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Der Stadt Wuppertal droht ein Rechtsstreit um alte Blutbuche

Baum ist inzwischen gefällt : Stadt Wuppertal droht Rechtsstreit um Blutbuche

Der mittlerweile gefällte Baum zerstörte bereits im Herbst ein Auto. Das führte zu 18.000 Euro Sachschaden.

In der vergangenen Woche ist eine der beiden Blutbuchen an der Kita Staubenthaler Straße gefällt worden – wegen eines Pilzbefalls durch den sogenannten Angebrannten Rauchporling war der Baum nicht mehr standsicher und musste entfernt werden. Für Peter Halbach kommt die Fällung des Baumes aber ein gutes halbes Jahr zu spät. Er und seine Familie wurden um ein Haar Opfer des maroden Baumes: Am Abend des 1. Oktober fiel ein großer Ast auf ihr Auto und zerstörte den Pkw.

„Der Ast war etwa neun Meter lang und 50 Zentimeter dick“, erinnert sich Halbach. Zum Zeitpunkt des Vorfalls war es regnerisch: Halbach hatte hinten im Fond des Fahrzeugs gesessen, sein Sohn am Steuer und seine Frau auf dem Beifahrersitz. Durch die Wucht des Aufpralls sprang die Heckscheibe heraus. Das etwa drei Jahre alte Auto hatte nur noch Schrottwert, glücklicherweise gab es keine Verletzten.

Etwa 18.000 Euro betrug der Schaden den Angaben zufolge, über seine Kaskoversicherung konnte Halbach die Auslagen erstatten lassen. Allerdings möchte er von der Stadt nun Schadensersatz erhalten, hat einen Anwalt eingeschaltet und prüft ein zivilrechtliches Verfahren. Sein Vorwurf: Der Schaden an dem als Naturdenkmal ausgewiesenen Baum sei seit Jahren bekannt gewesen, die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen. „Der Ast war mit einem Gurt gesichert gewesen“, erzählt Halbach. Ein aus seiner Sicht recht zweifelhaftes Verfahren, das offenbar nicht funktioniert habe. Umso erstaunlicher sei es, dass ihm von einem Vertreter der Stadt nun gesagt worden sei, eine solche Sicherung von Bäumen sei „normal“, erklärt er.

Laut Stadt werden viele Bäume nur mit Gurten gesichert

Diese Einschätzung bestätigt auch der Abteilungsleiter für die Grünflächenunterhaltung-Ost bei der Stadt, Christian Arlt. „Es gibt vermutlich Tausende von Bäumen im Stadtgebiet, die so gesichert sind“, sagt er auf WZ-Anfrage. Der Baum an der Staubenthaler Straße sei sehr ausladend gewesen, seine Krone mit Stahl- und Nylonseilen deshalb abgesichert worden.

Diese Art der Sicherung sei seit Mitte der 1970er Jahre üblich und durchaus nicht ungewöhnlich gewesen, betont Arlt. Zudem habe es bis auf den Unfall mit dem Pkw keine weiteren Vorfälle an diesem Ort gegeben. Von einem Gutachter sei die Fällung der Blutbuche an der Kita empfohlen worden, diese Maßnahme stehe aber in keinem Zusammenhang mit dem Unfall vom vergangenen Herbst. Noch im laufenden Jahr soll dort ein neuer Baum als Ersatz gepflanzt werden.

Nach Angaben von Bezirksbürgermeister Harald Scheuermann-Giskes (SPD) hat die nun gefällte Blutbuche in den vergangenen Jahren keine besondere Rolle in den Beratungen der Bezirksvertretung Ronsdorf gespielt. Anfragen von Bürgern oder BV-Vertretern zu einer möglichen Verkehrsgefährdung durch den Baum seien ihm nicht bekannt, erklärt Scheuermann-Giskes.