Städteranking: „Der Strukturwandel ist eine große Hypothek“

Städteranking: „Der Strukturwandel ist eine große Hypothek“

Interview Der Oberbürgermeister über das Abschneiden im Städteranking und die Arbeit an den Defiziten der Stadt.

Herr Mucke, im Städte-Ranking der „Wirtschaftswoche“ steht die Stadt aktuell nicht besonders gut da.

Andreas Mucke: Es gibt viel Licht, aber auch Schatten. Aber man sieht im Dynamikranking, das die Entwicklung der letzten fünf Jahre beurteilt, dass es viel Bewegung gibt. Wir sind in vielen Bereichen auf einem guten Weg auf einem guten Weg.

Probleme gibt es aber etwa im Wohnungsneubau. Wuppertal baut dem Ranking zufolge 1,7 Wohnungen je 1000 Einwohner (Platz 64), der Mittelwert liegt bei 6,2.

Mucke: Das stimmt. Wir brauchen mehr Neubau, trotz der vielen Leerstände. Denn gerade im mittleren und hochwertigen Segment, bei Ein- und Zweifamilienhäusern, besteht große Nachfrage. Im Übrigen möchte ich den meiner Meinung nach tollen Wohnstandort Wuppertal für die vielen Menschen im Rheinland attraktiv machen, die sich das Wohnen dort trotz guter Einkommen nicht mehr leisten können. Außerdem wollen nicht alle in Gründerzeitwohnungen, von denen viele leider leer stehen, leben. Wir brauchen auch mehr sozialen Wohnungsbau. Hier ist die Stadt seit zwei Jahren unterwegs, um Bauherren, Architekten und Investoren zu den Förderungmöglichkeiten zu beraten. Apropos Neubau zwei Beispiele: Am Heubruch und am alten Lokschuppen in Vohwinkel entstehen in den kommenden Jahren viele Hundert Wohnungen.

In Sachen Immobilienmarkt ist Wuppertal weit abgeschlagen im Ranking.

Mucke: Das ist Segen und Fluch zugleich. Niedrige Mieten und Kaufpreise sind gut für die Bürger und Teil der Qualität Wuppertals. Für Investoren ist das aber nicht so lukrativ wie etwas in Düsseldorf zu bauen.

Der Anteil privat überschuldeter Personen ist mit 18,2 Prozent (Platz 70) weiter hoch.

Mucke: Da waren wir immer abgeschlagen. Wir haben viele bitterarme Menschen, die durch Konsum dazugehören wollen und sich dabei überschulden. Wir müssen aber am Ball bleiben, mit einer zu stärkenden Schuldnerberatung, der Aufklärungsarbeit z.B. der Verbraucherzentrale und der Arbeit im Bündnis gegen Armut.

Was hilft da noch?

Mucke: Etwa auch, dass wir wenige Schulabgänger ohne Abschluss haben und die Jugendarbeitslosigkeit sich gut entwickelt. Das sind kommunale Erfolge. Programme wie „Kein Abschluss ohne Anschluss“ funktionieren hier. Das wird intensiv von unserem starken Mittelstand und dem Handwerk getragen. Aber das braucht auch einen langen Atem.

Ähnlich die Kita-Entwicklung. Da steht Wuppertal aktuell auf Platz 68 (U3) und 69 (3-6 Jahre).

Mucke: Wir haben 2400 Betreuungsplätze in den vergangenen drei Jahren geschaffen, das zeigt sich in Platz 34 (U3) im Vergleich der letzten fünf Jahre. Aber wir können nicht so schnell die Versäumnisse der Jahre zuvor aufarbeiten. Wir schaffen auch weiter neue Plätze. Aber wir brauchen dauerhafte Hilfe von Land und Bund. Wir brauchen zudem Bauflächen und Erzieherinnen.

Wuppertal hat auch Spitzenplätze eingenommen – Platz 1 bei den wissensintensiven Dienstleistungen, Platz 11 bei Patenten.

Mucke: Wir haben 13 Plätze im Dynamikranking gutgemacht. Das zeigt, dass wir in die richtige Richtung gehen. Mit großen Schritten. Aber der Strukturwandel seit den 1950er Jahren bis Ende der 1990er ist eine große Hypothek, die wir mit uns herumtragen.Wir haben viel Potenzial, das heben wir Stück für Stück.

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