Der Tiger, das Theaterstück und die begeisterten Kinder

Der Tiger, das Theaterstück und die begeisterten Kinder

Unter dem Titel „Kekse“ bringt das Stück die englische Sprache näher.

Wuppertal. Ein wenig ungewöhnlich ist es schon, dass ein Tiger an der Tür klopft, um mit Sophie und ihrer Mutter Tee zu trinken. Doch in der Geschichte „The Tiger who came to Tea“ ist das eine Selbstverständlichkeit.

Die hungrige Raubkatze wird willkommen geheißen, isst den gesamten Kuchen, die Kekse und alle Sandwiches auf und hinterlässt ein Riesenchaos.

Das Kinderbuch von Judith Kerr ist in England ein Klassiker und etwa so bekannt wie hierzulande der Struwwelpeter. Derzeit wird die Geschichte unter dem Titel „Kekse“ in der Börse auf die Bühne gebracht — als eine Mischung aus Tanzperformance, Theater, Musikimprovisation — und das auf Englisch.

Die Premiere war ein voller Erfolg, dreimal mussten die Musikerin Maryanne Piper und die Tänzerin Nusara Mai-ngarm eine Zugabe spielen — nach einer Dreiviertelstunde hatten die Kinder noch nicht genug — „sie wollten noch mehr Tiger sehen“, sagt Mai-ngarm, die die Raubkatze spielt.

Im vergangenen Jahr hatten die Muttersprachlerinnen die Idee, Kindern auf spielerische Art die englische Sprache nahe bringen und sie an Kultur heranführen. Schnell zog die Idee größere Kreise.

Ein Bühnenbild und Kostüme mussten her. Die beiden Künstlerinnen haben alles selbst gemacht, das Teegedeck etwa, inspiriert von „Alice im Wunderland“, als fantastische, überdimensionale Teekanne mit großen runden Teetassen.

„Kinder lernen Sprache in Verbindung mit Objekten und Gesten wesentlich leichter“, sagt Mai-ngarm. Wenn sie, in London aufgewachsen, gefährlich mit den Augen rollt und gierig in den Kuchen beißt, dann wird schnell klar, das „hungry“ hungrig bedeutet.

Doch es ist mehr geworden als die Vermittlung von Sprache. „Es ist die Vermittlung einer Mentalität“, sagt Piper. Die englische „Tea-Time“(Tee-Zeit), die Charaktere, der Humor.

Uta Atzpodien, Dramaturgin des Stücks und selbst Mutter von zwei Kindern, stellt fest: „Heute ist alles schnelllebig, man könnte meinen, dass die Tanzszenen und das Klarinettenspiel, die teilweise mehrere Minuten dauern, Kinder langweilen. Aber sie sitzen völlig gebannt da. Es ist rührend, zu sehen, mit welcher Ruhe sich die Kinder auf Bewegung oder Musik einlassen.“

Und nicht nur Kinder gehören zum Publikum, auch Erwachsene finden sich ein. „Denn die Geschichte ist auch philosophisch. Sie animiert dazu, auch das Irreale als Wahrheit anzunehmen, und Lösungen kreativ zu suchen“, sagt die Dramaturgin.

Da die Resonanz zu „Kekse“ so groß war, „es gab Anfragen auch von Schulen“, sind im Mai weitere Aufführungen. Langfristig ist geplant, ein neues Stück aufzulegen, sagt Uta Atzpodien.

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