ihm aber klar geworden. „Auf jeden Fall.“ Auch wenn der Ehrenberg alles andere als ein klassischer Park sei. Aber dieser Wechsel zwischen den verschiedenen Orten mache gerade den Reiz der Reihe aus.

Bei Rabes Führung wird es also weniger um die Historie des gut 130 Quadratmeter großen Areals gehen, dafür mehr um den Wald direkt. So will er erläutern, was hinter dem Umbau steckt — und packt dann doch zumindest ein bisschen Geschichte aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ehrenberg — also die Wälder — nämlich praktisch platt gemacht. Auf der Suche nach Brennholz fällten die kriegsgeschädigten Wuppertaler alles, „was sie mit der Säge durchbekamen“. Tabula Rasa. Das habe für einen Großteil der Südhöhen gegolten. Die wenigen noch heute erhaltenen alten Bäume rettete ihr bereits damals zu dicker Stamm.

Die nachfolgenden Neupflanzungen wie die Roteiche indes sehe man aus heutiger Sicht aber eher kritisch, sagt Rabe. Wobei damals auch kaum etwas anderes möglich gewesen wäre ob der schlechten Qualität des Bodens. Heutzutage seien aber Neupflanzungen klassischer Baumarten wieder möglich. Deshalb also der Umbau, der derzeit läuft.

Wobei, wie Rabe betont, dass keine Sache von ein paar Jahren sein wird. Gut die Hälfte der Bäume werde ausgetauscht — in einem Zeitraum von 100 Jahren. „Und eigentlich sind wir auch nicht mehr ganz am Anfang“, sagt Rabe, der 2016 die Nachfolge von Albert Vosteen bei der Stadt antrat. Los ging es bereits vor gut zehn Jahren. Eine Folge von Sturm Kyrill, der auf dem Ehrenberg etwa 25 Hektar Bäume entwurzelte.

Fester Bestandteil des Ehrenbergs sei natürlich auch das Wildgehege. Vermutlich gab es das schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Diese Info sei aber eher mündlich überliefert. Aufzeichnungen gebe es nicht, die Unterlagen, auch was den damaligen Baumbestand angeht, seien fast alle im Krieg zerstört worden.

Als Förster plane man eigentlich „immer gut 300 Jahre im Voraus“, sagt Rabe. Dass er von seinen heutigen Anstrengungen wenig habe, störe ihn dabei nicht. Dann werde halt ein anderer Förster dort stehen und sehen, was seine Vorvorvorvorvorgänger geschaffen haben — so wie er heute vor teilweise mehrere hundert Jahre alten Bäumen steht.